Sie alle waren schon in der «Neuen Galerie 6» an der Milchgasse zu sehen. Aber noch nie gemeinsam; zu gross sind die Unterschiede zwischen den vier Kunstmalern. Zumindest auf den ersten Blick: Otto Wyler (1887–1965), Mann der ersten Generation der grossen Aargauer Maler. Werner Holenstein (1932–1985), der Ausbrecher, der die Aargauer Malerei auf den Kopf stellte. Urs Aeschbach (62), der stille Schaffer, bei Sammlern sehr gefragt. Und schliesslich Cosimo Gritsch (36), der Experimentierfreudige, der sich mit grosser Leichtigkeit zwischen ganz unterschiedlichen Stilen bewegt.

Kunstmaler aus vier Generationen, die Entstehungsjahre der Werke liegen über 100 Jahre auseinander. Was die Künstler eint, ist Aarau, ihr Ausbildungsort, die Region, in der sie gelebt haben. «Aber da sind noch mehr Bezüge», sagt Carlo Mettauer. So sei Wyler das grosse Vorbild von Holenstein gewesen, Aeschbach wiederum verehre Holenstein und Wyler sehr.

«Ein grosser Spagat»

Die Unterschiede zwischen den Malern und Werken sind offensichtlich; da die pastellig-silbernen und aufwendig gerahmten Jura-Ansichten von Wyler, hier die farbenfrohen Blumenarrangements von Holenstein, dazwischen Putzmittelflaschen oder Kaffeekocher von Gritsch und grellpinke Pilze auf Totholz von Aeschbach.

Carlo Mettauer und sein Team (Aki Senn, Johanna von Felten und Manuel Mettauer) haben sich etwas getraut und die so ganz unterschiedlichen Werke im Gewölbekeller an der Milchgasse mutig gemischt. «Ein grosser Spagat», sagt Carlo Mettauer und lacht. So etwas habe sich bisher noch niemand getraut. «Aber es zeigt eindrücklich, was für eine gewaltige Entwicklung in den 100 Jahren stattfand.»

Was die Werke eint, ist die Technik, Ölbilder auf Leinwand. Beschränkt hat sich das Team bei der Auswahl auf Stillleben, Landschaften und Porträts. Das älteste Bild stammt aus dem Jahr 1907, die neusten sind erst wenige Wochen alt. «So unterschiedlich sie sind, so zeigen sich doch auch viele Gemeinsamkeiten», sagt Carlo Mettauer. So fänden sich bei allen Werke mit tierischen Sujets, dann passe mal eine Wyler Landschaft hervorragend zu einer Hallwilersee-Ansicht von Gritsch, ein Stillleben von Holenstein in saftigen Rottönen wiederum zu einer grellfarbenen Grafik von Gritsch.

Zusammenarbeit mit «Maggs»

Ausgestellt wird nicht nur in der «Neuen Galerie 6», sondern auch in der Galerie von «Maggs by Loeb» am Graben, im zweiten Stock der Kleiderboutique. Von Liegenschaftseigentümerin Hanny Baghdadi stamme die Initialzündung für diese Zusammenarbeit mit der Neuen Galerie 6, sagt Mettauer. Bereits seit einiger Zeit finden bei «Maggs» Ausstellungen für Kleinformatiges statt.

«Hanny Baghdadi hat mich Anfang Jahr angefragt, ob wir zwei Mal im Jahr gemeinsam ausstellen könnten», sagt Mettauer. Er musste nicht lange überlegen, ob – und schon gar nicht, welches das Thema der ersten Ausstellung sein sollte. «Das Unkonventionelle reizt mich schon lange, und diese Ausstellung ist unkonventionell.»

100 Jahre Malerei Vernissage am 9. Juni um 16 Uhr bei «Maggs» am Graben 33, um 17.30 Uhr in der Neuen Galerie 6 an der Milchgasse 35. In der Neuen Galerie 6 dauert die Ausstellung bis 7. Juli, bei «Maggs» bis Ende November 2018..