An die genauen Zahlen mögen sich die Spanier nicht mehr erinnern. Nur so viel: Seit über 40 Jahren habe es ihren Klub am Ochsengässli 7 gegeben. Und seit über 20 sei er, Carlos Gimeno, Präsident des «Centro Español de Aarau».

Heute in einer Woche ist Schluss. Der Verein wird zwar weiterhin existieren, aber sein Lokal geht am 30. September zu. Damit verschwindet einerseits ein Stück Aarauer Gastronomie-Geschichte, ein Restaurant, das wegen seiner authentischen Küche und wegen seines Flairs auch bei Schweizern sehr beliebt war.

Und anderseits verschwindet der letzte Spanier-Klub in der Stadt. In den besten Zeiten, als bei uns deutlich mehr spanische Fremdarbeiter, Saisonniers, tätig waren, hatte es davon fünf. Legendär war etwa der Sportclub der Familie Arias in der Ochsenscheune zwischen dem Saalbau (heute KUK) und dem Kino Schloss.

Mitglieder aus 26 Familien

Carlos Gimeno spricht noch immer kein perfektes Deutsch. Er wird demnächst
75 Jahre alt, kam im Februar 1964 in die Schweiz. Nach Oberentfelden, wo er bei Sprecher & Schuh sowie ihren Nachfolgefirmen arbeitete. Später wechselte er nach Aarau zur Gewerkschaft Smuv (heute Unia).

Beim Interview mit der az ist Manuel Gonzalez (50) mit dabei. Er ist seit zwölf Jahren Kassier des Vereins, kam im März 1984 in die Schweiz und ist heute Maschinist im Bauunternehmen Zubler.

Wieso wird der Spanier-Klub geschlossen? Eine schwierige Geschichte. Der Verein hat Mitglieder aus 26 Familien, insgesamt 50 bis 60 Personen, ältere Immigranten, aber auch viele Zweitegeneration-Spanier. Viele haben Wurzeln in Galicien.
Schwierige Suche nach Ersatzlokal

40 Jahre lang gab es im Klub mit den gegen 50 Sitzplätzen keine ernsthaften Probleme. Doch das änderte sich 2016: Carlos Gimeno erzählt von betrunkenen Gästen, die im Lift herumhüpften und so eine grössere Reparatur notwendig machten.

Noch schlimmer war ein Wasserschaden, verursacht durch die Toilette des «Centro Español». «Der Vermieter hat uns gekündigt. Wir haben Verständnis dafür», gibt sich Carlos Gimeno versöhnlich.

Der Spanier-Klub ist in einem ehemaligen Gewerbebau untergebracht. Im dritten Stock – was aus heutiger Sicht nicht optimal ist. Der Verein hat sich auf die Suche nach einem Ersatzlokal gemacht. «Aber so etwas zu finden, ist in Aarau schwierig», erklärt Carlos Gimeno. Auch die städtische Liegenschaftsverwaltung konnte bisher nicht helfen. «Wir hoffen, dass noch ein Wunder passiert», sagt Gimeno.

Den Restaurationsbetrieb hat stets ein Pächter geführt. «Unser Ziel war es nicht, Geld zu verdienen. Wir waren zufrieden, wenn wir die Kosten decken konnten», erklärt Gimeno. Entsprechend tief sind die Preise: Pulpo (Tintenfisch mit Kartoffeln) gibts für 16 Franken, das Schweinsfilet für 20, die Flache Rioja (El Coto) für 25 und die «Hopfenperle» für 3 Franken.

Im Klub sind ein halbes Dutzend spanische und zwei galicische Fahnen aufgehängt. Es hat aber auch ein grosses Schweizer Wappen. Die absoluten Jahreshöhepunkte seien jeweils die Silvester-Feiern gewesen, erinnern sich die Vorstandsmitglieder.

Hoch zu und her sei es auch gegangen, wenn Barcelona und Real Madrid gegeneinander gespielt hätten. «Dann waren wir immer voll.» Das Lokal war stets nur von Freitag bis Sonntag offen. «Die Schweizer kamen vor allem am Freitag», sagt Gimeno.

Für die Saisonniers war der Klub ein wichtiger Treffpunkt fern der Heimat. Bevor sie ihr eigenes Lokal hatten, trafen sie sich im alten «Aarauerhof», ihrem Stammlokal, oder in der alten «Kettenbrücke». «Zum Tanz», schwärmt Gimeno.