Entfelden
Einschreiten, bevor Cyber-Mobbing zum Problem wird

Auffälligkeiten und Fehlentwicklungen sollen erkannt werden, bevor es zu spät ist. Und es soll angemessen reagiert werden. In Entfelden macht man mit dem «Netzwerk Jugend» gute Erfahrungen.

Hubert keller
Drucken
Teilen
Gemeinderat Markus Bircher, Oberentfelden, Monika Goetzmann und Gemeinderätin Beatrix Donzé, Unterentfelden (v.l)., tauschen sich im «Netzwerk Jugend» über Fehlentwicklungen aus. Annika Bütschi

Gemeinderat Markus Bircher, Oberentfelden, Monika Goetzmann und Gemeinderätin Beatrix Donzé, Unterentfelden (v.l)., tauschen sich im «Netzwerk Jugend» über Fehlentwicklungen aus. Annika Bütschi

Annika buetschi / AZ

«Problematische Entwicklungen bei Kindern werden oft zu spät wahrgenommen», schrieb Grossratspräsidentin Vreni Friker, als sie noch Vizeammann von Oberentfelden war. Adressaten des Briefs vom Dezember 2012 waren Lehrpersonen, Behörden, Jugendsozialarbeiter und Eltern, Personen eben, die für das Wohl der Kinder und Jugendlichen zuständig sind. Mitverfasserin war Beatrix Donzé, Frikers Amtskollegin in Unterentfelden.

Damit war die «Frühintervention bei Sucht, Gewalt und sozialer Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen» in den Gemeinden Unter- und Oberentfelden lanciert.

Mittlerweile ist ein Jahr vergangen. Hat sich die Arbeit gelohnt? Monika Goetzmann zieht eine positive Bilanz: «Die neue Vernetzungsstruktur zwischen den wichtigsten Akteuren ermöglicht einen guten Austausch und schnelle und koordinierte Reaktionen, die wirkungsvoll greifen.» Monika Goetzmann ist verantwortlich für die Schulsozialarbeit an der Schule Entfelden und Leiterin des Projektes «time in», einem Förderprogramm für Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf im Lern- und Sozialverhalten.

Auffälligkeiten erkennen

Das Ziel hatten Donzé und Friker wie folgt formuliert: «Wir wollen Kinder und Jugendliche in anspruchsvollen Lebenssituationen in ihrer Entwicklung und gesellschaftlichen Integration unterstützen.» Auffälligkeiten und Fehlentwicklungen sollen erkannt werden, bevor es zu spät ist, und es soll angemessen reagiert werden.

Cyber-Mobbing zum Beispiel ist ein Problem, das unter anderem im Jugendtreff zum Thema und dann in Zusammenarbeit mit der Schule bearbeitet wurde. Schüler, die ohne Lehrstelle oder mit einem abgebrochenen Programm dastehen, vertrauen sich Jugendarbeitenden an, die dann die Triage zu anderen Stellen machen. Latente Probleme wahrnehmen, sich austauschen und reagieren, darum gehe es, sagt Goetzmann, welche die zuständigen Personen und Fachstellen zusammenführt und koordiniert.

Es wurden zwei Gruppen gegründet, das Netzwerk Jugend und die Fachgruppe Frühintervention. Im Netzwerk Jugend sind Gemeinderat, Sozialdienst, Schulleitung, Schulsozialdienst, Jugendarbeit sowie Vereine und Kirche vertreten. Sie treffen sich viermal jährlich. Bei Vorfällen und Notsituationen kann sofort eine Sitzung einberufen werden.

Wohl des Kindes im Vordergrund

Das Netzwerk Jugend nimmt gefährdende Tendenzen rund um Kinder und Jugendliche im öffentlichen Raum wahr, tauscht sich aus und koordiniert Reaktionen und Massnahmen. Die Beteiligten sind dem Amtsgeheimnis unterstellt. «Wenn es der Fall erfordert, steht das Wohl des Kindes aber über der Schweigepflicht», fügt Goetzmann an.

In der Fachgruppe Frühintervention treffen sich Vertreter des Sozialdienstes, der Schulsozialarbeit und der Schulleitung. Diese Arbeit ermöglicht eine effiziente, koordinierte und professionelle Beratung bei gefährdeten Kindern und Jugendlichen.

Vernetzung ist das Schlüsselwort. Als nämlich bereits im Jahr 2009 das Bedürfnis einer solchen Frühintervention abgeklärt wurde, stellte man fest, dass zahlreiche Angebote bestehen, viele Leute sich mit Jugendarbeit im weitesten Sinn befassen, man aber kaum voneinander weiss, zumindest sich nicht austauscht.

Die Fachgruppe kommt zum Einsatz, wenn das Problem bereits akut ist. Frühintervention heisst aber, dass es gar nicht so weit kommt, dass latente Problemfelder, wie Alkoholkonsum an neuralgischen Treffs wie Bahnhof oder Waldrand, rechtzeitig ausgemacht werden und darauf reagiert wird. Zum Beispiel mit einem Schulprojekt, das den Umgang mit Suchtmitteln als Teil der Lebenskompetenz thematisiert. Die Fachgruppe musste noch nicht aktiv werden.

Es gehe nicht nur darum, negative Erscheinungen und Tendenzen wie das erwähnte Cyber-Mobbing frühzeitig zu erkennen, sondern auch positive Tendenzen als Chance wahrzunehmen und zu fördern, sagt Monika Goetzmann.

Aktuelle Nachrichten