Eine Online-Umfrage der az hat ein eindeutiges Resultat erbracht: 99 fordern den Abbruch, nur 23 sind der Meinung, dass man die Markthalle stehen lassen sollte.

«Die Aarauer Markthalle vermag nur schon aufgrund ihres konstruktiven Ansatzes Begeisterung auszulösen.» Dies schrieb Architekturhistoriker Christoph Schläppi in der Zeitschrift für Architektur und Städtebau «werk, bauen + wohnen», und zwar im Jahr 2003, ein Jahr nach der Eröffnung der Markthalle. Schläppi war damals Vizepräsident des Schweizerischen Heimatschutzes.

Keine repräsentative Umfrage

Im Jahr zuvor war die Markthalle mit dem Aargauer Heimatschutzpreis geadelt worden. Die Jury sprach von einem «raffiniert strukturierten Holzbau», der sich in seiner äusseren Form dem Gassenraum anpasse: «Je nach Standort des Betrachters wirkt die an mittelalterliche Korn- und Zeughäuser erinnernde Markthalle durchlässig oder kompakt.»

Wenn Experten das sagen … muss das nicht stimmen, beziehungsweise muss das «Volk» nicht gleicher Meinung sein. Wenn sich 120 an einem Online-Voting beteiligen und in ihrer grossen Mehrheit den Abbruch befürworten, so ist das keine repräsentative Umfrage und erst recht keine demokratisch legitimierte Abstimmung. Dennoch, sie macht eine Stimmung deutlich, die offenbar in der Aarauer Bevölkerung verbreitet ist.

Auch der Nicht-Aarauer erfährt die Markthalle als Fremdkörper, der irritiert, aber auch fasziniert. Wie eine Skulptur steht der sperrige, aus Hunderten lamellenartigen Stützen bestehende Bau zwischen den Bürgerhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Die Markthalle biedert sich der historischen Umgebung nicht an, täuscht nichts vor, sie ist, wie sie ist. Aus architektonischer Sicht ist das gut.

Drehtür zur Innenstadt

Das Problem sind aber offensichtlich Zweck und Nutzen. Die Detaillistenvereinigung Zentrum Aarau hat sich auf die Fahne geschrieben, aus der belebten Neustadt und dem Graben Frequenzen in die Altstadt zu gewinnen. Die Färbergasse, mit oder ohne Markthalle, muss gemäss «Zentrum Aarau» zur Drehtür von der Innenstadt in die Altstadt werden.

Die Gasse «zwischen den Toren» war Hinterhof zum Graben und zur Altstadt hin. Es war (und ist noch immer) das Quartier dazwischen. Nachdem 1982/1983 die Gewerbebauten auf dem Färberplatz abgerissen worden waren, begann eine leidvolle und langwierige Planungsgeschichte, wie die Lücke geschlossen bzw. genutzt werden könnte. Die Ideen schossen aus dem Boden wie Frühlingsblumen: Pavillon, Neubau für Stadtbibliothek, Markt, Begrünung.

1983, nach dem historischen Markt im Rahmen der Feier «700 Jahre Stadtrecht», hatte sich die Idee festgesetzt, den Platz als solchen bestehen zu lassen. Eine Motion, notabene vom damaligen Einwohnerrat und heutigen Stadtammann Marcel Guignard eingereicht, erzwang eine fünfjährige Denkpause.

Abbrechen oder stehen lassen?

Die Markthalle, die gegen Kälte und Wind kaum Schutz bietet, ist an rund 100 Tagen belegt. Allein das Kerzenziehen im Advent beansprucht die Halle 20 bis 25 Tage, der Markt Aarauer Gewerbetreibender MAG eine Woche. Rüeblimärt, Maienzug-Vorabend, «Musig i de Altstadt» sind weitere Markthalle-Nutzer. Zu wenige zur falschen Zeit, um Frequenzen in die Altstadt zu bringen? Die Detailhändler sind überzeugt, dass dem so ist.

Abbrechen oder stehen lassen? Auf jeden Fall anders und besser nutzen. Damit das möglich ist, braucht die Markthalle wohl auch bauliche Veränderungen. Die Verglasung des offenen oberen Teils war im Einwohnerrat schon einmal vorgeschlagen – und verworfen worden. Es braucht aber so oder so (sehr) gute Konzepte, um die Barriere zwischen Graben und Altstadt zu überwinden.