Aarau

Einwohnerrat schickt Kredit zu Sportanlage Winkel zurück – «Warum nicht in Entfelden oder Küttigen?»

Wegen Corona tagte der Aarauer Einwohnerrat im Kultur- und Kongresszentrum (KuK).

Wegen Corona tagte der Aarauer Einwohnerrat im Kultur- und Kongresszentrum (KuK).

Das Aarauer Parlament schickt den Kredit für den Ausbau der Sportanlage Winkel im Stadtteil Rohr fast einstimmig zurück an den Stadtrat.

Es hatte sich abgezeichnet, dass die Vorlage keine Chance haben würde: Der Aarauer Einwohnerrat hat gestern Abend den beantragten Kredit über 5,4 Millionen Franken für den Ausbau der Sportanlage Winkel retour an den Stadtrat geschickt. Konkret hiess das Parlament einen Rückweisungsantrag der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) mit 45 Ja und 2 Enthaltungen gut.

Die FGPK wiederum hatte sich vorgängig einstimmig für die Rückweisung ausgesprochen, «mit dem Auftrag, das Projekt neu zu überarbeiten und eine Balance zu finden zwischen den Bedürfnissen der Anwohner und den Bedürfnissen des Sports», so FGPK-Sprecher Urs Winzenried (SVP). Die Fraktion GLP/EVP/Pro Aarau hatte ebenfalls einen Rückweisungsantrag gestellt, der den anderen Fraktionen jedoch zu eng definiert war. Etwa, weil er vorsah, dass maximal ein Kunstrasenfeld gebaut werden soll (der Stadtrat wollte zwei).

Sanierung unbestritten – doch in welchem Ausmass?

Unbestritten war bei allen Voten, dass eine Sanierung der Sportanlage Winkel angezeigt ist. Über das Ausmass gingen die Meinungen auseinander. Reicht ein Kunstrasenfeld? Muss es eine Beschallungsanlage haben oder soll «der Stadtrat gegenüber dem Fussballverband deutlich machen, dass nicht alle Spezialwünsche möglich sind», wie es Peter Jann (GLP) forderte? Und wie viel darf das alles kosten?

«Das Projekt steht derzeit wahrlich nicht mehr im richtigen Winkel», kalauerte Brigitte Vogt (FDP). Ihre Fraktion nehme die fast 2000 Petitionäre aus dem Stadtteil Rohr ernst und unterstütze den Rückweisungsantrag, auch wenn das eine Verzögerung bedeute: «Die Aussicht auf langwierige Einspracheverfahren bringt noch mehr Unsicherheiten.» Sie erwarte vom Stadtrat bei der Überarbeitung, «dass alles Praktikable übernommen wird und das Projekt nicht von Null aufgegleist werden muss».

Lukas Häusermann (CVP) zeigte sich hingegen «nicht so optimistisch, dass man einfach mit den Anwohnern redet und dann eine gute Lösung findet». Er plädierte dafür, dass der Stadtrat mit der Planung nochmals von vorne beginne und auch andere Standorte konkret abkläre. Und er widersprach der FDP respektive Brigitte Vogt, die gesagt hatte, es gehe nicht an, dass Vereinsgründungen verhindert würden, weil keine Trainingsmöglichkeiten da seien.

«Man hat den Bedarf der Sportvereine nicht politisch diskutiert», so Häusermann. «Ich finde nicht a priori, dass jeder einen Verein gründen kann und die Stadt dann die Infrastruktur zur Verfügung stellen muss. Es braucht eine Diskussion darüber, was wir überhaupt leisten können.»

«Auch Rohr muss seinen Beitrag leisten»

Die Grünen kritisierten, dass Gegner des «Winkel»-Projekts das Bedürfnis nach zusätzlicher Fussballinfrastruktur in Aarau negierten. Susanne Klaus: «Bekanntlich hat Aarau mit Rohr fusioniert. Die Bedürfnisse der ganzen Stadt sind wichtiger als die eines Stadtteils. Auch Rohr muss seinen Beitrag leisten, Quartierlidenken ist fehl am Platz.» Man erwarte aber vom Stadtrat, dass er die Bedürfnisse abhole.

Das Projekt als solches sei gut, sagte Andrea Dörig (SP), aber im Kontext betrachtet habe man den Bedürfnissen des Fussballs gegenüber jenen der Anwohner zu viel Gewicht eingeräumt. Sehr ähnliche Worte nutzte auch Jürg Schmid (SVP). Und: Die Auswirkungen auf die Betroffenen im Quartier seien gravierend. «Sollte eine Ausbau der Trainingskapazitäten nötig sein, dann sind besser geeignete alternative Standorte in Aarau zu prüfen oder mit umliegenden Gemeinden abzuklären.»

Die Standortfrage stellten auch andere, etwa Peter Jann (GLP), der forderte, dass der Stadtrat mit den Ortsbürgern auch «ernsthaft über den Schachen diskutiert». Oder Peter Roschi (CVP): «Für die FC Aarau Frauen muss eine Lösung gefunden werden – aber die könnte auch irgendwo in der Region sein. Warum nicht in Entfelden oder Küttigen?»

Anwohner zu wenig einbezogen: «Das bedauere ich sehr.»

Der zuständige Stadtrat Daniel Siegenthaler sagte, auch andere Gemeinden hätten Kapazitätsengpässe. Er versprach, dass im «Winkel» umstrittene Aspekte wie die Dimension, die Umzäunung des Areals und das Verkehrskonzept nochmals genau angeschaut würden. Er gestand ein: «In den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass die Anwohner zu wenig einbezogen wurden. Das bedauere ich sehr.» Es brauche nun Kompromisse, und es werde nicht einfach sein, diese zu finden.

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