Ihr sei es egal, ob das Publikum jung oder alt sei, sagte Irene Näf-Kuhn, ausgebildete Pianistin und seit vielen Jahren Klavierlehrerin an der Neuen Kantonschule Aarau, im Interview mit der az vom 15. 8. Und so füllten am Sonntag Jung und Alt das neue Atelier von inmusic an der Schönenwerderstrasse 42.

Das Atelier, die Pianolounge, ist kein üblicher Konzertsaal. Da gibt es Sitzbänke aus einem Festzelt, die ausgediente Bestuhlung eines Gemeindesaals, Sofas und Hocker, dazu kleine Tische und eine Bar. Nichts scheint zusammenzupassen, und gerade deshalb passt es.

Der Gast, der wiederkommt

Irene Näf begrüsst alle Gäste persönlich, freut sich über alle, die da sind, Kinder, Ehepaare, Rentnerinnen und Rentner. Alle Besucher werden zu feinen Häppchen und Getränken eingeladen. Man fühlt sich wohl in der Pianolounge, und genau so soll es sein. Irene Näf kennt wohl die bekannte Gastronomie-Regel: Der beste Gast ist jener, der wiederkommt. Dass die Premieren-Besucher nicht zum letzten Mal dagewesen sind, ist mehr als gewiss.

Irene Näfs Begrüssungsworte sind echt, herzlich. Die vielen Anwesenden, die längst nicht alle einen Sitzplatz finden, fühlen sich willkommen. Auch Stadtpräsidentin Jolanda Urech und Nationalrätin Ruth Humbel sind da, und der Aargauer Komponist Martin Schlumpf, von dem zwei Werke auf dem Programm der inmusic-Premiere stehen.

Ein zentrales Anliegen von inmusic ist, Plattform für junge Pianisten zu sein. Pianisten haben es besonders schwer, in der Musikszene Fuss zu fassen. Anders als andere Instrumentalisten stehen ihnen nicht viele Wege offen: Entweder werden sie Solisten oder Kammermusiker, oder aber sie verdienen ihren Lebensunterhalt als Musiklehrer. Im Orchester braucht es sie ganz selten, und für eine Solo-Karriere braucht es mehr als grosses Talent. So ist jede Chance, die sich den jungen Tastenvirtuosen bietet, willkommen.

Aufstrebende Musikerinnen

Der erste Anlass von inmusic war geprägt durch die erst 16-jährige Sophie Halma aus Gränichen, Kantonsschülerin in Aarau, Klavierschülerin von Tomas Dratva und Oliver Schnyder, Gewinnerin des ersten Preises im Schweizer Jugendmusik-Wettbewerb 2015. Sie hatte ein Programm mit bekannten Werken aus Barock und Romantik zusammengestellt, eroberte die Herzen des Publikums mit technisch brillantem Spiel. Der Start ist gelungen. Es wird spannend sein, den künstlerischen Weg von Sophie Halma zu beobachten und zu begleiten.

An Stelle des an einer Sehnenentzündung leidenden Yanick Lohner trat dann Kathrin Schmidlin aus Möhlin auf, mit einem überaus anspruchsvollen Programm: Leos Janacek, Johannes Brahms und, wie erwähnt, Martin Schlumpf. Schmidlin hat eben ihre Masterprüfung bei Wolfgang Manz in Nürnberg abgelegt. Bei ihr kommt zur technischen eine überzeugende künstlerische Reife. Martin Schlumpf zeigte sich von der Interpretation seiner Werke hoch erfreut, zu Recht.