Aarau
Eniwa hat bei Kraftwerkerneuerung freie Hand: Das Ende für den Spazierweg am Kanal?

Die auf dem revidierten Aarauer Bauzonenplan vorgesehene Energiezone beim Kraftwerk lässt der Eniwa freie Hand. Die Allgemeinheit interessiert in erster Linie die Frage, ob es dem Kanal entlang auch nach der Kraftwerkerneuerung noch einen durchgehenden Spazierweg zwischen der Kraftwerkbrücke und dem Parkplatz bei der ehemaligen Badanstalt geben wird.

Ueli Wild
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Energiezone Aarau

Energiezone Aarau

Ueli Wild
Ausschnitt aus dem revidierten Bauzonenplan rosa die vorgesehene Energiezone an beiden Kanalufern und beim Kraftwerk selber, rot-violett schraffiert die Zone Arbeiten und Wohnen dreigeschossig, grau die Zone öffentliche

Ausschnitt aus dem revidierten Bauzonenplan rosa die vorgesehene Energiezone an beiden Kanalufern und beim Kraftwerk selber, rot-violett schraffiert die Zone Arbeiten und Wohnen dreigeschossig, grau die Zone öffentliche

Ueli Wild

Einer der grössten Brandherde bei der Revision der Aarauer Nutzungsplanung ist die geplante Wohnüberbauung der Eniwa an der Erlinsbacherstrasse. Das Projekt wird seit Jahren von der Interessengemeinschaft Alte Badi bekämpft.

Diese lehnt die mit dem revidierten Bauzonenplan einhergehenden Änderungen ab und hofft auf eine Rückweisung der Vorlage. Was deshalb auf den ersten Blick als Partikularinteresse der Hungerberg-Bewohner daherkommt, ist in Wirklichkeit jedoch durchaus von öffentlichem Interesse. Vor allem, weil es hier um die Zukunft eines wichtigen Aarauer Naherholungsgebietes geht.

Die Allgemeinheit interessiert in erster Linie die Frage, ob es dem Kanal entlang auch nach der Kraftwerkerneuerung noch einen durchgehenden Spazierweg zwischen der Kraftwerkbrücke und dem Parkplatz bei der ehemaligen Badanstalt geben wird. Dafür gibt es bis heute keine Garantien.

Die Verbindung vom Albert-Einstein-Weg («Summertime») via Süffelsteg und Kraftwerkbrücke, dem Kanal entlang bis zum Schönenwerder Wehr und am Südufer des Kanals zurück ist äusserst beliebt: Hier trifft man Spaziergänger, Jogger, Hündeler, Skater und Velofahrer in grosser Zahl.

Zone Freiraum endet abrupt

Zwar ist auf dem Bauzonenplan am Kanal eine Zone Freiraum eingetragen, die auf Höhe der Wiese westlich des Parkplatzes 15 Meter breit ist und sich dann, den von der Eniwa geplanten Wohnbauten entlang, zunehmend verengt. Dort wo die Wohnbauten an der Erlinsbacherstrasse bereits abgerissen wurden, endet sie aber.

Hier beginnt die Energiezone, auf der alles realisiert werden darf, was für den Kraftwerkbetrieb als nötig erachtet wird. In diesem Abschnitt wurde auch kein Gewässerraum ausgeschieden, und die Energiezone reicht bis an den Kanal. Die IG Alte Badi verlangt Garantien dafür, dass hier ein öffentlicher Weg, wie er heute besteht, zugelassen wird.

Das gleiche Problem besteht auf der Insel zwischen Alter Aare und Kanal: Auch hier grenzt, allerdings schon seit der ersten öffentlichen Auflage, eine Energiezone direkt an den Kanal. Im Mitwirkungsverfahren war die Insel noch vollständig der Zone Freiraum zugewiesen worden.

Die Energiezone an der Erlinsbacherstrasse hat sich erst bei der zweiten öffentlichen Auflage in den Bauzonenplan geschlichen, also ohne dass hier je eine Mitwirkung möglich gewesen wäre. Seitens der IG Alte Badi gingen dafür bei der zweiten Auflage rund 80 Einwendungen ein. Bei der ersten waren es 175 gewesen.

Nach der ersten Auflage war es zu einer grossen Einigungsverhandlung im KuK gekommen. Das Resultat war eine Konzession, die der Stadtrat den Einwendern gegenüber machte: Er beliess die Wiese westlich der Parkplätze bei der Alten Badi in der Zone Öffentliche Nutzung (früher Zone für öffentliche Bauten und Anlagen).

Vorderhand dürfte die Wiese tatsächlich nicht überbaut werden. Die Stadt Aarau könnte auf ihr aber theoretisch auch ein Schulhaus oder ein Verwaltungsgebäude erstellen. Die IG Alte Badi sähe die Wiese deshalb lieber in der Freihaltezone.

Spielplatz wird geopfert

Hart blieb der Stadtrat zum Leidwesen der IG in Bezug auf den Spielplatz zwischen den Garagen und den Parkplätzen: Der Spielplatz soll der geplanten Wohnüberbauung der Eniwa weichen. Dieser Teil der Parzelle befindet sich nach der Zonenplanrevision in der Zone Arbeiten und Wohnen Arbeiten und Wohnen dreigeschossig (AW3). Bisher lag sie in der Wohnzone zweigeschossig (W2).

Eine Einigungsverhandlung habe es nach der zweiten öffentlichen Auflage nicht gegeben, sagen Exponenten der IG Alte Badi. Einen Entscheid über die Einwendungen gebe es nicht. Trotzdem werde die Vorlage dem Einwohnerrat zur Beschlussfassung vorgelegt.

In der Botschaft an den Einwohnerrat schreibt der Stadtrat von insgesamt 10 Einwendungsverhandlungen im Zusammenhang mit der zweiten Auflage. Auf Verhandlungen verzichtet habe man etwa, «wenn die Anträge nur unwesentlich von den ersten Einwendungen abwichen» oder «wenn die Einwendung sich nicht auf Änderungen der zweiten öffentlichen Auflage bezog».

Der Stadtrat macht weiter deutlich, «dass die Nutzungspläne und die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) keine grundeigentümerverbindlichen Änderungen zur zweiten öffentlichen Auflage erfährt». Daraus muss geschlossen werden, dass alle Einwendungen abgewiesen wurden – mit oder ohne Einigungsverhandlung.

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