Im Ausgang geraten gerade junge Frauen immer wieder in unangenehme Situationen. Wenn ihnen jemand zu nahe kommt oder auf dem Nachhauseweg ein Unbekannter sie plötzlich am Arm packt, löst das bei vielen ein Gefühl der Machtlosigkeit aus.

Die Englischlehrerin Beatrice Gyssler aus Muhen will ihre Schülerinnen vor genau diesem Gefühl bewahren. Sie hat deshalb erstmals einen Krav-Maga-Kurs für Mädchen organisiert. Mit dem israelischen Kampfsystem lernen die Schülerinnen, sich zu verteidigen. Egal, wie stark der Angreifer ist. Der erste von zwei Kurstagen fand am Samstag vor einer Woche statt.

Pünktlich treffen die dreizehn Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren in der «International Combat School» in der Aarauer Telli ein. Trainer Fabian Stiefenhofer begrüsst sie. «Seid ihr motiviert?», fragt er in die Runde. Die Reaktion ist ein verhaltenes «Ja» von zwei, drei Teilnehmerinnen. Fabian Stiefenhofer nickt. «Genau daran arbeiten wir heute.»

«Fürs Selbstvertrauen»

Als Erstes lernen die Mädchen, wie sie reagieren, wenn jemand sie am Arm festhält. «Wir wollen nichts Kompliziertes lernen. Die Bewegung ist schon in eurem Körper drin», sagt der Trainer. Die Übungen, die er den Schülerinnen zusammen mit Adam Kummer und Dominik Hatt von der Kampfschule zeigt, sind Grundtechniken. Einfach, aber effektiv. Die Mädchen sollen sich in realen Situationen daran erinnern.

Auch Lehrerin Beatrice Gyssler übt mit. Sie weiss aus eigener Erfahrung, was Krav Maga bewirken kann. Das Kampfsystem, das auch Mossad-Agenten anwenden, hat sie selbst gelernt. «Fürs Selbstvertrauen», wie sie sagt. Die Idee für den Mädchenkurs kam ihr aber erst später.

Immer wieder sprach die vierfache Mutter mit anderen Müttern und Vätern über die Sorgen und Ängste, die Eltern quälen, wenn ihre Kinder abends unterwegs sind. In letzter Zeit hätten sich diese Gespräche gehäuft. Also hat sie mit Fabian Stiefenhofer Kontakt aufgenommen und den Selbstverteidigungskurs organisiert.

Mehr Frauen seit Silvester

In der «Combat School» sind Selbstverteidigungskurse bei Frauen momentan besonders beliebt. «Seit der Silvesternacht sind im Probetraining etwa zu drei Viertel Frauen», sagt Fabian Stiefenhofer. Davor sei es umgekehrt gewesen. Mädchen hat er zuvor noch nie unterrichtet.

«Es macht wirklich Spass.» Das sehen auch die Teilnehmerinnen so. Während des Kurses lachen und kichern sie viel. «Mir gefällt es sehr gut. Ich weiss jetzt, was ich machen kann, wenn mich jemand packt. Davor hätte ich wahrscheinlich einfach irgendwie gezappelt», sagt eine Teilnehmerin. Sie hofft, dass der Kurs auch einen weiteren Vorteil mit sich bringt. «Vielleicht erlauben uns unsere Eltern jetzt, öfters in den Ausgang zu gehen.»

Zum Abschluss des Kurses wird es dann ernst. Es kommt zum Stresstest. Bei lauter Musik und Gebrüll von den Trainern müssen sich die Mädchen gegen verschiedene Angreifer wehren. Sie werden gewürgt, geschlagen und festgehalten. Denn auch wenn der Kurs Spass macht. Die Mädchen sollen sich auch im Ernstfall wehren können.