Am Samstag findet in Aarau der 8. Elternbildungstag statt, den der Verein Elternbildung Region Aarau organisiert. Die Institution gibt es – unter wechselnden Namen – schon seit bald 30 Jahren. Ursprünglich entstanden, um Elternbildnerinnen eine Plattform zu bieten, führt der Verein heute einmal jährlich einen ganztägigen Anlass durch, der die aktuellsten Anliegen der Eltern und sonstigen Kinderbetreungspersonen aufnimmt.

Die Workshops und Referate werden sorgfältig ausgewählt und geprüft vom siebenköpfigen Team. Dessen Mitglieder sind teils schon Jahrzehnte dabei und wissen, was Eltern bewegt. Zwei von ihnen haben sich mit der AZ zum Gespräch getroffen: Martina Flückiger (42), Däniken SO, ist Mutter von zwei Buben (8 und 6). Sie arbeitet seit rund 4 Jahren im Verein mit. Doris Ammann (62) aus Aarau-Rohr hingegen ist schon seit 20 Jahren dabei. Sie hat zwei erwachsene Töchter und zwei Enkelinnen (3 und 6).

Frau Flückiger, Frau Ammann, haben die Eltern heute andere Sorgen und Themen als vor einigen Jahren?

Doris Ammann: Es hat sich eigentlich nicht wahnsinnig viel verändert. Kinder haben schon vor 20 Jahren gestritten und getrotzt, und die Pubertät ist nach wie vor ein Thema. Heute diskutiert man vielleicht noch etwas intensiver über den Ausgang – und über den Umgang mit den neuen Medien.

Martina Flückiger: Heute ist der Medienkonsum schon viel früher ein Thema, bereits bei 3-Jährigen. Die Frage, wie viel noch gesund ist, beschäftigt die Eltern.

Wie halten Sie das zu Hause?

Flückiger: An zwei Tagen pro Woche gibt es für meine Kinder gar keinen Medienkonsum; an den restlichen eine halbe Stunde. Und die Kinder dürfen selber entscheiden, ob sie die halbe Stunde für das Tablet oder den TV nutzen wollen.

Ein Workshop am Elternbildungstag befasst sich mit den Ängsten der Kinder. Das Thema fand sich schon 1995 im Kursprogramm. Sind das noch dieselben Ängste?

Flückiger: Vielleicht – aber vor allem hat sich verändert, wie Eltern damit umgehen. Früher hat es eher noch geheissen: «Tu nicht so komisch.» Heute gehen Eltern mehr auf die Sorgen ihrer Kinder ein.

Sie sind schon Grossmutter, Frau Ammann. Wie hat sich die Rolle der Grosseltern verändert?

Ammann: Ich habe den Eindruck, sie werden zu einem fixeren Bestandteil der Kinderbetreuung. Meine Kinder waren einfach ab und zu bei den Grosseltern, heute werden viele Grosseltern direkt in die Betreuungsstruktur eingebunden. Obwohl sie – wie ich – oft auch noch berufstätig sind. Aber auch heute dürfen wir Grosseltern die Zügel ein bisschen lockerer lassen als die Eltern …

Grosseltern sind am Elternbildungstag auch willkommen. Bleibt dort neben den Workshops noch Zeit für Austausch?

Ammann: Ja, der ist für die Eltern gerade so wichtig wie die Workshops! Es tut ihnen gut, zu merken, dass sie mit ihren Problemen und Anliegen nicht alleine sind – sie können ausserdem schauen, wie es andere machen, und sich Tipps holen.

An den Elternbildungstag kommen jedes Jahr rund 120 Personen. Was sind das für Leute?

Ammann: Das Publikum ist gemischt, aber es besteht vor allem aus Leuten mit Deutscher Muttersprache. Es ist uns noch nicht richtig gelungen, eine grosse Zahl Migrantenfamilien anzusprechen. Dafür kommen Väter heute deutlich öfter als früher. Meistens mit der Partnerin, als Einzelpersonen sind sie noch in der Minderzahl.

Flückiger: Wir haben ein grosses Stammpublikum; Eltern, die jedes Jahr dabei sind. Deshalb achten wir auch immer auf unterschiedliche Angebote.

Wie definieren Sie die Themen für die Workshops?

Flückiger: Einerseits befragen wir die Teilnehmenden, was sie sich fürs nächste Jahr wünschen. Andererseits schauen wir, was in unserem Umfeld diskutiert wird. Wir achten auf ein ausgewogenes Angebot für alle Altersstufen zwischen Baby und Pubertät, deshalb gibt es immer viele Themen, die wir aufs Folgejahr verschieben müssen. Dieses Jahr kommt zum Beispiel das Thema «Finanzen» zum Zug, das wollten wir schon lange behandeln.

Diese beiden Workshops heissen «Die grossen Wünsche der Kleinen» (3-9 Jahre) und «Finanzkompetenz fördern» (ab 10 Jahren). Taschengeld war doch auch schon immer ein Thema…

Flückiger: Man merkt, dass unser Konsumverhalten zunehmend grossen Einfluss auf die Kinder hat. Heute nehmen sie mehr wahr, was andere besitzen – und glauben dann, sie müssen das auch haben. Sie bekommen mit, dass man die Ware einfach aus dem Gestell rausnehmen kann, dass alles erhältlich ist. Es ist eine Herausforderung, ihnen trotzdem zu vermitteln, dass man das Geld erst verdienen muss – mein Sohn hat auch schon gesagt: «Chasch ja d Charte neh.»

Ammann: (lacht) Meine Enkelin sagte mir mal: «Chasch ja go Geld useloh.»

Die Anmeldefrist für den Elternbildungstag 2017 ist abgelaufen. Nehmen Sie trotzdem noch Interessierte auf?

Ammann: Ja – vielleicht hats dann im Wunsch-Workshop keinen Platz mehr, aber wir tun, was wir können. Übrigens wäre der Elternbildungstag ohne unsere zahlreichen Helfer nicht möglich – auch unsere Männer und Kinder müssen ran!

Elternbildungstag Samstag, 28. Oktober, Berufsschule Aarau. 8.45 bis 16 Uhr. Einstiegsreferat von Paarberater Peter Michalik, danach Workshops. 80 Franken pro Person, 140 pro Paar.
Infos und Anmeldung: www.elternbildung-aarau.ch