Vom Rheinknie auf Grossbritanniens nobelste Pferderennbahn: Das Hotel Basilea in Rombach, nahe der Staffelegg-Route nach Basel gelegen, heisst künftig «Ascott» – in Anlehnung an die Pferderennbahn von Ascot, südwestlich von London. «Schliesslich haben wir in Aarau auch eine Pferderennbahn», sagt Reto Schaffer, Geschäftsführer der Non-Profit-AG Trinamo, die das Hotel neu betreibt, zur Erklärung des Namens. Das zweite «t» erklärt er mit einer älteren Schreibweise des Ortsnamens. Das Wichtigste aber: Ende der nächsten Woche soll das Hotel offiziell neu eröffnet werden – nach kleineren Bauverzögerungen und einem mehrtägigen Testbetrieb.

"Auf ein gewisses Niveau gebracht"

Das seit Ende 2016 leerstehende Hotel gehört nach wie vor dem Immobilien-Riesen Intershop mit Martin Ebner als Hauptaktionär. Die neue Betreiberin hat aber erhebliche Mittel in die Wiederinstandsetzung der ein wenig in die Jahre gekommenen Anlage gesteckt. «Needs refurbishment», hätte es wohl zuletzt in einem englischen Hotelführer über das «Basilea» heissen müssen. In den letzten Monaten, lässt Schaffer durchblicken, habe Trinamo vieles neu gemacht und wieder «auf ein gewisses Niveau gebracht». Zimmer, Restaurant, Küche und der Boden der Terrasse seien auf Vordermann gebracht worden. Bei den Zimmern werde eine zweite Upgrade-Etappe folgen. «Der Standard», so Reto Schaffer, «ist aber jetzt schon besser als vorher.» Änderungen am Gebäude seien erlaubt. Einzige Voraussetzung sei, dass Intershop darüber informiert werde. Das «Ascott» verfügt über 26 Doppelzimmer und zwei Vier-Personen-Suiten.

Bei den Zimmerpreisen wollen die neuen Betreiber leicht unter dem Basilea-Niveau bleiben. Bei rund 175 Franken fürs Doppelzimmer und 115 Franken bei Einzelbelegung will man mit Spezialtarifen für Firmen versuchen, die Geschäftskundschaft zurückzugewinnen. Die Zimmer würden auch über Booking.com angeboten, antwortet Schaffer auf eine entsprechende Frage. Die Preise verstehen sich ohne Morgenessen. Dafür muss niemand ein volles Continental Breakfast bestellen – und bezahlen. Wer will, kann ganz verzichten oder es bei Gipfeli und Kaffee bewenden lassen.

Zentral in der Küche: Der Grill

Im Restaurant soll das Thema «Ascot» sichtbar werden. Anklänge an Grossbritannien gehörten beim Dekor natürlich dazu, sagt Schaffer. Nicht unbedingt aber im kulinarischen Bereich, wie er klarstellt: «Nein, bloss aus dem Wasser gezogenes Gemüse wird es nicht geben.» Beim Fleischangebot lässt man die Insel zudem weit hinter sich. Das Ziel, die «Rösseler» mitzunehmen und dabei auch Pferdefleisch auf die Menükarte zu setzen, ist ein Spagat. Ein kleiner zwar bloss auf dem Kontinent – für die Briten wärs dagegen ein Tabubruch. In der «Ascott»-Küche soll der Grill ein zentrales Thema sein. Das Restaurant werde ausser am Sonntag (ganztags) und am Montagabend immer offen sein, kündigt Reto Schaffer an. Natürlich, sagt er, müsse man bei null anfangen. «Aber wir wollen das durchziehen und das Restaurant offenhalten.» Am Abend ist auch der Betrieb einer Hotelbar vorgesehen.

Fraglich ist noch, ob das «Basilea» bis zur offiziellen Neueröffnung auch äusserlich den Wechsel zum «Ascott» schafft. Noch immer prangt am Gebäude das alte Namensschild. Das neue muss noch von der Gemeinde Küttigen und, da die Bibersteinerstrasse mit der Eröffnung des Staffeleggzubringers zur Kantonsstrasse aufgestiegen ist, auch vom Kanton abgesegnet werden.

Spezielles Betriebskonzept

Die in letzter Zeit im Gastro- und Wohnbereich massiv expandierende Sozialfirma Trinamo wäre nicht sich selber, wenn sie für das «Ascott» nicht nach einem speziellen, sozialen Betriebskonzept gesucht hätte. Das komplexe Projekt «Share + Care» hat die Trinamo, begleitet von der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), eigens für «Rombach» entwickelt. Extrem vereinfacht ausgedrückt geht es darum, dass Menschen jeden Alters Kost und/oder Logis für maximal 3000 Franken beziehen und den Preis mit Arbeitsleistung reduzieren können. Auf diese Weise mitarbeiten können beispielsweise Studierende oder auch Pensionierte mit kleinem Budget. Das Angebot richtet sich aber, wie Reto Schaffer erklärt, auch an Frühabgänger aus Spitälern und aus einer Klinik Entlassene. Wobei das Prinzip der Freiwilligkeit jederzeit zur Anwendung gelangt. Die Frage laute demnach: «Wie viel Lust habe ich, persönliche Arbeitsleistung oder Wissen einzubringen?» Denkbar, so Schaffer, sei zum Beispiel, dass jemand den Job übernimmt, wenn ein Hotelgast durch Aarau geführt werden möchte.

Für den Anfang soll ein minimaler Stock an professionellem Personal rekrutiert werden, der mit Personen aus der aufzubauenden Community ergänzt wird. Bei der Trinamo AG rechnet man damit, dass das Projekt erst in zehn bis fünfzehn Jahren «so richtig Schub erhält». Von der komplexen, speziellen Betriebsstruktur soll der Hotelgast freilich nichts mitbekommen. Wenn es das täte, sagt Reto Schaffer, «hätten wir etwas ganz falsch gemacht». Um ein Abrutschen der Qualität zu verhindern, sind nach Angaben des Trinamo-Geschäftsführers entsprechende Job-Assessments vorgesehen.