Neujahrsblätter

Eine vielfältige Fundgrube – nicht nur für Aarauer Nostalgiker

Der Kreisel bei der IBA: Bilder aus dem Alltag von Stadtfotograf Jiri Vurma.

Der Kreisel bei der IBA: Bilder aus dem Alltag von Stadtfotograf Jiri Vurma.

Die Aarauer Neujahrsblätter 2013 sind ein reiches Füllhorn mit Geschichte und Geschichten: vom Fotografen Jiri Vurma und seine Bilder der Stadt über die Geschichte des Staffeleggzubringers bis hin zur 145-jährigen Ära der Post im Kaufhaus.

Soeben sind die Aarauer Neujahrsblätter 2013 erschienen und in den Aarauer Buchhandlungen erhältlich. Thomas Röthlin, Präsident der Redaktionskommission, macht in seinem Vorwort die Beiträge an der Nostalgie fest: «Nostalgiker aufgepasst!» Doch dies ist wohl auch nur der Versuch, ein Leitthema über eine Sammlung von Beiträgen zu setzen, die kein Leitthema brauchen. Es ist die Fülle und die Vielfalt, welche die Neujahrsblätter wertvoll machen, und es ist die Reihe der vielen Ausgaben, die Jahr für Jahr zuverlässig im November erscheinen. Sie stellen eine unermessliche Fundgrube dar für alle, welche die Stadt lieben, seien es Bewohner, Bürger, Kulturschaffende, Historiker, Politiker.

Spannung im Alltag

Die Bilder auf dieser Seite sind von Stadtfotograf Jiri Vurma. Seit über drei Jahrzehnten sei er in der Stadt unterwegs, um das einzufangen, was andere übersehen, schreibt Felicitas Oehler Weiss. Sie zitiert Vurma wie folgt: «Schöne Bilder einer Safari kann jeder heimbringen, aber im Alltag Spannung und Aktion einzufangen, das ist eine Herausforderung.»

Die 25 Jahre dauernde Planungs- und Baugeschichte der Aarebrücke beim Staffeleggzubringer schildert Christian Fritschi. Er war als Bauingenieur an der Planung der Brücke beteiligt und zeigt den Zusammenhang auf von Planung, demokratischem Entscheidungsprozess und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Quantensprünge und Neuanfänge

Florian Müller, Bezirkslehrer und seit diesem Jahr in Ausbildung zum Gymnasiallehrer, beschreibt «den langen Weg» des Schlössli von der Städtischen Sammlung 1889 zum Stadtmuseum Alt-Aarau 1942. Das «Schlössli», in dem das Stadtmuseum seit 1939 untergebracht ist, stehe vor einem «Quantensprung»: Seit dem Sommer wird saniert, um- und angebaut. Der Blick in die Geschichte, so Florian Müller, verrate, dass «jeder Abschluss ein Neuanfang ist».

Nach dem angekündigten Rücktritt der Festivalleiterin Heidi Buri stehen auch die Theatertage vor einem Neuanfang. Sie habe es geschafft, schreibt Markus Christen, eine in allen Belangen professionelle Organisation mit einer familiären Atmosphäre zu verbinden. «Dies macht die Theatertage zum Reflexionsraum für Spieler und Publikum.»

Hermann Rauber, Journalist und pensionierter az-Redaktor, widmet sich der 145-jährigen Ära der Post im Kaufhaus, die im März 2012 zu Ende gegangen ist. Eine Episode aus der langen Geschichte: 1887 wurde in Aarau das erste Telefonnetz mit 88 Teilnehmern in Betrieb genommen. Die Nummer 1 erhielt die Jura-Cement-Fabrik, die Stadt musste sich mit der Nummer 42 begnügen.

Hermann Rauber misst in einem weiteren Artikel das Aviatik-Fieber der Stadt. Im Schachen fanden 1912 und 1913 Flugtage statt. Die Begeisterung für die Fliegerei, die im Begehren nach einem eigenen Flugfeld mündete, wurde dann allerdings vom Stadtrat abgeblockt.

Mit Tiefgang in die Geschichte

Historiker Martin Pestalozzi widmet einen Aufsatz der Geschichte des Pestalozzischulhauses. Mit dem Tiefgang des Wissenschafters ergründet er in einem weiteren Beitrag Aaraus Frühzeit bis 1415 und interpretiert Urkunden und Bildquellen neu.

Peter Jann und Ka Marti, der Leiter und die Kommunikationsverantwortliche des Naturamas, schildern die Erfolgs- und die Vorgeschichte des vor zehn Jahren eröffneten Aargauer Naturmuseums, das viel mehr ist als ein Museum. Jann: «Das Naturama ist ein zentraler Baustein der aargauischen Naturschutzpolitik.»

Mit leiser Wehmut erzählt Charlotte Parry-Brühlmann ihr Leben in der «Rebhalte», im Haus ihrer Träume. Ein Heim, das dank einer grossherzigen Mutter allen offen stand.

Last but not least hat Autor Virgilio Masciadri den literarischen Beitrag für die Neujahrsblätter verfasst, einen Krimi.

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