Aarau

Eine neue Kamera fotografiert Verkehrssünder – und ist ein Goldesel

Die Kamera am Zollrain. nro

Die Kamera am Zollrain. nro

Auf dem Zollrain herrscht Fahrverbot, doch viele Autofahrer halten sich nicht daran. Deshalb hat die Polizei nun im Auftrag der Stadt eine Kamera installiert. Diese hält pro Tag bis zu 30 illegale Durchfahrten auf acht Bildern pro Sekunde fest.

Hundert Franken soll Silvia Müller, Inhaberin des Musikhauses «Zum Notenschlüssel» in Aarau der Stadt zahlen. Hundert Franken dafür, dass sie mit ihrem Auto durch den Zollrain gefahren sein soll, wo Fahrverbot für Autos herrscht.

Eine Kamera hat die Fahrt festgehalten. «Das war ich aber nicht», sagt Silvia Müller. «Das Auto hat ein Mitarbeiter gefahren. Wir haben unsere Angestellten extra darauf hingewiesen, dass am Zollrain Fahrverbot herrscht – also muss er die Busse selber berappen.»

Gleich zweimal erwischt

Damit ist Müllers Angestellter nicht alleine: Einigen Aarauern flatterte in den letzten Tagen ein ähnlicher Brief ins Haus. Die az hat Kenntnis von einer Automobilistin, die sogar gleich zweimal hintereinander beim verbotenen Fahren auf dem Zollrain fotografiert wurde.

«Wir verzeichnen zwischen 20 und 30 illegale Durchfahrten pro Tag», sagt Daniel Ringier, Chef der Stadtpolizei Aarau. «Das Fahrverbot besteht schon seit sieben Jahren. Im März dieses Jahres haben wir eine Kamera installiert – das haben Stadtrat und Einwohnerrat so entschieden.»

Die Massnahme sei nötig geworden, weil zu viele Autofahrer das Fahrverbot missachtet hätten, sagt Ringier. Die Stadtpolizei könne den Zollrain nicht rund um die Uhr von Personal überwachen lassen. Jeder Autofahrer werde pro Durchfahrt mit hundert Franken gebüsst, auch im Wiederholungsfall.

«Ich bin überzeugt, dass die Kamera nun ihre Wirkung erzielen wird und der Zollrain bedeutend weniger durchfahren wird», so der Polizeichef.

Bis dahin fliesst viel Geld in die Stadtkasse: Allein im Monat April dürften Bussen für rund 70'000 Franken ausgestellt worden sein.

Stadträtin Regina Jäggi (SVP) hofft wie Ringier auf die präventive Wirkung der Kamera: «Weil sich so viele nicht an das Fahrverbot gehalten haben, sind gefährliche Situationen entstanden. Vor allem Velofahrer und Fussgänger rechnen ja nicht damit, dass ihnen ein Auto entgegen kommt.»

Nur der Bus hat freie Fahrt

Silvia Müller und ihr Mann Daniel finden es richtig, dass die Stadt jetzt Kameras gegen die Falschfahrer einsetzt: «Das Stimmvolk hat Ja gesagt zu einer verkehrsfreien Altstadt. Ich begrüsse, dass das konsequent umgesetzt wird», meint Daniel Müller.

Er hat – wie viele Geschäftsinhaber in der Altstadt – eine Sonderbewilligung für Zubringerdienste, dank der er mit seinem Transportauto zu bestimmten Zeiten die Altstadtstrassen befahren darf.

Doch der Zollrain ist auch für Müller tabu. Einzig der öffentliche Bus und der nichtmotorisierte Verkehr haben dort freie Fahrt. Feuerwehr und Polizei dürfen die Strasse im Notfall zwar befahren, müssen sich laut Stadträtin Jäggi aber mittels Horn und Blaulicht bemerkbar machen.

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