Das KiFF feiert Jubiläum, 25 Jahre. Zum musikalischen Inventar des Aarauer Kulturhauses gehören Endo Anaconda und Stiller Has, die bereits vor 25 Jahren und in der Zwischenzeit immer wieder im KiFF aufgetreten sind. «Stiller Has ist über zwölfmal aufgetreten», weiss Gisela Roth, im KiFF seit Anfang dabei und seit 2004 Präsidentin des Trägervereins. Nach dem Konzert zum Saisonauftakt ergab sich backstage Gelegenheit zum lockeren Gespräch mit Gisela Roth und Endo Anaconda.

Frau Roth, haben Sie gekifft im KiFF vor 25 Jahren?

Gisela Roth: Ich gekifft im KiFF vor 25 Jahren … (lacht herzhaft)
Endo: Der Name ist ja genial. Ich habe erst später herausgefunden, dass der Name nichts mit Kiffen zu tun hat.

Haben Sie im KiFF gekifft, Endo?

Endo: Ich nicht (lacht). Ich habe nie weiche Drogen genommen.

Das Kulturhaus KiFF ist seit 25 Jahren in der ehemaligen Futterfabrik, von der sich das Kürzel ableitet: Kultur in der Futterfabrik. Das KiFF feiert also 25 Jahre Zwischennutzung.

Endo: Das ist die beste Nutzung.

Es bedeutet, Neues ausprobieren. Fürchten Sie nicht, dass das Kreative, das Spontane verloren geht, wenn sich Ihre Hoffnungen erfüllen sollten und Sie ein fertiges Haus bekommen?

Roth: Vor 25 Jahren hatte das KiFF jemanden mit einem halben Pensum angestellt, heute sind es zwölf Angestellte. Noch immer wird im KiFF viel Freiwilligenarbeit geleistet, wie früher. Was aber anders geworden ist, ist die Professionalisierung. Man hat früher selber das Licht gemacht, selber mit den Künstlern einen Vertrag aufgesetzt. Die Buchhaltung wurde von Freiwilligen erledigt. Das geht heute nicht mehr. Trotzdem haben wir das Feuer vom Anfang nicht verloren. Am Ende geht es immer um die Künstler, die bei uns auftreten.
Endo: Ein Haus muss sich von unten nach oben entwickeln. Es ist dumm, zuerst das Bauvolumen zu bestimmen und dann zu überlegen, was die Inhalte sein sollen. Es ist gut, wenn etwas von unten her wächst. Ich vergleiche Kultur mit einem Spielplatz, man darf Kinder beim Spielen nicht stören. Kulturpolitiker wissen, was sie an einem KiFF in Aarau oder einem Kofmehl in Solothurn haben. In Bern ist es der Obrigkeit leider gelungen, alles was schlecht ist, die ganze Drogen- und Alkiszene, in die Reitschule abzuschieben. Doch ich hatte meine ersten Gigs dort, und habe da all die Leute kennen gelernt, mit denen ich nachher Musik machte.
Roth: Wenn man schaut, was die Leute, die früher hier waren, heute so alles machen, wie sie unter anderem in der Politik verantwortungsvolle Jobs übernommen haben…
Endo: Das KiFF ist eine Kaderschule. Ich kenne jene Leute, die damals in der Bewegung waren und jetzt in führenden Stellungen tätig sind.
Roth:Kultur ist die Seele der Stadt. Es tut gut zu sehen, wie sich die jungen Leute der Stadt hier daheim fühlen. Es ist ein Ort mit vielen guten Gesprächen.
Endo: Leider hat die Kultur in der Schweiz keinen Wert. Die Young Boys hätten ein friedliches Fussballfest geliefert, heisst es, wenn mal nicht geprügelt wurde, wir Mundartbands liefern seit Jahren friedliche Kulturfeste, YB zahlt keine Billettsteuer, wir schon.

Frau Roth, wie sind die Kontakte zu den Bands und den Musikern?

Roth: Vor einem Konzert essen wir gemeinsam, die KiFF-Crew und die Künstler. Man plaudert und lernt sich kennen. Endo ist im KiFF mehr als zwölfmal aufgetreten, alle zwei Jahre mindestens haben wir uns hier getroffen. So entstand eine gemeinsame Geschichte. Viele Künstler gehen hier aus- und ein, sie gehören zum Haus, vor allem die Schweizer Musiker. Aber auch viele Afrikaner, Amerikaner oder Australier haben hier auf ihren langen Tourneen so etwas wie eine kleine Heimat gefunden.

Wie war das damals, als Stiller Has ins KiFF kamen?

Roth: Es gab intern eine Rock-Fraktion mit Freiwilligen, die harte Rock-Konzerte veranstalteten. Und dann gab es eine World-Fraktion für die Ethno-Konzerte. Die Rock-Fraktion wollte gewisse Schweizer Musik nicht machen, also landete alles, was sie nicht haben wollte, bei uns. Auch Endo Anaconda.

Endo, wie haben Sie sich gefühlt in der World-Music-Fraktion als Mundart-Band?

Endo: Es haben viele gemeint, mein Ding sei Jazz. Ich machte jedoch Spoken Word. Man kann meine Musik gar nicht klassifizieren.

Rock war englisch. Und Sie machten auf Mundart.

Endo: Manchmal bereue ich, dass ich nicht englische Songs gemacht habe. Mundart hat etwas Betuliches.

Wie hat sich in all den Jahren das Publikum verändert?

Endo: Wir sind glücklich ein gemischtes Publikum zu haben. Unsere Musik ist nicht altersgebunden. Es sind immer wieder junge Leute dazugestossen.
Roth: In Aarau hattest du immer einen guten Namen, man kennt dich hier.
Endo: Bevor ich im KiFF spielte, bin ich im Jura aufgetreten – und in einer Fabrik, staubig war es, wie ne More.

Wie hat sich Ihre Musik verändert?

Endo: Sie hat sich schwer verändert. Anfänglich war es ein Poesie- und Textprojekt.

Wie oft haben Sie, Frau Roth, durchgemacht im KiFF?

Roth: Das kam immer wieder vor. Bis wir jeweils aufgeräumt hatten, konnte es Morgen werden. Heute haben wir eine Putzcrew. Früher haben wir die Bands öfter bei uns zu Hause untergebracht. Vor allem kleinere Bands.

Wird man nicht KiFF-müde?

Roth: Nein, als heute die Bands ankamen, habe ich wieder gespürt, wofür ich die ganze Arbeit auf mich nehme.

Ihr Konzert heute im KiFF, war das nun einfach nur Routine?

Endo: Wenn du die Routine nicht hast, kannst du nicht jedesmal anders spielen. Die Routine erlaubt dir, die andern in der Band zu fecken, das macht das Konzert für uns zum Spass.
Roth: Es tönt immer anders. Wenn man die Band gut kennt, merkt man das.

Das Publikum heute Abend war gemischt, Junge und Ältere.

Endo: Ich bin froh, dass das so ist. Wir haben immer noch Publikum. Wenn weniger kommen, heisst das nicht, dass das Publikum wegstirbt.
Roth: Das ist schon auch eine Qualität deiner Musik. Vorne an der Bühne hatte es Junge, die alles mitsingen konnten. Das hat mich berührt. Es waren wirkliche Fans, junge Fans.
Endo: Sie hätten nur richtig singen dürfen.

Haben sie den Ton nicht getroffen oder den Text?

Endo: Den Text vor allem, la, la, la …
Roth: Endos Texte sind nicht einfach, sie sind sehr komplex. Nicht wie etwa bei Patent Ochsner, deren eingängige Songs sich im Gedächtnis rasch festsetzen. Das ist mir auch heute wieder aufgefallen, diese Nähe, die im KiFF zwischen Künstlern und Publikum zustande kommt.

Endo, Sagen Sie doch noch, was sie von den Aarauern halten.

Endo: Die Aarauer sind herzige. Aber was soll ich sagen? Was mir wirklich gefällt, ist die Altstadt. Und der Flohmarkt, die Auswahl von DVDs, Platten, CDs, die man da findet, Perlen.

Wo steht das KiFF in fünf Jahren?

Endo: Ich hoffe, dass die Immobilienblase platzt, dann könnt ihr noch weitere zwanzig Jahre bleiben.

Das KiFF hat ja auch Glück gehabt mit dem privaten Eigentümer Kunath, der euch entgegenkam, euch machen liess und unterstützte. Er hat sicher auch nicht damit gerechnet, dass das 25 Jahre dauert.

Roth: Nein, er hat uns immer wieder Projekte und Pläne gezeigt von dem, was kommen soll. Wir haben jeweils gemeinsam einen guten Weg gefunden, haben ausgebaut, wenn es nötig war. Wir würden ja gerne hier bleiben. Doch es ist nun einfach so, dass das Gebäude alt ist. Kunath hat gerechnet, wir haben gerechnet, und beide sind wir zur Überzeugung gekommen: Wenn man irgendwo mit bauen anfängt, muss man alles machen.
Endo: Eine Million Quadratmeter Büroflächen sind frei in der Schweiz. Es hat genug Platz für das KiFF.
Roth: Wir müssen dort bleiben, wo auch unsere Seele ist, in Aarau.