Aarau

Einst feierten sie mit Freudengeschrei, heute singen sie

Am Freitagabend singen sie wieder, die 1600 Kinder mit ihren Laternen.

Am Freitagabend singen sie wieder, die 1600 Kinder mit ihren Laternen.

«Fürio, de Bach brönnt» – am Freitagabend zieht die Aarauer Jugend am Bachfischet singend und mit Lampions in den Händen durch die dunklen Gassen. Ein Brauch, der nicht mehr aus Aarau wegzudenken ist, und doch einst fast vergessen ging.

Wenn in Aarau am kommenden Freitag Punkt 20.15 Uhr die Lichter ausgehen, hat das keineswegs mit einer Strompanne zu tun, sondern mit dem uralten Brauch des Bachfischet. Denn die farbenprächtigen und formenreichen Lampions und Laternen, die von der Schülerschaft in den letzten Wochen gebastelt worden sind, kommen nur bei absoluter Dunkelheit zur gebührenden Geltung.

Das Publikum darf sich erneut auf einen prächtigen Umzug und den alten Ruf «Fürio, de Bach brönnt» freuen, haben sich doch rund 1600 Schülerinnen und Schüler mit ihren kleinen und grösseren Kunstwerken angemeldet.

Zeitweilig fast vergessen

Der Aarauer Bachfischet gehört zu den ältesten Lichter-Bräuchen im Land und geht weit in die Bernerzeit vor 1798 zurück. Er stand im engen Zusammenhang mit dem Ritual der jährlichen «Rumete» des Stadtbachs, der in historischer Zeit jeweils nach dem Sankt-Verena-Tag von den Bürgern von Unrat und Dreck befreit wurde. Es war die Jugend, die dann die frischen Wellen mit lautem Freudengeschrei und mit Lichtern abholte.

Das ist noch heute so, auch wenn der Bachfischet zeitweilig in Vergessenheit zu geraten drohte. Es war die 1922 gegründete Heinerich-Wirri-Zunft, die den Brauch zu neuem Leben erweckte und noch heute im Hintergrund die Fäden zieht. Nicht zuletzt bestärkt durch die Tatsache, dass der Bachfischet seit dem vergangenen Jahr offiziell zum Unesco-Kulturerbe gehört (siehe www.lebendigetraditionen.ch).

Der wilde Zug unter Führung der Kadettentambouren führt auch heuer über die bewährte Route, also ab dem Herzogplatz über die Bachstrasse, in die Obere und über die Vordere Vorstadt durch das Obertor hinein in die Rathausgasse, dann über die romantische Halde hinaus in den Schachen auf den Maienzugplatz vor der Sporthalle. Dort erhalten die wackeren Umzugsteilnehmer eine Verpflegung und warten auf den abschliessenden Mordschlapf, der von den Mannen der Wirri-Zunft finanziert und gezündet wird.

Neuer Bachfischet-Obmann

Die schönsten Lampions und die besten Klassen werden von einer Jury gekürt, die unter Leitung von Wirri-Zünfter Philippe Guignard steht. Der 57-jährige Augenarzt hat das Amt des Bachfischet-Obmanns auf dieses Jahr hin von Urs Bänziger übernommen, er erlebt also seine Feuertaufe.

Laut Guignard nehmen am nächsten Freitag auch drei Klassen aus Schönenwerd und ebenso viele von der Schule Erzbachtal am Umzug teil. Und auch der Stadtteil Rohr ist erneut vertreten, allerdings nur mit den Kindergärten und den Primarschulklassen.

Auf Änderungen hat Guignard als «Ein-Mann-OK» bei seiner Premiere bewusst verzichtet, in der Meinung, dass der Brauch sich nicht für modische Experimente eignet, sondern für sich selber spricht. Er hofft wie alle Beteiligten und die Tausenden von Zaungästen am Strassenrand auf trockenes Wetter. Denn die schönsten Lampions werden hoffentlich unbeschädigt in den Tagen nach dem Bachfischet in den Schaufenstern der Aarauer Zentrums-Geschäfte ausgestellt.

Gefragt sind auch gelungene Schnappschüsse von Privaten, die an bachfischet@wirrizunft gesendet werden können, wo sie Eingang in eine Bildergalerie finden.

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