Aarau
Endlich: Die Lindenhofbrücke führt Velofahrer am gefährlichen Kreuzplatz vorbei

Am Mittwoch wurde die 42 Meter lange und 5 Meter breite Lindenhofbrücke eröffnet. Sie führt parallel zu den Geleisen über die Gais-Unterführung und dient als neue Fuss- und Veloverbindung zum Bahnhof Aarau.

Nadja Rohner
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Die Lindenhofbrücke in Aarau wurde feierlich eingeweiht.

Die Lindenhofbrücke in Aarau wurde feierlich eingeweiht.

Nadja Rohner

Die kleine Spinne am Geländer hatte monatelang ihren Frieden. Bereits seit dem Frühsommer steht die Lindenhofbrücke, die sich direkt neben den Bahngeleisen über die Gais-Unterführung spannt.

Doch jetzt ists vorbei mit der Ruhe: Am Mittwoch wurde die 42 Meter lange Velo- und Fussgängerbrücke endlich für den Verkehr freigegeben. Sie verbindet nicht zwei Ufer, wie Stadtpräsidentin Jolanda Urech ausführte, sondern zwei Stadtteile: die Innenstadt mit Rohr. Dazwischen liegt das Torfeld Nord, Entwicklungshotspot im Dornröschenschlaf.

Auf die Brücke haben die Aarauer Velofahrer lange warten müssen. Pläne dafür bestehen seit über 20 Jahren, forciert wurde das Projekt jedoch lange nicht. Den Velofahrern zwischen Rohr und dem Bahnhof Nord blieb nichts anders übrig, als den Kreuzplatz zu queren (zum Bahnhof Süd ist die Route via Spange Neubuchs praktischer). Dank der neuen, fünf Meter breiten Brücke kann er nun umfahren werden.

Kreuz und quer durchs Quartier

Aber: Der Weg zum Bahnhof bleibt für die Rohrer umständlich. Am Ende der alten Rohrerstrasse, bei der Garage Häusermann, werden die Velofahrer Richtung Innenstadt neu aufs linke Trottoir gelotst. Auf diesem fahren sie bis zur Asylunterkunft, biegen links ab und folgen dem neuen Veloweg hinter der Kaserne entlang der Geleise bis über die Lindenhofbrücke mit der kleinen Spinne. Wegen der Bauarbeiten für die Bahnhoferweiterung müssen die Velofahrer nach dem Mediapark nochmal nach rechts zur Bahnhofstrasse, um dort auf dem linken Trottoir die letzten paar Meter zum Bahnhofplatz zurückzulegen.

Die Umwege auf der Bahnhofseite sind baubedingt. Auf der Torfeld-Nord-Seite der Brücke wäre allerdings ein direkterer Weg denkbar gewesen. Viele Velofahrer hätten es lieber gesehen, wenn der Veloweg im Torfeld Nord entlang der Geleise bis zur alten Rohrerstrasse gezogen worden wäre, statt im Zickzack durchs Quartier zu führen.

Der Veloweg, der zum Bahnhof führt.

Der Veloweg, der zum Bahnhof führt.

Google Maps/AZ

Tatsächlich gibt es Pläne für einen solchen Veloweg. Dass er bisher nicht realisiert wurde, hat mehrere Gründe, wie Stadtrat Werner Schib ausführt. Erstens habe man den Investitionskredit wegen Stabilo 2 zurückgestellt. Zweitens wolle man mit einem definitiven Veloweg durchs Torfeld Nord abwarten, bis klar ist, was in diesem Entwicklungsschwerpunkt dereinst gebaut wird.

Zwar hätte man theoretisch bereits jetzt ein Provisorium entlang der Geleise bis zur alten Rohrerstrasse bauen können, statt den Zickzackkurs durchs Quartier zu wählen. Aber betroffenen Grundeigentümer hätten das notwendige Land nicht ohne weiteres hergegeben. Und wegen eines Provisoriums wollte die Stadt keinen Rechtsstreit anzetteln.

Wo klemmt es sonst noch?

Mit der neuen Lindenhofbrücke wird ein kleiner Teil des Velonetzes optimiert. Zahlreiche Probleme sind aber noch nicht gelöst. Pro Velo Aarau wünscht sich zum Beispiel, dass der Balänenweg ausgebaut, asphaltiert und vor allem beleuchtet wird. So könnte der Kreuzplatz auch nordseitig grossräumig umfahren werden.

Auf der Kasinostrasse kommen sich vor allem am Samstagnachmittag Velo- und Autofahrer in die Quere, wenn letztere bei langen Rotphasen an der Ampel auf dem Velostreifen herumstehen. Und bei der Hinteren Bahnhofstrasse gibt es ebenfalls noch einige heikle Stellen. «Punktuelle Verbesserungen werden zurückhaltend umgesetzt», sagt der Präsident von Pro Velo Aarau, Rolf Gutjahr. «Meist ist für Pro Velo Aarau auch gut nachvollziehbar, warum dies schwierig ist oder einige Zeit dauert. Aber man muss dran bleiben – und das machen wir.»

Und wohin mit dem Drahtesel?

«Am Bahnhof gibt es klar zu wenige Veloparkplätze», sagt Rolf Gutjahr. «Ich stelle fest, dass neu geschaffene Veloplätze immer sofort belegt werden.» Und seit der grosse Velounterstand auf der Nordostseite wegen des Bahnhof-Neubaus entfernt wurde, sehe man vermehrt abgestellte Velos an allen möglichen Stellen. Als Ersatz für den verschwundenen Veloständer muss die Bahnhof-Bauherrschaft zwar einen kleineren mit 50 Plätzen auf ihrem Areal bereitstellen. Dieser ist jedoch ständig voll belegt. Eine Ausweichmöglichkeit ist das Velohaus Nord, bei der Kantonalbank. Dieses ist jedoch auch immer gut ausgelastet. «Sollte die Situation prekär werden, hat die Stadt versprochen, für weitere Veloplätze zu sorgen», sagt Gutjahr.