Aarau
Eine Kunstmalerin geht unter die Lyriker

Die bildende Künstlerin Marianne Büttiker hat ein poetisches Buch über Aarau geschrieben – eine Stadt, die ihr zufolge ständig verschwindet und wieder auftaucht.

Bastian Heiniger
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Die Aare ist ein zentrales Motiv in Marianne Büttikers Erstling. Bastian Heiniger

Die Aare ist ein zentrales Motiv in Marianne Büttikers Erstling. Bastian Heiniger

Anfangs schrieb sie nur Katalogtexte für ihre Ausstellungen. Denn eigentlich ist Marianne Büttiker eine bildende Künstlerin. Und weil ihre Kunst abstrakt ist, braucht sie die Sprache als Brücke zwischen Bild und Betrachter. Aus ebendiesen Texten ist nun ein Büchlein entstanden: «Kein Schiff wird hier je landen». Ein poetischer Text über Aarau – ihr literarisches Debüt. Dieses wird die frischgebackene Schriftstellerin am 4. September um
19 Uhr in der Buchhandlung Kronengasse vorstellen.

Auf die Idee zu dem Buch kam Marianne Büttiker 2012, als sie auf dem Alpenzeiger sass und auf Aarau herunterschaute. Aus der Stille heraus sei ihr der Gedanke gekommen, ihre bereits vorhandenen Texte über Aarau auszubauen. Damals hatte sie eine Ausstellung mit Bildern, in denen sie sich mit den verschiedenen Quartieren Aaraus auseinandersetzte. Mit Stift und Notizblock zog sie dann los, streifte durch die verschiedenen Quartiere, notierte, was ihr dabei einfiel und was sie empfand. Beim Philosophenweg etwa habe sie sich gesagt, dass eigentlich die Philosophen fehlten. Sie malte sich aus, wie diese dort über die Zeitlosigkeit sprechen würden. Oder: Am Rosengartenweg ständen sich ja Friedhof und Häuser direkt gegenüber.

Da habe sie sich überlegt, dass nachts die Toten und Lebendigen eigentlich nebeneinanderlägen. Dieser Gedanke ergab folgende Passage: «Am Ende und am Anfang scheint alles schon gedacht und beschrieben. Nur dort, wo die Ahnen ruhen, ist keine Grenze gezogen. Die Lebenden kümmern die Toten weniger und doch liegen ihre Gärten Seite an Seite.» Auf diese Weise hat Büttiker die markanten Orte Aaraus in einer Textfuge vereint: vom Graben bis zu den Meyerschen Stollen, von der Stadtbibliothek bis zum Wildpark Roggenhausen.

Jeder Ort ist zudem mit einem Foto bebildert. Im Zentrum des Textes steht jedoch die Aare mit ihrer Beständigkeit. Und auch der Nebel. Er führe dazu, dass Aarau immer wieder verschwinde und auftauche. Ein Wechselspiel, das sie fasziniert.

Ihr literarisches Vorbild sei Paul Celan – ein Lyriker, der in seinem berühmten Gedicht «Todesfuge» versucht, das Unfassbare des Holocaust zur Sprache zu bringen. Gewiss bewege sie sich thematisch in ganz anderen Gefilden, die Herangehensweise aber sei ähnlich. «Ich versuche beim Schreiben das fassbar zu machen, was mich berührt oder bewegt», sagt Büttiker. Beim nächsten Projekt werde sie wieder ähnlich durch eine Stadt ziehen. Denn für die kommende Ausstellung in Basel ist ebenfalls ein Buch geplant.

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