Suhr/Hunzenschwil
Eine neue Pfarrerin mit Sprengkraft – «ich bin aber gar nicht so unkonventionell in der Kirche»

Nica Spreng (45), neu in die Reformierte Kirche Suhr-Hunzenschwil gewählt, ist professionelle Beraterin von CEOs. Aber zuerst nimmt sich Spreng eine Auszeit.

Daniel Vizentini
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Sie will sich auch aktiv im Dorf engagieren: die neue Pfarrerin Nica Spreng (45).

Sie will sich auch aktiv im Dorf engagieren: die neue Pfarrerin Nica Spreng (45).

Marilena Iuliano/zvg

Dass sie den Rahmen sprengt, hört sie immer wieder: Nica Spreng, die letzten sieben Jahre reformierte Pfarrerin in Meisterschwanden und ab April die neue Pfarrerin in der Kirchgemeinde von Hunzenschwil und Suhr. Vor wenigen Tagen wurde ihre Wahl bestätigt. Vorgestellt wurde die 45-Jährige bis anhin als «Frau mit dem gefährlichen Nachnamen» oder «Problemlöserin mit Sprengkraft». Solche Wortspiele benützt oft auch sie: Als Ergänzung zu ihrem Beruf als Pfarrerin berät sie seit Jahren Führungskräfte in ihrer Einzelfirma «Sprengsätze», wirbt dort etwa mit «Mut, Einschränkendes zu sprengen», Dinge aus einem anderen Blickpunkt zu sehen und so aufzublühen.

Die Wortspiele haben Witz, sind einprägend und machen neugierig. Doch: Wer ist Nica Spreng eigentlich und wie funktioniert sie gleichzeitig als Coach von Geschäftsleuten aus der Wirtschaft wie auch als Pfarrerin einer lokalen Kirche?

Sprengkraft ja, aber kein loser Sprengsatz

Als Nica Spreng 2013 ihre erste Predigt in Meisterschwanden hielt, überzeugte sie gleich auf Anhieb mit Offenheit und Lebensnähe. «Die Kirche muss gesellschaftsrelevant sein», erklärte sie danach. Sie wolle lösungsorientierte Ansätze finden, um den Menschen bei ihren Herausforderungen zu helfen.

Gewisse Rahmen seien durchaus gut

Nötige Sprengkraft hat die freundliche und lebendige Pfarrerin. Doch lediglich ein loser Sprengsatz, der unbedacht mit allen Konventionen brechen will, ist sie überhaupt nicht: Sie will zwar neue, originelle Dinge anreissen, betont aber, dass sie zuerst Vertrauen aufbauen will und vor allem überhaupt erst mal schauen muss, was von der Kirch- und auch den politischen Gemeinden Hunzenschwil und Suhr erwünscht ist. Diese Art vorzugehen merkt man auch im Gespräch mit ihr, wo sie stets zuerst bedacht zuhört, sich dann um eine klare Antwort bemüht und dazwischen immer wieder auflockernd lacht.

Sprengen ihre Gottesdienste überhaupt so fest den Rahmen? Nica Spreng beschwichtigt: «Es gibt immer wieder Leute, die mir sagen, dass ich Dinge von einer anderen Perspektive aus beleuchte. Ich bin aber gar nicht so unkonventionell in der Kirche.» Gewisse Rahmen seien auch durchaus gut, «dann gibt es gar nichts zu sprengen».

Suchte Begegnungen mit Menschen, die nicht in der Kirche sind

Was sie in Meisterschwan­den aber anders gemacht hat und je nach dem auch gerne in Hunzenschwil anreissen will, ist ein direktes Engagement im Dorf: Als es etwa darum ging, einen Spielplatz zu realisieren, packte sie unverlangt mit an. «Man könnte meinen, dies liegt nicht im Verantwortungsbereich einer Pfarrerin. Ich fand es aber wichtig, dass es im Dorf Platz gibt für die Kinder, deshalb habe ich mich dafür eingesetzt», sagt sie. Überraschend für viele waren auch ihre Werktagsgottesdienste: Nica Spreng führte Gottesdienste in lokalen Firmen zusammen mit deren Geschäftsführern, mit der Feuerwehr oder mit Förstern im Wald. Sie suchte regelmässig die Begegnung mit Menschen, die am Sonntag nicht in der Kirche zu finden sind.

Herausgefordert, zielorientiert und «zackig unterwegs»

«Mir ist wichtig, dass wir uns als Kirche nicht nur um die älteren Menschen kümmern, sondern auch Menschen besuchen, die mitten im Arbeitsalltag stehen, Verantwortungen tragen und meistens auch sehr viel Druck.» Damit schlägt sie auch die Brücke zu ihrer Coachingfirma, wo sie Chefs von KMU oder dem Gesundheitswesen aus einer Krise hilft oder mit ihnen Strategien entwickelt. Führungskräfte seien herausgefordert, zielorientiert und «zackig unterwegs», sagt Nica Spreng. «So wie auch ich.»

«Ich freue mich neue Dinge auszuprobieren»

Ihre beiden Berufsstränge sind also durchaus ähnlich, ergänzen sich und sorgen bei ihr für einen Ausgleich. «Ich habe schon neben dem Theologiestudium immer gearbeitet und wollte auch jetzt mit einem Fuss im alltäglichen Arbeitsleben verankert bleiben.» Aufgewachsen und ausgebildet im Bernbiet, arbeitete sie später in Deutschland, hatte Freiwilligeneinsätze in christlichen Organisationen in Asien, kam zurück nach Bern und ging später nach Meisterschwanden.

Geplant waren dort vier Jahre, nach sieben packt sie nun die neue Herausforderung in Hunzenschwil und Suhr an. «Mich hat das Stelleninserat angesprochen: Gesucht war eine kontaktfreudige Person, die generationenübergreifende Projekte und die Kirche mit neuen Ansätzen mitentwickelt.» Das wird man von ihr erwarten können. «Ich freue mich auf diese grüne Wiese, um neue Dinge auszuprobieren», sagt sie.

Die reformierte Pfarrerin geht zehn Tage ins Kloster

Zuerst nimmt sich Nica Spreng eine Auszeit. Und ihre erste Station sprengt bereits den Rahmen: Sie verbringt ab Donnerstag zehn Tage in einem Kloster. Eine reformierte Pfarrerin in einer katholischen Institution? «Das ist gar nicht so aussergewöhnlich», sagt sie. «Mir ist es wichtig, mich auch mit mir selbst auseinanderzusetzen und mein Tun auf Gott und die Bibel auszurichten.» Ein Kloster sei ein Inbegriff von Rückzugsmöglichkeit und abgeschirmt sein von der Aussenwelt. «Das wirkt wunderbar inspirierend.»

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