Aarau

«Eine Oxer-Eröffnung vor 2019 ist unrealistisch»

Carlo Mettauer beim Eingang zum Fabrik-Palast, der im KiFF untergemietet ist.Hubert Keller

Carlo Mettauer beim Eingang zum Fabrik-Palast, der im KiFF untergemietet ist.Hubert Keller

Reithalle, Stadtmuseum, KiFF, Kulturpreis: Der Aarauer Stadtrat Carlo Mettauer spricht über die Kultur-Baustellen in der Stadt – und über das Spardiktat, das derzeit die Kulturschaffenden verunsichert.

Die Aargauer Bühne in der Alten Reithalle «Oxer» wird frühestens 2019 eröffnet, die Standortfrage für das Kulturhaus KiFF in der ehemaligen Futterfabrik ist in der Schwebe, der Kulturkalender wurde dem Spardiktat geopfert. Die Kulturschaffenden in Aarau sind verunsichert. Der für die Kultur verantwortliche Stadtrat Carlo Mettauer stellte sich den Fragen und relativiert in der Angelegenheit «Oxer»: «Eine Inbetriebnahme vor 2019 wäre unabhängig von irgendwelchen Sparzwängen unrealistisch.»


Der «Oxer» soll, wie Sie am Kulturapéro vor wenigen Wochen erklärt haben, 2019 eröffnet werden. Damit verzögert sich der ursprüngliche Fahrplan um ganze drei Jahre.

Carlo Mettauer:Das stimmt. Im Rahmen der Stabilisierungsmassnahmen, den Finanzhaushalt der Stadt betreffend, haben wir das Projekt Oxer um zwei Jahre hinausgeschoben. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass das ursprüngliche Zeitprogramm so oder so nicht hätte eingehalten werden können. Eine Inbetriebnahme im Jahr 2019 ist realistisch und trotzdem müssen wir uns sputen.

Mit dem Architekturwettbewerb für den Umbau der denkmalgeschützten alten Reithalle ist der Startschuss gemacht. Das Siegerprojekt überzeugt. Also könnte man doch jetzt vorwärts machen.

Wir machen vorwärts. Aber erst im 2014 wird das Vorprojekt vorliegen. Dann wird der Einwohnerrat über Projekt und Kostenrahmen befinden. Frühestens im 2015 kann es zur Volksabstimmung kommen. Allenfalls muss für das Areal der Zonenplan angepasst werden. Und auch das Baubewilligungsverfahren kann ja Überraschungen mit zeitlichen Verzögerungen bringen. 2019 ist realistisch.

Mit der Produktion Canto Amor der Compagnie Flamencos en route ist die erste Saison der Zwischennutzung der Alten Reithalle beendet worden. Wird die Zwischennutzung weitergeführt? Auch sie ist ja mit Kosten verbunden.

Am Stadtrat liegt es nicht. Im Budget 2013 ist der Beitrag der Stadt in der Höhe von 47500 Franken eingestellt. Und auch der Beitrag des Kantons dürfte kaum infrage gestellt sein. Ich anerkenne die gute Arbeit, welche die Interessensgemeinschaft T.u.T. Tanz und Theater in der ersten Saison der Zwischennutzung geleistet hat. Im Bereich Infrastruktur und Sicherheitstechnik sind aber Anpassungen nötig, die Geldmittel beanspruchen.

Aus Gründen der Sicherheit sind während der Zwischennutzung der Alten Reithalle nur 200 Besucher zugelassen. Doch 200 Besucher muss man auch erst gewinnen.

Alle Produktionen verzeichneten erfreulichen Publikumserfolg. Meines Wissens war die Platzbelegung über alle Veranstaltung bei über 90 Prozent.

Wie schätzen Sie das Siegerprojekt für die Aargauer Bühne in der Reithalle ein?

Positiv finde ich, dass es flexible Nutzungen und unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen zulässt. Das Konzept verbaut nichts im Hinblick auf die künftige Entwicklung der Umgebung der Reithalle.

Ein anderes Dauerthema des Ressorts Kultur ist das KiFF. Der Vertrag mit dem Eigentümer der Liegenschaften läuft bis 2015. Ist das Standortproblem des KiFF also nur auf die lange Bank geschoben?

Mit dem Eigentümer, Gregor Kunath, haben wir vor wenigen Wochen ein sehr konstruktives Gespräch über die Zukunft des KiFF in der ehemaligen Futterfabrik führen können. Herr Kunath, so mein Eindruck, steht dem KiFF sehr aufgeschlossen gegenüber und kann sich eine langfristige Lösung, wie sie Stadtrat und KiFF-Vorstand anstreben, vorstellen. Es ist durchaus denkbar, dass Räumlichkeiten des KiFF in eine künftige Arealentwicklung integriert werden können. Eine nachhaltige Lösung, die Investitionen auslöst, ist mit einer jeweils um ein Jahr verlängerten Miete ab 2015 nicht opportun.

Und unterdessen fährt der Zug im Gebiet Torfeld Nord ab…

Die Rickenbach'schen Fabriken, sprich Kaserne, gehören dem Bund und werden vom Kanton genutzt. Aufseiten des Bundes bewegt sich gegenwärtig nichts. Das Torfeld Nord ist auch weiterhin eine Standortoption für das KiFF und andere kulturelle Angebote. Im Torfeld Nord ist ein verträgliches Nebeneinander verschiedener betrieblicher Nutzungen, zum Beispiel Kultur und Verwaltung, durchaus möglich.

Ende März 2013 muss Georgios Antoniadis die Disco Kettenbrücke schliessen. In einem Interview mit der Aargauer Zeitung hat er dem Stadtrat mangelndes Engagement bei der Suche nach Ersatzlokalitäten vorgehalten.

Mit der Neubesetzung der Wirtschaftsfachstelle hat auch Herr Antoniadis wieder eine Anlaufstelle.

Von den vielen Baustellen im Kulturbereich scheint einzig der Neubau des Stadtmuseums Schlössli auf Kurs.

Der Eindruck täuscht. Der Schlössli-Umbau hat eine 20-jährigen Vorlaufzeit. Die Gesellschaft Förderung Stadtmuseum Schlössli ist vor eben diesen 20 Jahren mit dem Ziel des Neubaus gegründet worden. Am Freitag, 19. Oktober, darf sie übrigens endlich die Grundsteinlegung feiern. Ich darf auch daran erinnern, dass wir uns mit den Einsprachen anderthalb Jahre herumschlagen mussten. Solche Projekte, vor allem im Kulturbereich, brauchen Geduld und Zeit. Nun freuen wir uns auf die Inbetriebnahme im Sommer 2014.

Der Kulturkalender und der Kulturpreis sind dem Spardiktat zum Opfer gefallen. Gibt es zum Kalender Alternativen?

Die Kulturstelle prüft Möglichkeiten, wie man das kulturelle Angebot, das bis anhin mit periodischen Flyern und Plakaten vermittelt wurde, via Internet adäquat und benutzerfreundlich publizieren kann. Dass der Kulturpreis ausgesetzt wird, muss nicht schaden. Und er ist deswegen ja nicht auf ewig vom Tisch.

Wie schätzen Sie das kulturelle Angebot der Stadt ein?

Als ausserordentlich vielfältig und spannend. Denken Sie nur an das One-minute-Festival, an Geschichten in der Altstadt, an all das, was im KuK passiert, an «Musig i de Altstadt», an die lebendige Jazzszene, an Jazzaar, ein Anlass mit nationaler Ausstrahlung. Aber auch an Stadtbibliothek, Forum Schlossplatz und all das, was die vielen Vereine uns bieten. Ich könnte die Liste um viele wichtige kulturelle Angebote verlängern.

Täuscht das Gefühl, dass das KuK nicht richtig ausgelastet ist? Dass noch mehr Veranstaltungen mit grösserer öffentlicher Ausstrahlung darin stattfinden könnten?

Ganz sicher ist das KuK nicht zu wenig ausgelastet. 394 Aktivitäten finden das Jahr über darin statt, zu je einem Drittel sind es kulturelle Aktivitäten, Kongresse sowie gesellschaftliche Veranstaltungen. Leider ist es so, dass sich viele Vereine die Miete des KuK nicht leisten können. Und dennoch darf man nicht ausser acht lassen, dass das KuK die Stadt pro Jahr über eine halbe Million kostet.

Wie weit ist das Kulturkonzept gediehen, das Sie sich analog zum Sportkonzept vorgenommen haben?

Anfang September hat die Startsitzung stattgefunden. Wir haben uns vorgenommen, die Arbeit zügig voranzutreiben. Sobald die Vorarbeiten gemacht sind, sollen die Kulturschaffenden eingebunden werden. Das kann in Form einer Konferenz stattfinden, wie wir sie erfolgreich auch für die Altstadtentwicklung eingesetzt haben.

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