Küttigen-Rombach
Elena (8) kämpfte vergeblich: Die 250-jährige Blutbuche ist gefällt

Die Last-Minute-Petition der achtjährigen Schülerin Elena hat nichts genützt – am Montag wurde der Baum, an dem sie und andere im Quartier so hingen, gefällt. Aus Sicherheitsgründen.

Ann-Kathrin Amstutz
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250-jährige Blutbuche in Rombach gefällt
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Der Traktor der Holzer-Equipe steht bereit. Minuten später zieht er die stolze, 250-jährige Blutbuche in die Richtung der Wiese.Ann-Kathrin Amstutz
ZBode: Der Baum liegt auf dem Areal an der Alten Stockstrasse.
Schülerin Elena (8): «Ich musste richtig anfangen zu weinen, als ich den Baum gesehen habe.»
Der verzweifelte Appell – unterschrieben von Elena und Anwohnern.

250-jährige Blutbuche in Rombach gefällt

Ann-Kathrin Amstutz/Jacqueline von Arx

Als das Informationsblatt bei den Anwohnern an der Alten Stockstrasse eintraf, handelte die achtjährige Elena. Sie wandte sich an ihre Nachbarin Jacqueline von Arx, Geschäftsführerin von Pro Natura Graubünden. Schnell musste es gehen – es war Sonntagabend, und bereits am nächsten Morgen sollte es der alten Blutbuche an den Kragen gehen. «Bitte fällt den lieben Baum nicht!» Mit diesem Plakat gingen die beiden in der Nachbarschaft umher und sammelten Unterschriften. «Alle, die zu Hause waren, haben unterschrieben», sagt von Arx. «Wir hängen emotional an dem Baum.» Das Land, auf dem die rund 250-jährige Blutbuche steht, gehört der Immobilienfirma Löwenfeld AG. Deren Verwaltungsratspräsident ist der frühere UBS-CEO Marcel Rohner.

Elena und Jacqueline haben in einem E-Mail an die Löwenfeld AG darum gebeten, den Baum stehen zu lassen. Vergebens: Gestern, kurz vor 10.30 Uhr, war es so weit: Die Motorsäge begann zu kreischen. Wenige Minuten später stürzte der Baum mit einem ohrenbetäubenden Krachen zu Boden. Jacqueline von Arx konnte nicht hinsehen. Elena war zu diesem Zeitpunkt in der Schule. «Wenn sie nach Hause kommt, haben wir ein Problem», meint ihre Mutter.

Am frühen Nachmittag nimmt Elena das Telefon ab. «Ich musste richtig anfangen zu weinen, als ich den Baum gesehen habe.» Viele Leute seien gekommen, um sie zu trösten. Jetzt gehe es ihr ein bisschen besser. «Wir essen gerade Omelette, die hat meine Mutter extra gemacht. Omeletten sind mein Lieblingsessen.» Die Geschichte werde sie noch lange beschäftigen, meint die Achtjährige. Sie weiss ganz genau, was sie später werden möchte: «Naturfrau. So wie Jacqueline.»

Unsicher oder zu teuer?

Doch warum musste die Blutbuche überhaupt gefällt werden? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Hans Rohner, Vater von Löwenfeld-Verwaltungsratspräsident Marcel Rohner, erklärt den Standpunkt der Firma. In erster Linie gehe es um die Sicherheit. Die Löwenfeld AG habe von der «Baumpflege Kauffungen» einen Bericht erstellen lassen. Darin steht, ein Umkippen des Baumes könne nicht ausgeschlossen werden. Deshalb empfehle die Baumpflege, den Baum zu fällen. «Was tun wir, wenn etwas passiert?», stellt Rohner die rhetorische Frage.

Für Jacqueline von Arx ist der Fall jedoch klar: «Mit etwas Pflege hätte der Baum noch fünf bis zehn Jahre stehenbleiben können – ohne Sicherheitsrisiko.» Stattdessen habe wieder einmal das Geld entschieden. «Der Löwenfeld AG ist die Erhaltung eines 250-jährigen Baumes nichts wert.» Sie erklärt, so alte Bäume seien im Siedlungsgebiet eine Seltenheit und schon deshalb schützenswert.

Von Arx und die anderen Anwohner mussten gleich noch eine bittere Pille schlucken. Die angrenzende Wiese soll demnächst überbaut werden – erst jetzt, im Zusammenhang mit der Fällung, seien die Anwohner darüber informiert worden. Von Arx ist überzeugt: «Auch deshalb musste der Baum weg.»