Aarau
«Enorme Beträge werden durch überflüssige Projekte in den Sand gesetzt»

Ueli Meyer, der Rektor der Berufsschule Aarau bsa, kritisiert den Kanton, weil dieser darüber nachdenkt, die Finanzierung der Berufsschulen zu ändern. Unternehmerische Aktivitäten der Berufsschulen würden dadurch verunmöglicht.

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«Getrübte Zusammenarbeit mit kantonalen Stellen»: Ueli Meyer, der Rektor der Berufsschule Aarau. (Archivbilder)

«Getrübte Zusammenarbeit mit kantonalen Stellen»: Ueli Meyer, der Rektor der Berufsschule Aarau. (Archivbilder)

Die Kantonalisierung der Aargauer Berufsschulen sei leider wieder ein Thema, hält Ueli Meyer, Rektor der Berufsschule Aarau bsa, in seinem Jahresbericht fest. «Das trübt das bis anhin gute Verhältnis und die gute Zusammenarbeit mit den kantonalen Stellen erheblich.»

Die Berufsschulen hätten seit 2008 über 10 Prozent der Kosten eingespart, während gleichzeitig der Bund dem Kanton über 14 Millionen beziehungsweise 40 Prozent mehr für die Berufsbildung überwiesen habe. Es sei klar, dass «die Kantonalisierung einen wesentlichen Teil der unternehmerischen Aktivitäten der Berufsschulen verunmöglichen» würde. Ueli Meyer: «Es schmerzt, mitansehen zu müssen, wie enorme Beträge durch überflüssige Projekte in den Sand gesetzt werden.»

«Berufsmaturität wird geschwächt»

Ueli Meyer kritisiert vehement «die Schwächung der Berufsmaturität durch die Zerschlagung des BM-Kompetenzzentrums an der bsa». Die BM Gesundheit/Soziales soll in Brugg neu aufgebaut werden, ohne dass, so Meyer, dafür Ressourcen oder Know-how vorhanden wären.

Auch Schulraum müsse gesucht werden. Infrastruktur wie naturwissenschaftliche Zimmer, Sammlungen und andere Einrichtungen fehlten. Er beklagt, dass im Gegenzug an der bsa «vorhandene Ressourcen abgebaut und schlechter ausgenützt, Lehrer entlassen und Freifächer eingeschränkt werden». Von einem breiten Angebot, wie es an der bsa bestehe, könne am neuen Standort keine Rede sein.

Wenn der neue Anlauf zur Kantonalisierung mit anderen regierungsrätlichen Projekten (Aufgabentei-lung Kanton-Gemeinden, Finanzhoheit beim Kanton) begründet wird,
so kann das den Rektor der Berufsschule Aarau nicht überzeugen.

Köche mit höchster Durchfallquote

An der bsa haben von insgesamt 767 Teilnehmenden deren 6,4 Prozent nicht bestanden. Dennoch stellt der Rektor den Schülern ein gutes Zeugnis aus. Die höchsten Durchfallquoten haben die Köche und die Elektroinstallateure mit je 13 Prozent. In diesen Zahlen nicht inbegriffen sind die 230 Berufsmaturandinnen und -maturanden (BM), von
denen 220 bestanden haben. Ihre Durchfallquote liegt bei 4,5 Prozent.

Seit einigen Jahren verfolge die Schulleitung die Lehrvertragsauflösungen sehr genau, schreibt Meyer. Er stelle mit einiger Befriedigung fest, dass es «in rund 40 Prozent der Fälle dem Berufsinspektor mit Unterstützung der Lehrpersonen gelinge, einen endgültigen Ausstieg aus dem Berufsalltag zu verhindern und eine Anschlusslösung zu finden». (Kel)