Aarau

«Eingefangene Stimmen» live vereint

Neues Aargauerlied

Neues Aargauerlied

Zur Eröffnung der Toninstallation im Stadtmuseum trug ein 30-köpfiger Ad-hoc-Chor «S neue Aargauerlied» vor

Zur Eröffnung der Toninstallation im Stadtmuseum trug ein 30-köpfiger Ad-hoc-Chor «S neue Aargauerlied» vor

«D Aare macht sich bräit und überfluetet eusi Gärte.» Den Anfang der ersten Strophe versteht man nur, wenn man das Textblatt vor sich hat. Ein wenig zaghaft hat der Chor eingesetzt. Es ist schliesslich auch ein rund 30-köpfiger Ad-hoc-Chor, der «S neue Aargauerlied» zur Eröffnung der Toninstallation «Die Aargauer Regionen, eine klingende Heimatkunde» im Foyer des Stadtmuseums singt. Lied und Ausstellung bilden den Beitrag des Museums zum kantonalen Gedenkjahr «1415 - die Eidgenossen kommen».

Ein charismatisches Lied, das einen mitreisst, das Emotionen weckt, ist «S neue Aargauerlied nicht», eher ein kopflastiger Song, der die Vorstellungen benennt, die man gemeinhin mit den einzelnen Kantonsteilen verbindet. Ein Lied auch, bei dem man sich ernsthaft bemühen muss, den Text von Pino Dietiker mit der Melodie von Steven Parry zusammenzubringen. Wer deswegen, musikalisch, den Fluss vermisst, findet ihn dafür gleich mehrfach im Text. Der handelt nämlich von den vier grossen Flüssen im Kanton. Jeder lässt sich einer Region zuweisen: die Aare dem von 1415 bis 1798 bernischen Unteraargau, die Reuss den Freien Ämtern, die Limmat der Grafschaft Baden und der Rhein dem Fricktal. Untertanen waren die Bewohner der vier Regionen bis zum Einmarsch der Franzosen alle: Die einen hatten den Eidgenossen zu parieren, die Fricktaler blieben österreichisch.

Im September war Debora Gerber mit dem Lied und dem mobilen Aufnahmestudio zwei Wochen im Kanton unterwegs. In allen Bezirkshauptorten animierte sie Leute zum Singen des Liedes. «Das hat gut funktioniert», sagt die Projektleiterin der Aktion «Deine Stimme zählt». «Viele Menschen waren bereit, uns ihre Stimme zu schenken.» Und viele von ihnen, so Gerber mit einem Blick auf den Chor, seien nach Aarau gekommen, um das Lied gemeinsam noch einmal zu singen. Eine Stunde vor der Vernissage hat sie Irene Näf, die das Lied auch rund 500 Aargauer Schulkindern beigebracht hat, zur Probe versammelt.

Das Stadtmuseum Aarau habe beschlossen, die Geschichte im Jubiläumsjahr nicht von hinten, von 1415 her aufzurollen, sagt Museumsleiterin Kaba Rössler. «Wir fangen 2015 an: Wir haben uns gefragt, welche Bedeutung die Regionen, die den Kanton Aargau bilden, heute noch haben.» Die Antworten von Experten und Politikern finden sich in der Toninstallation. Diese besteht aus einer Reihe kleiner Lautsprecher-Schüsseln, die im Foyer von der Decke runterhängen. Ebenfalls bis zum 20. November zu hören sind auf der andern Seite des Foyers die von Debora Gerber «eingefangenen Stimmen».

Am Volksmusikfest hat einer den Stecker des Aufnahmestudios rausgezogen. «Das Lied ist kein Sakrileg», so Kaba Rössler. «Es geht keineswegs darum, das alte Aargauerlied schlecht zu machen, es geht im Text um etwas Neues.» Das «alte» Lied ist, unausgesprochen, «Im Argäu sind zwöi Liebi», das nicht vom Aargau handelt, sondern, abgesehen von der Spitze gegen den Solddienst, von einem Ur-Thema ohne Verfalldatum: Liebe, Trennung und Entfremdung.

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