Aarau
Elektrische Kabel waren teilweise noch mit Stoff umwickelt

Wenn das Aarauer Stadtmuseum in acht Monaten eröffnet wird, herrscht andächtige Stille, wie das so ist in einem Museum. Heute aber knattern die Bohrmaschinen und schaben die Maurerkellen. Ein Baustellenrundgang.

Katja Schlegel (Text) und Emanuel Freudiger (Fotos)
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Detail einer Holzdecke im Altbau.
17 Bilder
Unter dem Verputz kam ein Hirsch zum Vorschein.
Besichtigung der Baustelle des Erweiterungsbaus des Aarauer Stadtmuseums "Schloessli" mit dessen Museumsleiterin Kaba Roessler.
Besichtigung der Baustelle des Erweiterungsbaus des Aarauer Stadtmuseums "Schloessli" mit dessen Museumsleiterin Kaba Roessler.
Vordach des Schlössli wird neu gedeckt.
Besichtigung der Baustelle des Erweiterungsbaus des Aarauer Stadtmuseums "Schloessli" mit dessen Museumsleiterin Kaba Roessler.
Besichtigung der Baustelle des Erweiterungsbaus des Aarauer Stadtmuseums "Schloessli" mit dessen Museumsleiterin Kaba Roessler.
Besichtigung der Baustelle des Erweiterungsbaus des Aarauer Stadtmuseums "Schloessli" mit dessen Museumsleiterin Kaba Roessler.
Alter Herd im Schlössli.
Museumsleiterin Kaba Roessler
Blick durch die Butzenscheiben im Schlössli zum Neubau hinüber,
Besichtigung der Baustelle des Erweiterungsbaus des Aarauer Stadtmuseums "Schloessli" mit dessen Museumsleiterin Kaba Roessler.
Besichtigung der Baustelle des Erweiterungsbaus des Aarauer Stadtmuseums "Schloessli" mit dessen Museumsleiterin Kaba Roessler.
Baustellenrundgang im Aarauer Stadtmuseum
Fassade gestaltet von Künstler Josef Felix Müller.
Blick aus dem Neubau auf den Schlossplatz.
Zwischen den beiden Gebäuden liegen 700 Jahre Altersunterschied.

Detail einer Holzdecke im Altbau.

EMANUEL PER FREUDIGER

Es sind zwei Zeiten, die hier mit Zement und Beton aneinanderkleben: auf der einen Seite das Alte, Schräge, Krumme. Räume mit Kassettendecken, Butzenfenstern und knubbeligen Wänden, wie aus Knetmasse geformt. Und dann ist da das Moderne, Rechteckige, Luftige. Vier grosszügige Räume, jeder bildet ein eigenes Stockwerk. Nur einen einzigen Schritt braucht es von einer Welt zur andern, obwohl dazwischen Jahrhunderte liegen. Aber eines ist gleich, hüben wie drüben: Überall wird gearbeitet, überall liegt dick der Baustaub.

Eröffnung auf Frühlingsanfang

Die Arbeiten am Aarauer Stadtmuseum, dem Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert samt seinen Anbauten, und am Erweiterungsbau kommen gut voran. Im Gebäudeinnern laufen die Gipser- und Elektroarbeiten, das Gerüst an der Aussenfassade ist abgebaut worden. Die 134 Menschenfiguren von Künstler Josef Felix Müller blicken ungehindert auf den Schlossplatz, auf dem eine Gruppe von Baufachleuten in Leuchtwesten durch den Regen stiefelt und gestikulierend die künftige Platzgestaltung bespricht.

Zwischen all den Kartons, Paletten und Gerüstteilen im künftigen Foyer im Neubau fällt es den Baustellenbesuchern schwer, sich auszumalen, wie es hier im Frühling aussehen soll. Nicht so Kaba Rössler, Leiterin des Stadtmuseums: «Hier kommt die dreiteilige Fensterfront hin, hier der Empfang mit dem Kassenbereich, da ist der Ausstellungsbereich und da kann man dereinst Kaffee trinken», sagt sie und deutet von einer Ecke in die andere. Seit Baubeginn im Frühjahr 2012 richtet Rössler im Kopf das neue Museum ein, kann es kaum erwarten, endlich einziehen zu können. Und doch: «Je näher der Eröffnungstermin rückt, desto schneller rennt die Zeit», sagt sie und lacht.

Demokratie in der ersten Ausstellung

Dieser Eröffnungstermin steht bereits: Der 20. März 2015 soll es sein, der Tag des Frühlingsanfangs.

Bis dahin bleibt noch sehr viel zu tun. Im Oktober soll der Neubau fertig sein. Er bietet all die Räume, die im alten Museum fehlten: das Foyer, ein Treppenhaus mit Lift, Vermittlungsräume für Schulklassen, eine Werkstatt, ein Fotolabor, Büros im begrünten Dachgeschoss und ein Saal für Wechselausstellungen. Im Neubau wird auch die Eröffnungsausstellung zum Thema «Demokratie und Gleichheit» eingerichtet, Projektleiter Marc Griesshammer arbeitet mit den Medien Film und Fotografie und Exponaten aus dem Ringier-Bildarchiv.

Statiker war entzetzt

Noch etwas längerwerden die Arbeiten in den über 20 Räumen im Altbau dauern, denn sie sind laut Rössler komplizierter und aufwendiger als gedacht. So seien die elektrischen Kabel teilweise noch in Stoff eingewickelt gewesen. «Ausserdem hat man in den Sechzigerjahren tragende Wände entfernt, ohne die Decken anderweitig zu stützen», so Rössler. Als der Statiker das gesehen habe, habe er die Hände verworfen und schleunigst Säulen anbringen lassen, die bis ins Fundament verankert sind. Den Baukredit von 14 Millionen sprengen dürften diese Mehrkosten aber nicht, sagt Rössler. «Wir versuchen, diese mit den Reserven aufzufangen. Ausserdem haben wir einige teure Elemente weggelassen, um Kosten zu sparen.»

Zu den unliebsamen kamen übrigens auch schöne Überraschungen dazu. So wurden auf Holzbohlen unter mehreren Farbschichten Malereien mit einem Hirsch entdeckt. Und in einem anderen Raum kam unter dem Täfer eine über 200-jährige Tapete zum Vorschein.

Die Geschichte von 100 Aarauern

Die Vorbereitungen für die Dauerausstellung im Altbau laufen bereits auf Hochtouren. Während die Besucher im Erdgeschoss eine Einführung in die Stadtentwicklung erwartet, wird in den sechs darüberliegenden Stockwerken die Ausstellung «100 × Aarau» eingerichtet. Dabei handelt es sich um Objekte, wie Fotografien, Möbel, Bilder, Plakate, Instrumente oder Spielzeug, anhand derer die Geschichte von 100 Aarauerinnen und Aarauern erzählt wird. Die Objekte haben die zuständige Kuratorin Dominique Frey und das Museumsteam aus der stattlichen Sammlung des Stadtmuseums mit rund 60 000 Stücken bereits ausgesucht. «Die Arbeiten im Altbau werden voraussichtlich im Dezember abgeschlossen sein. Dann bleiben uns nur gerade drei Monate, um die Ausstellung einzurichten», sagt Rössler. Die ganze Arbeit schreckt die Museumsleiterin und ihr Team aber nicht, im Gegenteil: «Wir können es kaum erwarten.»