Einwohnerratswahlen Aarau
Brigitte Vogt (FDP) findet, ein neues Hotel sei in der Stadt Aarau überfällig

Am 28. November wählt Aarau 50 Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte. Die AZ stellt einige Bisherige und Neue aller Parteien mit einem Fragebogeninterview vor. Heute: Brigitte Vogt, FDP.

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Brigitte Vogt-Wehrli, FDP Aarau.

Brigitte Vogt-Wehrli, FDP Aarau.

zvg

Brigitte Vogt (65, FDP, bisher) wohnt beim Brügglifeld, ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Seit über 20 Jahren ist sie als freischaffende Künstlerin (Malerei und Zeichnen) tätig, ausserdem ist sie Kulturmanagerin und Kommunikationsberaterin. In ihrer Freizeit macht sie Sport, interessiert sich für Literatur, Film, Musik und Ballet.

Wofür würden Sie weniger Steuergelder ausgeben und wofür mehr?

Der Quartierstrassenumbau ist überperfektioniert. Ob man nun für oder gegen die Verlangsamung des Individualverkehrs ist, sei hier nicht Thema. Aber die Kosten! Ist wirklich ein solch kostenintensiver Umbau hin zu gepflegtesten Gartenstrassen gerechtfertigt? Und die ausgedehnten Projekte in der Quartierentwicklung, Beispiel Sharing Stadt Aarau: Sind nicht einige darin enthaltene Massnahmen eher für anonyme Grossstädte angedacht worden? In Aarau funktioniert vieles mit Eigeninitiative und Kreativität. Weshalb dies abblocken? Grundsätzlich fehlt mir hier der Blick für die Relationen. Wofür würde ich mehr Geld ausgeben? Für mich stehen Ausgaben zum Grundauftrag der öffentlichen Hand im Vordergrund. Dazu sind bereits einige wichtige Infrastrukturprojekte (Schulwesen, Mobilität, Digitalisierung) in Ausarbeitung.

Manche Menschen fühlen sich in Aarau nachts auf der Strasse nicht sicher. Sehen Sie Handlungsbedarf?

Nachts alleine zu Fuss unterwegs sein, ist unangenehm. Mit dem Velo ist man schneller. Bekannte Hotspots wie der Bahnhof oder einige Plätze in der Innenstadt kann man versuchen, wenn möglich, zu umgehen. Eine erhöhte Präsenz von Polizei oder privaten Sicherheitsdiensten würde mühsamen Gruppenaktivitäten etwas Einhalt geben und dem Einzelnen etwas mehr das Gefühl, «begleitet» zu sein.

Welches Verkehrsproblem muss man dringend lösen und was schlagen Sie als Lösung vor?

Es gilt unbedingt einen Weg zu finden, die Bereiche Veloverkehr, Fussverkehr und motorisierter Verkehr besser zu trennen. Entsprechende Konzepte liegen bei der Stadt vor. Es kann nicht sein, dass man sich mittlerweile zu Pendlerzeiten als Velofahrer auf der Bachstrasse durch die Raserei von E-Bike-Fahrenden stärker bedrängt fühlt als von den Autos auf der Entfelderstrasse. Ich befürworte einen zweiten Veloübergang über die Aare. Ob es eine kostenverträglichere Lösung als erste Vorschläge gäbe, ob nicht auch andere Gemeinden aus Aarau Nord hier mehr mitzahlen müssten, ist auszuhandeln. Die Durchfahrt durch die Altstadt ist für Velofahrer gefährlich, solange auch die Buslinien noch mit grossen Fahrzeugen durchgeführt werden. Ebenso mühsam und gefährlich für die Fussgänger empfinde ich das Durchdrängeln der Velofahrer durch die Gassen und auf Trottoirs. Zu viele Zusammenstösse passieren, zu viele böse Worte fallen. Hier gilt es, neue Fahrregeln zu formulieren, die Parkier-Situation zu organisieren und vor allem durch Kommunikation für Toleranz und Commitment mehr Rücksichtnahme zu erreichen. Den motorisierten Pendlerverkehr kann die Stadt Aarau nicht alleine lösen, diesen noch stärker einzuschränken durch Verweigerung von Zufahrten und Parkplätzen ist nicht zielführend und ungerecht gegenüber auswärtigen Arbeitsnehmern, Dienstleistern und ansässigen Arbeitgebern.

Welche Infrastruktur bräuchte Aarau unbedingt?

Vieles ist in Aarau bestens aufgestellt. Trotzdem gibt es für mich drei Bereiche, wo zügig Lösungen gefordert sind.
Sportinfrastruktur: Spielplätze für Fussball, Frauen wie Junioren fehlen nach wie vor, die Hallen für Handball, Volley, Basket, Unihockey, Turntraining etc. sind überbelegt, insbesondere wenn auch noch die Wintertrainings für verschiedenste Outdoor Sportarten eingeplant werden müssen.
Digitale Infrastruktur: Nach kürzlich publiziertem Ranking steht Aarau in der Digitalisierung auf Platz 35 von etwas über hundert bewerteten grösseren Gemeinde in der Schweiz. Das kann Aarau besser! Bestehende und entstehende Aufgabenbereiche der öffentlichen Hand (Schulorganisation, Sportorganisation, Mobilitätsorganisation, Versorgung und Sicherheit, etc.) können durch die verbesserte Digitalisierung optimal vernetzt und auch mit der Privatwirtschaft verknüpft werden.
Gastroinfrastruktur: Nebst etwas mehr Gastrovielfalt wäre in Aarau zur Optimierung der Kongresstätigkeit ein Hotel überfällig. Dies soll die Stadt weder bauen noch führen, aber promoten.

Wer ist Ihr Aarauer Held oder Ihre Aarauer Heldin?

Ich bin keine Verfechterin von Heldenkult. Es gibt viele Heldinnen und Helden, die still im Hintergrund wirken und nicht gefeiert werden wollen. Wer wird erwähnt, wer bewertet, wer wird vergessen. Jemanden auszuwählen liegt mir deshalb fern. Ich danke lieber allen herzlich, die mit freiwilligem Engagement zu unserem lebenswerten und liebenswerten Aarau beitragen.

Was kann Aarau im Bereich Kinder und Familie besser machen?

Für die Förderung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für mich die Schaffung von Tagesschulen und die Ausweitung der Tagesstrukturen ausschlaggebend. Aarau verfügt noch über keine Tagesschulen. Das erschwert jungen Familien den Entscheid, nach Aarau zu ziehen, auch wenn viele andere Qualitäten der kinderliebenden Stadt vorhanden sind. Schon vor dreissig Jahren, bei meinen ersten politischen Kontakten bei den FDP-Frauen, waren Tagesschulen und Tagesstätten ein grosses Thema. Weshalb wir hier noch nicht weiter sind, hat viele Gründe, aber dieser Verzug muss aufgearbeitet werden.

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