«Bei den neuen Medien ist es wie mit dem Feuer: Menschen müssen lernen, etwas Gefährliches konstruktiv und sicher zu nutzen.» Mit dieser Aussage eröffnete Daniel Bünter von der Medienfachstelle zischtig.ch am Dienstag den Bildungsabend für Eltern.

Bünter ist Jugendarbeiter und soziokultureller Animator. Seine Erfahrungen mit Jugendlichen und den neuen Medien gibt er gerne weiter – sei es direkt in den Schulklassen oder an Informationsabenden für die Eltern, wie im Oberstufenschulhaus im Schachen Aarau. Die Veranstaltung findet im Rahmen des runden Tisches gegen Gewalt der Stadt Aarau statt. Den Eltern brennt das Thema regelrecht unter den Fingernägeln, wie die vielen Fragen der fast 100 Anwesenden zeigen. Denn gerade im Umgang mit ihren Kindern ist es für Eltern wichtig, am Ball zu bleiben, egal ob sie die neuen Medien für sich selbst nutzen oder nicht.

Facebook muss sein

«Ist Facebook überhaupt nötig?» Bünter bejaht die Frage: «Jugendliche brauchen Facebook. Dabei geht es auch um die eigene Entwicklung. Jugendliche üben die Selbstinszenierung und pflegen Kontakte.»

Sind sie zum Beispiel nicht auf Facebook, kann es sein, dass sie ausgeschlossen werden, wie beispielsweise bei Einladungen zu Geburtstagsfeiern: Wer nicht dabei ist, erhält keine elektronische Einladung und kann nicht am Fest teilnehmen. Studien haben gezeigt, dass bereits die Hälfte aller 12-Jährigen einen Account bei einem sozialen Netzwerk besitzt. Und dies ist nur der «harmlose» Anfang: Die Frage, welche neuen Medien Jugendliche nutzen dürfen und sollen, stellt sich allen Eltern gleichermassen. Gamen, Chatten, Handy, iPhone und mehr: Für Eltern oft eine Gratwanderung. Denn wollen sie ihre Kinder in der Schule nicht sozial isolieren, dürfen sie ihnen den Zugang zu den neuen Medien nicht verwehren.

Männer im Mädchenchat

Es ist kein Geheimnis, dass pornografische Bilder im Internet für Kinder leicht zugänglich sind. «Bereits Dritt- und Viertklässler kennen Pornoseiten,» erklärt Bünter. «Die Bilder überfordern sie und können verheerende Folgen auf die jugendliche Entwicklung haben.» Gefährlich werden kann es auch in Chatrooms oder in offenen Chatforen: «In solchen geben sich beispielsweise 30-jährige Männer als 12-jährige Mädchen aus», sagt Bünter. Um Kinder und Jugendliche vor Übergriffen zu schützen, sollten sie von den Eltern und Schulen aufgeklärt werden.

Meine Tochter – meine Expertin

Problematisch ist, dass sich viele Kinder besser im Internet auskennen als ihre Eltern, ja sogar den Eltern erklären, wo es was im Internet zu finden gibt. Wie kann man vor diesem Hintergrund als Eltern den Kindern Grenzen aufzeigen? «Wichtig ist, sich selbst mit den neuen Medien auseinanderzusetzen», sagt Bünter.

Um den Konsum zu begrenzen, können im Computer Sperrzeiten eingerichtet werden, während denen der PC gar nicht eingeschaltet werden kann. Dazu Bünter: «Ihre Kinder werden zuerst schäumen vor Wut. Sie gewöhnen sich aber schnell daran.» Schwieriger wird die Kontrolle der Smartphones, mit welchen Kinder auch unterwegs surfen können.