Kreisschule Aarau-Buchs

Einwohnerrat kritisiert die Schulpflege: Missbraucht diese das Internet?

Die Aarauer Schulpflege wirbt für die Ablehnung des Projekts Kreisschule Aarau-Buchs – und nutzt dafür die politisch neutrale Homepage der Schule Aarau.

Die Aarauer Schulpflege wirbt für die Ablehnung des Projekts Kreisschule Aarau-Buchs – und nutzt dafür die politisch neutrale Homepage der Schule Aarau.

Acht Einwohnerräte aus dem Aarauer Stadteil Rohr kritisieren die ablehnende Meinungsäusserung zum Projekt Kreisschule Aarau-Buchs. Sie stossen sich daran, dass die Schulpflege dafür die politisch neutrale Homepage der Schule Aarau verwendet.

Die Aarauer Schulpflege steht im politischen Gegenwind. Gleich zwei Einwohnerrats-Anfragen wegen verschiedener Vorfälle liegen beim Stadtrat. Beide kritisieren implizit, dass die Schulpflege ihre Kompetenzen überschreite.

Bei der ersten Anfrage geht es um die Ereignisse rund um die Protestkundgebung der Aargauer Lehrer gegen die kantonalen Sparmassnahmen. Die Schulpflege hatte versucht, den Aarauer Lehrern die Teilnahme an der Kundgebung vom 8. November 2016 zu verunmöglichen.

Dies, indem sie forderte, dass die Schüler während der Demonstration nicht nur beaufsichtigt, sondern auch unterrichtet werden müssen. Das würde zumindest einen Teil der Lehrer an der Demonstrationsteilnahme hindern. «Hat die Schulpflege aus Sicht des Stadtrates ihre Kompetenzen überschritten, indem sie den Lehrpersonen vorschrieb, die Schüler von Aarauer Lehrpersonen unterrichten zu lassen, anstatt lediglich für Betreuung zu sorgen?» – Das wollten die Einwohnerrätinnen Lelia Hunziker, Silvia Dell’Aquila, Gabriela Suter, Beatrice Klaus (alle SP) und Petra Ohnsorg (Grüne) Mitte November vom Stadtrat wissen. Die Antwort steht noch aus.

Rohrer kritisieren Schulpflege

Diese Woche nun ist ein neues Schreiben ins Rathaus geflattert. Absender ist dieselbe Allianz von acht Einwohnerräten aus dem Stadtteil Rohr, die sich in der az für ein Ja zur gemeinsamen Kreisschule Aarau-Buchs ausgesprochen haben: Anja Kaufmann, Andrea Dörig und Abdul Abdurahman (SP), Christian Schäli (Grüne), Esther Belser Gisi (Pro Aarau), Silvano Ammann (FDP) sowie Jürg Schmid und Thomas Richner (SVP). Die Einwohnerräte stören sich daran, dass sich die Aarauer Schulpflege zur bevorstehenden Abstimmung negativ geäussert hatte.

Zur Erinnerung: In Buchs und Aarau entscheiden die Einwohnerräte Ende Januar, ob anstatt der aufzulösenden Kreisschule Buchs-Rohr eine gemeinsame Kreisschule Aarau-Buchs gegründet werden soll, oder ob man lieber zwei separate Gemeindeschulen gründen möchte. Die Aarauer Schulpflege sprach sich für Letzteres aus – und das auf der offiziellen Seite der Schule.

Das stösst den Rohrer Einwohnerräten offenbar sauer auf. «Erachtet es der Stadtrat als zulässig, dass die Schulpflege für deren Meinungsäusserung zum Projekt Kreisschule Aarau-Buchs die politisch neutrale Homepage der Schule Aarau verwenden?», wollen sie wissen. Und: Falls Nein, was unternimmt der Stadtrat, damit die Informationskanäle der Schule Aarau nicht für politische Willensäusserungen missbraucht werden?»

Zudem stellen die Einwohnerräte sieben weitere, kritische Fragen, die konkret auf die Stellungnahme der Schulpflege Bezug nehmen und auch von dieser zu beantworten seien. Möglichst noch vor der Einwohnerratssitzung vom 23. Januar.

Kritische Fragen zu Nein-Parole

Falls die Fusion der Schulen abgelehnt wird, wäre es denkbar, dass die Rohrer Kinder weiterhin in Buchs zur Schule gehen. Das müsste mit Verträgen zwischen beiden Gemeinden gelöst werden. Die Stellungnahme der Schulpflege lässt den Einwohnerräten diesbezüglich zu viel offen – sie wollen wissen, ob die Schulpflege für oder gegen eine solche Vertragslösung wäre.

Falls die Rohrer Kinder die Oberstufe in Aarau besuchen müssen, hätten sie einen weiteren Schulweg als bisher. Die Einwohnerräte fragen deshalb, ob die Schulpflege diesen Schulweg wirklich für sicher halte. Zudem wollen sie wissen, wo die Schulpflege den nötigen zusätzlichen Schulraum für die Rohrer Kinder bereitstellen wolle – zumal absehbar ist, dass bald auch die Sek- und Realschüler aus Küttigen und Biberstein nach Aarau zur Schule gehen müssen, weil die Küttiger Oberstufe wohl geschlossen wird.

Es ist fraglich, ob die Schulpflege in den zweieinhalb Wochen bis zur Einwohnerratssitzung imstande ist, die teilweise sehr ausführlichen Fragen der Parlamentarier zu beantworten. Zwingend nötig ist es nicht: Bisher hat keine Fraktion eine Nein-Parole angekündigt, ein überwiegendes Ja erscheint realistisch. Definitiv entschieden wird dann aber im kommenden Frühling an der Urne.

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