Infrastruktur
Endlich: Die Aarauer Stadtbach-Brücken werden saniert

Sie rosteten leise und still vor sich hin. Nun haben die Aarauer Behörden entschieden: Die 27 Brücken, welche den Fluss Stadtbach überqueren sollen nach 25 Jahren endlich saniert werden.

Katja Landolt
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Der Zahn der Zeit hat genagt: Die Unteransicht der Siebenmannweg-Brücke gestaltet sich bröckelig. katja Landolt Der Zahn der Zeit hat genagt: Die Unteransicht der Siebenmannweg-Brücke gestaltet sich bröckelig. katja Landolt

Der Zahn der Zeit hat genagt: Die Unteransicht der Siebenmannweg-Brücke gestaltet sich bröckelig. katja Landolt Der Zahn der Zeit hat genagt: Die Unteransicht der Siebenmannweg-Brücke gestaltet sich bröckelig. katja Landolt

Ingenieur Hans Wahlen steht mit Gummistiefeln im Stadtbach. Mit der stumpfen Seite eines Beils schlägt er von unten gegen die Brücke zum Siebenmannweg – Beton bröselt ins Wasser, die Armierungseisen liegen frei. «Wie Zucker», kommentiert Thomas Pfister, Verantwortlicher für Kunstbauten und Gewässer bei der Stadtverwaltung Aarau. Die Brücke am Siebenmannweg trägt die Klasse 5: alarmierender Zustand.

2010 hatte die Stadt Aarau beschlossen, sämtliche Stadtbach-Übergänge, die auf dem Stadtgebiet zwischen dem Brügglifeld und der Mühlemattstrasse liegen, zu kontrollieren. Jetzt sind die Ergebnisse bekannt: Sieben der 27 Übergänge müssen mehr oder weniger dringend saniert werden – die Brücke am Siebenmannweg ist glücklicherweise die einzige in desolatem Zustand.

Baujahre unbekannt

Mit der Inspektion beauftragt worden war das Aarauer Ingenieurbüro Wilhelm + Wahlen. «Wir haben im Herbst die Übergänge erst einmal visuell kontrolliert, die Zustände dokumentiert und schliesslich Empfehlungen für das weitere Vorgehen abgegeben», sagt Wahlen. Die Schwierigkeit: Von vielen Brücken bestanden weder Pläne noch waren die Baujahre bekannt. «Wir wissen von nur etwa 30 Prozent aller Brücken, wie alt sie sind», sagt Wahlen.

Vermutlich seien die meisten Übergänge zwischen 1925 und 1950 gebaut worden – und viele seither noch kein einziges Mal einer baulichen Kontrolle unterzogen worden. «Die Stadt hat die Brücken über den Stadtbach sehr stiefmütterlich behandelt», sagt Pfister. Letztmals waren Mitte der Achtzigerjahre einige der Brücken kontrolliert worden. Sämtliche Übergänge wurden in Zustandsklassen unterteilt, von Klasse 1 (guter Zustand) bis Klasse 5 (alarmierender Zustand). Das Ergebnis hat die Experten überrascht: Gehandelt werden muss nur bei drei Brücken der Klasse 3 (schadhafter Zustand), drei Brücken der Klasse 4 (schlechter Zustand) und einer der Klasse 5 (alarmierender Zustand); die am Siebenmannweg.

Für Fussgänger problemlos

«Alarmierender Zustand» töne dramatischer, als es ist, sagt Pfister: «Kein Fussgänger muss Angst haben, beim Überqueren dieser Brücke abzustürzen.» Die Brücke würde noch immer problemlos das Gewicht eines Autos tragen. Kritisch dürfte es erst bei Lastwagen werden, wenn sie für ein Wendemanöver auf die Brücke ausweichen würden. Um kein Risiko einzugehen, wurden auf der Brücke zwei Pfosten verschraubt.

«Die meisten Brücken sind erstaunlicherweise in einem akzeptablen Zustand», hält Wahlen fest. Auch Pfister hatte damit gerechnet, dass mehr Brücken in einem schlechten Zustand seien. «Wir wollen niemandem Angst machen, die Brücken seien nicht mehr sicher. Aber man muss jetzt handeln», sagt Pfister. Die Brücke am Siebenmannweg soll 2012 saniert werden, die anderen bis 2015. Insgesamt entstehen dabei Kosten von 648000 Franken. 14 der 27 kontrollierten Brücken gehören nicht der Stadt, sondern privaten Eigentümern.

Brücken besser im Auge haben

Diese wurden angeschrieben und – je nach Zustand des Übergangs – gebeten, beispielsweise einzelne Holzbalken auszutauschen. «Wir können den privaten Eigentümern nur empfehlen, ihre Brücken zu sanieren. Ob sie es tun, liegt in ihrer Verantwortung», sagt Pfister. Teilweise sei die Behebung baulicher Mängel bereits umgesetzt worden.

Auch wenn die Brücken trotz der jahrzehntelangen Vernachlässigung gut im Schuss sind – künftig will die Stadt die Brücken besser im Auge behalten. Pfister: «Wir haben aus dieser Kontrolle eine Lehre gezogen und beschlossen, die Brücken alle fünf Jahre visuell zu kontrollieren.»

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