Unverpackt-Laden
Einkaufen, ohne Abfall zu produzieren: So einen Laden soll es bald in Aarau geben

In der Stadt Aarau soll ein Laden für unverpacktes Einkaufen entstehen – der grosse Kraftakt steht aber noch bevor. Auf die fünf Frauen, die hinter dem Laden stehen, kommt viel Aufklärungsarbeit zu.

Katja Schlegel
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Hebel auf, Körner rein ins mitgebrachte Geschirr – Einkaufen wie in diesem Laden in Hannover soll auch in Aarau möglich sein.Imago

Hebel auf, Körner rein ins mitgebrachte Geschirr – Einkaufen wie in diesem Laden in Hannover soll auch in Aarau möglich sein.Imago

imago/epd

Einkaufen mit dem leeren Müesliflöckli-Glas unter dem Arm, dem Stoffsack für die Äpfel, der Edelstahlbüchse für den Tofu, dem Kessel für das Waschmittelpulver. Einkaufen, ohne Abfall zu produzieren – das soll künftig auch in Aarau möglich sein.

Fünf Frauen haben sich im Frühling zur Arbeitsgruppe UEA (Unverpacktes Einkaufen in Aarau) zusammengeschlossen und tüfteln gerade an Businessplan und Sortiment. «Wir sind bereits so weit, dass wir in einem halben Jahr einen Unverpackt-Laden eröffnen könnten», sagt Regula Simsa, Kopf der Gruppe. Mit dabei sind ausserdem Monika Brunner aus Erlinsbach sowie die Aarauerinnen Therese Dietiker, Barbara Reusser und Kathrin Sterchi.

Abfallmenge hat sich versechsfacht

Die Idee hinter dem unverpackten Einkaufen leuchtet ein: Die Erde versinkt im Abfall, allein in den Weltmeeren sollen 140 Millionen Tonnen Plastik treiben. In der Schweiz hat sich die Abfallmenge pro Kopf und Jahr seit den Dreissigerjahren versechsfacht; von 126 Kilogramm auf über 700.

Zahlen, die Regula Simsa erschreckten – und sie schliesslich handeln liessen. «Es ist einfach, um Schildkröten zu jammern, die sich in Plastiksäcken verheddern, und mit dem Finger auf andere zu zeigen», sagt die einstige Aktien-Analystin, die heute Unternehmen unter anderem zum Thema Nachhaltigkeit berät. «Wir tragen unseren Teil zu diesem Problem bei und müssen etwas dagegen tun. Und wir können es, wir müssen uns bloss selber an der Nase nehmen.»

Ein grosser Abfallberg entsteht mit der Verpackung von Nahrungsmitteln: Alles wird in Plastik verkauft, vom Käse über das Joghurt, vom Zwieback bis zur Haselnuss, manchmal doppelt und dreifach eingeschweisst. Das alles soll man im Aarauer Laden unverpackt kaufen können. «Wir möchten ein Standard-Angebot an Grundnahrungsmitteln anbieten», sagt Simsa. Frisches Brot, Milch, Gemüse, Früchte, dazu Frühstücksflocken, Getreide, Reis, Nüsse, Trockenfrüchte und Milchprodukte, alles aus biologischem Anbau oder ressourcenschonender Produktion, wenn möglich aus der Region. Dazu kommen Wasch- und Putzmittel sowie saisonal Geschenkartikel und Kosmetika. Alles so angeboten, dass sich keiner vor Kunden ekeln muss, die die offene Ware zum Test anfassen. Und wer das passende Verpackungsmaterial nicht dabei hat, kann dieses im Laden kaufen oder gegen ein Depot ausleihen.

«Aarau ist dafür ein gutes Pflaster»

Neu ist die Idee nicht, immer mehr solcher Läden werden eröffnet. Und doch wird es ein Kraftakt, die Leute für das Konzept zu begeistern. Das Problem ist die Gewohnheit: «Plastik ist wahnsinnig praktisch, es ist billig, stabil, dicht und überall zu haben», sagt Simsa. «Bewusst darauf zu verzichten, ist ein Aufwand.» Es komme viel Aufklärungsarbeit auf sie zu, dessen sei sie sich bewusst. «Aber wir sind davon überzeugt, dass Aarau ein gutes Pflaster für ein solches Ladenkonzept ist.» Aarau habe eine Bevölkerungszusammensetzung, die auf solche Ideen anspreche. «In den vielen Gesprächen mit Leuten aus unserem Umfeld haben wir viel positives Echo bekommen.»

Und wie steht es mit der Konkurrenz? Schliesslich bieten auch andere Läden unverpackte Lebensmittel an. «Wir wollen niemandem das Leben schwermachen, wir sind sehr an Zusammenarbeit interessiert», sagt Simsa. Schliesslich verfolge man ja das gleiche Ziel. «Wir wollen es in Aarau möglich machen, verpackungsfrei einkaufen zu können.» Das solle kostendeckend passieren, so Simsa. «Aber reich werden will damit keine von uns.»

Noch fehlt das Wichtigste

Die Vorzeichen für den ersten Aarauer Laden für unverpacktes Einkaufen stehen gut. Das Wichtigste fehlt aber noch: das Ladenlokal. Am liebsten wäre der Gruppe eines in der Altstadt oder der nahen Umgebung. «Aber was leersteht, ist bereits vergeben. Ausserdem brauchen wir eine gewisse Grösse, weil wir ein grosses Lager führen müssen», so Regula Simsa.

In Zahlen heisst das: 40 bis 50 Quadratmeter Verkaufsfläche, dazu noch einmal die gleiche Grösse an Lagerraum. Auch ist die Gruppe auf der Suche nach Finanzierungspartnern und Lieferanten aus der Region, die bereit wären, ihre Ware verpackungsfrei oder in wiederverwendbaren Behältern zu liefern. Interessierte können Regula Simsa per Mail kontaktieren: unverpackteinkaufen.aarau@gmail.com