«De Bach esch cho, de Bach esch cho», so tönt es am Freitag wieder tausendfach durch die Gassen der verdunkelten Aarauer Altstadt. Der Bachfischet hat sich über Jahrhunderte erhalten und gilt heute als einer der ältesten noch gelebten Bräuche in der Schweiz.

Rund 2000 Schülerinnen und Schüler präsentieren ab 20.15 Uhr dem dankbaren Publikum in einem urwüchsigen und wilden Lichterzug auch in diesem Jahr ihre kunstvoll gestalteten Lampions und Laternen. Von 19 bis 20 Uhr konzertiert die Stadtmusik zwischen den Toren.

Zuzug neu auch aus Biberstein

Angemeldet haben sich gut hundert Schulklassen, nicht nur aus Aarau, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden. Erstmals dabei sind dreissig Kinder aus Biberstein, bereits langjährige Bachfischet-Erfahrung haben die Delegationen aus Küttigen und Erlinsbach, während Suhr nach der letztjährigen Premiere auch heuer wieder mit Begeisterung dabei sein wird.

Und natürlich fehlt auch die Jugend aus dem Stadtteil Rohr von der Kreisschule Buchs-Rohr nicht. Teilnehmen werden die Altersklassen vom Kindergarten bis zur ersten Oberstufe, eine Beschränkung, die sich bewährt hat. Eine Ausnahme bildet der Vorkurs der Schule für Gestaltung, der mit einer eigenen Kreation das Lichterspektakel erstmals bereichern will.

Wenn pünktlich um 20.15 Uhr die Lichter in Teilen der Kantonshauptstadt ausgehen, setzt sich der farbige Zug unter Führung der Kadettentambouren an der Bachstrasse in Bewegung. Die Route ist erstmals seit Jahren wieder «baustellenfrei» und führt unverändert über die Obere in die Vordere Vorstadt.

Durch das Obertor geht es dann hinein in die Rathausgasse und schliesslich durch die pittoreske Halde hinaus in den Schachen. Ist dort auch der allerletzte Ruf «Fürio, de Bach brönnt», verhallt, erhalten alle aktiven Bachfischet-Teilnehmer eine Verpflegung, nämlich «Ghackets mit Hörnli» und Eistee. Vor der Sporthalle auf dem Maienzugplatz wird eine Festwirtschaft betrieben, in der sich auch die Erwachsenen stärken und einem Ständchen der Kadettenmusik lauschen können.

2000 Kinder am Aarauer Bachfischet

2000 Kinder am Aarauer Bachfischet 2015

Feuerwerk kostet die Stadt nichts

Krönender Abschluss eines jeden Bachfischets ist der Mordschlapf, der sich von einem einzigen Kracher zu einem veritablen Feuerwerk entwickelt hat. Das Finale am Aarauer Nachthimmel kostet übrigens die finanziell klamme Stadt keinen Franken, sondern wird einzig und allein durch die Mannen der Heinerich-Wirri-Zunft berappt.

Die Zunft engagiert sich seit ihrer Gründung anno 1922 stark für den Erhalt des Aarauer Bachfischets. Sie zeichnet für die Organisation verantwortlich und wählt dafür einen Bachfischet-Obmann. Seit vier Jahren ist dies der Aarauer Augenarzt Philippe Guignard. Er präsidiert auch die Jury, die jeweils unmittelbar nach dem Umzug die schönsten Lampionsujets und die besten Klassen prämiert.

Der Aarauer Bachfischet kann seine Strahlkraft allerdings nur dank der kreativen, engagierten Lehrerschaft und der begeisterten Jugend erhalten, die nach wie vor an «ihrem» Stadtbach hängt, auch wenn der grössere Teil in der Altstadt längst überdeckt worden ist. Die Heinerich-Wirri-Zunft ihrerseits ist bereit, private Schnappschüsse vom Bachfischet 2016 ins Internet zu stellen, entsprechende Fotos sind an die Mailadresse bachfischet@wirrizunft.ch zu senden, wo sie Eingang in eine Bildergalerie finden.

Liste der lebendigen Traditionen

Der Bachfischet hat seinen Ursprung im «Rumen» und Ausfischen des Stadtbachs, zu dem die wehrfähigen Bürger einmal im Jahr in Fronarbeit verpflichtet waren. Bald machte sich die städtische Jugend einen Spass daraus, übermütig und ausgelassen die frischen Wellen dieser einst wichtigen Lebensader abzuholen und mit Trommelschlag und leuchtenden Kürbissen oder Lampions zu begleiten.

2011 schaffte es der Bachfischet auf die Liste der «lebendigen Traditionen der Schweiz». Mit dieser Auszeichnung hat der Aarauer Brauch die Chance, dereinst von der Unesco weltweit in den Rang eines «Meisterwerks des mündlichen und immateriellen Kulturlebens» aufgenommen zu werden.