Wer auf den Aarauer Strassen unterwegs ist, kommt nicht umhin, zu bemerken: Die Eniwa (früher IBA) ist fleissig. Besonders in der Telli sind seit Monaten an verschiedenen Orten Tiefbauarbeiten für ein flächendeckendes Fernwärme-Netz in Gang. Und aktuell liegen im Stadtbüro (noch bis 19. Februar) wieder zwei Baugesuche auf.

Mit dem ersten Baugesuch soll die Anbindung des Telli-Quartiers an den bestehenden Wärme- und Kälteverbund Torfeld sichergestellt werden. Die Energiezentrale Torfeld Nord wurde 2016 in Betrieb genommen. «Weil die Bautätigkeit dort aber noch auf sich warten lässt, haben wir in diesem Bereich eine Überkapazität», sagt Eniwa-CEO Hans-Kaspar Scherrer. «Ziel ist, die beiden Fernwärmenetze Telli und Torfeld zusammenzuschliessen, sodass sie einander bei Bedarf aushelfen können.» Die geplante Leitung führt von der Rohrerstrasse (Bereich Weinkellereien) unterirdisch im Wald bis zur Weihermattstrasse in der Telli. Es sind Rodungen notwendig. Das Projekt soll in den nächsten 12 Monaten umgesetzt werden, vereinzelt ist im Bereich der Postautogarage mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Laut Baugesuch betragen die Investitionskosten 190 000 Franken.

Das zweite Baugesuch betrifft einen Bestandteil der neuen Energiezentrale (Wärme- und Kälteverbund) in der Telli. Sie kommt direkt neben der ARA zu liegen und kostet insgesamt rund 20 Mio. Franken. Die Energiezentrale liegt als baureifes, rechtskräftig bewilligtes Projekt auf dem Tisch; Hans-Kaspar Scherrer rechnet mit einem Baubeginn Ende 2018 oder Anfang 2019.

Es fehlt nun noch die Bewilligung für die geplante Abwasserwärmenutzung: «Die Restwärme im gereinigten Abwasser der ARA wird mittels einer Wärmepumpe genutzt und als Energie ins Netz eingespeist», erklärt Scherrer. So können 25 Millionen Kilowattstunden Energie gewonnen werden. Das Abwasser ist vor allem im Winter leicht wärmer als das Grundwasser, aus dem normalerweise Fernwärme gewonnen wird.

Auf die Anlage in der Telli kommen grosse Aufgaben zu: So werden beispielsweise das Neubauprojekt «Hangaar» (auf dem Hangartner-Areal an der Neumattstrasse) sowie die Telli-«Staumauern» ans Eniwa-Wärmenetz angeschlossen. Insgesamt investiert die Eniwa in ihr gross angelegtes, mehrere Ausbauschritte umfassendes Fernwärmeprojekt 100 Mio. Franken. Es soll rund einen Viertel des städtischen Wärmeverbrauchs auf erneuerbare und CO2-freie Energie umstellen. «Im Jahr 2017 hat Eniwa über 40 Millionen Kilowattstunden erneuerbare Wärme und Kälte an die ersten Kunden der Wärmenetze Kasino und Torfeld geliefert», so Scherrer. «Damit ist bereits 10 Prozent des Aarauer Wärmeverbrauchs auf erneuerbare Wärme umgestellt.»