Die Bewohner der Station Milchgasse – ein Teil des Pflegeheims Golatti – werden Mitte November in ihre temporären Wohnungen in der Alterssiedlung Herosé zügeln. Dann soll in der Milchgasse nämlich die rund zwei Jahre dauernde Sanierung beginnen, für die der Einwohnerrat Aarau gestern einen Baukredit in der Höhe von 7,8 Mio. Franken gesprochen hat. Und zwar ohne eine einzige Gegenstimme (mit 45 Ja zu 0 Nein). So einhellig hat der Einwohnerrat wohl noch nie einen derart hohen Kredit bewilligt. Die Einstimmigkeit hatte sich SVP-Fraktionssprecher Urs Winzenried denn auch gewünscht: als starkes Zeichen an das Volk, das den Kredit am 19. Mai an der Urne noch absegnen muss.

Die Station Milchgasse erfüllt derzeit die Anforderungen nicht, welche der Kanton via Pflegegesetz und -verordnung an ein Pflegeheim stellt. Bei den dringenden Umbau- und Sanierungsmassnahmen werden nun beispielsweise alle bestehenden Nasszellen ersetzt, die Zimmergrössen optimiert, das Tragwerk des Gebäudes verstärkt und Elektroanlagen den aktuellen Standards angepasst.

Die einzige Änderung, welche die Vorlage des Stadtrats möglicherweise noch erfährt, betrifft die Heizung. Vonseiten der Grünen wurde gestern eine entsprechende Motion angekündigt. Man solle abklären, so Einwohnerrat Christian Schäli, ob eine Erdsonden- oder Fernwärmelösung möglich wäre, wenn die heutige Gas-Heizung ihre Lebensdauer erreicht habe.

Aus den Fraktionen kamen ansonsten fast nur positive Voten zum Geschäft. Gelobt wurde etwa, dass bei den Umbaumassnahmen eine gewisse Nutzungsflexibilität eingeplant wird. Der Stadtrat will nämlich die Station Milchgasse nur noch bis zum demografischen Höchststand in 15 bis 20 Jahren als Pflegeheim nutzen, dann sollen die drei Häuser voraussichtlich einer anderen Nutzung zugeführt werden. Mehrere Fraktionen sprachen sich für eine langfristige Beibehaltung eines Alters-Wohn-Angebots, in welcher Form auch immer, in der Altstadt aus. «Uns ist es wichtig, dass der Standort erhalten bleibt», sagte etwa Salomé Ruckstuhl (SP). «Die Älteren sollen weiter am gesellschaftlichen Leben in der Stadt teilnehmen können.»

Christian Schäli tritt zurück

Da ausser der Altersheim-Sanierung nur noch Kreditabrechnungen auf dem Tagesprogramm standen, war die Sitzung bereits nach einer Stunde zu Ende. Die nächste Einwohnerratssitzung am 25. März dürfte dafür umso länger gehen. Dann sind mit der (von gestern auf März verschobenen) hochkomplexen Schuldenbremse und dem Immobiliengeschäft «Auf Walthersburg» mindestens zwei grosse Brocken traktandiert. Ausserdem müssen an der nächsten Sitzung zwei neue Ratsmitglieder in Pflicht genommen werden – als Ersatz für den krankheitshalber zurückgetretenen Christoph Oeschger (SVP) und den wegen Umzugs ebenfalls zurücktretenden Christian Schäli (Grüne).