Das war knapp. Der Einwohnerrat hat am Montagabend das Postulat von Markus Hutmacher (Grüne), mit dem er die Stadion-Strategie des Stadtrats in Frage stellte, mit 22 gegen 21 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Den Ausschlag gaben die drei Stimmen der CVP.

Stadtrat Lukas Pfisterer hatte vor einem Eigengoal gewarnt: «Wir sind auf gutem Weg. Es gibt keine neue Fakten und keinen Grund, die Stadion-Strategie neu zu überdenken.» Doch die Zweifel auf der linken Seite des Rats konnte er nicht ausräumen, während SVP- und FDP-Fraktion seiner Argumentation geschlossen folgten.

Hutmacher warf dem Stadtrat vor, die Interessen der Stadt nicht wirklich zu vertreten. Das Problem liegt seiner Meinung nach darin, dass die Stadt das Projekt durch einen Generalunternehmer realisieren lässt, der primär seine eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolge und selber am meisten zur Verzögerung des Projekts beigetragen habe. Es sei doch offensichtlich, dass der Bedarf an Verkaufs- und Ladenflächen in Aarau weitgehend gedeckt sei und somit das Angebot in der Mantelnutzung nicht auf grosse Nachfrage stossen werde.

«Alte Fakten zusammengetragen»

Nach acht Jahren erfolglosem Planen sei es an der Zeit, das Stadionprojekt auf der Basis der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich massiv verschlechtert hätten, neu zu überdenken, sagte Hutmacher. Der Stadtrat müsse die Verhandlungen über die Kosten und deren Finanzierung neu aufnehmen.

«Wir stehen zum Stadion, zum Fussball und zum FC Aarau», sagte Lelia Hunziker (SP). Dennoch unterstützte ihre Fraktion das Postulat: «Wir wissen zu wenig, es gibt zu viele Unbekannte, um uns auf das Stadion freuen zu können.»

Der Stadtrat konnte auch Ueli Hertig (Pro Aarau) nicht überzeugen. Mit seinem Bericht habe dieser nur alte Fakten zusammengetragen, sagte er und verlangte, dass die finanziellen Risiken, welche die Stadt mit dem Stadion eingehe, offen gelegt werden.

«Das Postulat ist ein peinlicher Versuch, das Stadion auf politischem Weg zu Fall zu bringen», warf Silvano Ammann (FDP) seinem Ratskollegen Hutmacher vor. Das Stadionprojekt sei mehrfach gutgeheissen worden. Mit der Änderung der Stadion-Strategie würde der Volkswille desavouiert. «Wir sind auf der Zielgeraden», meinte Peter Roschi (CVP).

Lukas Pfisterer stellte nicht in Abrede, dass «das Stadion mit grosser Wahrscheinlichkeit teurer wird». Doch die Kosten könnten erst definitiv berechnet werden, wenn die Baubewilligung vorliege, was bis jetzt nicht der Fall ist. Noch wartet man auf die Entscheide von Verwaltungs- und Bundesgericht. Stadtrat Pfisterer betonte, dass an den Bauabsichten der Bauherrin HRS kein Zweifel bestehe. HRS habe den Tatbeweis mit grossen Vorinvestitionen mehrfach erbracht.