Aarau
Eine Kantischülerin inszeniert im Film Wahnvorstellungen

Bettina Setz dreht im Rahmen ihrer Maturaarbeit in Aarau den Kurzfilm «Der Aufprall». Monatelang hat sich die 18-Jährige auf den Dreh vorbereitet.

Markus Christen
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Jungregisseurin Bettina Setz (links) verfolgt die Dreharbeiten.

Jungregisseurin Bettina Setz (links) verfolgt die Dreharbeiten.

Markus Christen

Es gibt diesen Moment der Verdichtung, der höchsten Konzentration, der knisternden Spannung. Die Klappe ist gefallen. Das Schauspiel wird sich gleich in Bewegung setzen. In diesem beinahe atemlosen Moment, in dieser Stille scheint, unausgesprochen, der Prozess des Filmedrehens zitiert zu werden.

Die monatelange Vorbereitungszeit bis zum ersten Drehtag. Der grosse Aufwand, der nötig ist, um eine kurze Szene optimal auszuleuchten. Eine Ahnung davon, wie die zu drehende Szene, wie der fertige Film aussehen kann. All dies verdichtet sich zu diesem kurzen Moment des Stillstands.

«Wir erzeugen eine grosse Illusion»

Bettina Setz (18) aus Veltheim leitet diesen Moment ein. «Action!», ruft sie – und das Schauspiel kann beginnen. Der Kommissar will von einem Ehepaar wissen, was es an einem bestimmten Abend getan hat. Die Eheleute wirken verstört und unsicher. Der Kommissar trinkt Kaffee. Einen Schluck, vielleicht zwei im fertigen Film. Mindestens zwei volle Tassen während der Dreharbeiten. «Das ist es, was wir hier machen», sagt Setz, «wir erzeugen eine grosse Illusion.»

Die Jungregisseurin dreht bereits ihren vierten Kurzfilm. Sie schreibt an der Alten Kantonsschule Aarau an ihrer Maturaarbeit, welche der Frage nachgeht, wie Wahnvorstellungen im Film inszeniert werden. Dabei hatte sie die Idee, im Rahmen der Maturaarbeit einen an dieser Frage orientierten Film zu realisieren. Entstehen wird ein rund 15-Minuten langer Thriller mit dem Titel «Der Aufprall». Bettina Setz zeichnet verantwortlich für das Drehbuch, die Regie, die Produktion, den Schnitt und die Musik. Mit professionellem Equipment unterstützt wird sie von einer Produktionsfirma aus der Schweiz. Geplant ist, den Kurzfilm bei diversen nationalen und internationalen Festivals einzureichen.

Die Idee kam im Schwimmbad

Sechs Monate dauerten allein die Vorbereitungsarbeiten. Die Idee zum Film, so erzählt Bettina Setz, kam ihr als sie mit der Schulklasse das Schwimmbad besuchte und das Geschehen beim Sprungbrett beobachtete. «Ich hatte plötzlich ein bestimmtes Bild im Kopf und konnte gleich die ersten Drehbuchsätze formulieren.»

14 Jungdarsteller und Jungdarstellerinnen im Alter von zehn bis siebzehn Jahren wirken in «Der Aufprall» mit. Gesucht und gefunden wurden sie über eine Ausschreibung im Internet. «Dann haben wir mit ihnen geprobt», so Bettina Setz, «um einen Eindruck zu gewinnen. So wollten wir möglichen Unvorhersehbarkeiten beim Dreh vorbeugen.»

Die Hauptrollen im Kurzfilm werden von professionellen Darstellern gespielt. Michael Schweizer Anliker, Tamara Maria Kler, Eleanor Buechler, Christian Govetosa und Stefan Kollmuss haben sich bereit erklärt, unentgeltlich beim Projekt mitzuwirken. So auch die professionellen Mitglieder der Filmcrew.

Halber Drehtag, 30 Sekunden Film

Das Realisieren eines Filmes ist sehr aufwändig. Für eine einzelne Szene, und sei sie auch noch so kurz, müssen Kamera, Ton, Licht optimal installiert werden. Und dann will man die Szene aus verschiedenen Perspektiven abfilmen, wofür jeweils das gesamte Equipment wieder neu ausgerichtet werden muss. Für eine Szene, die im fertigen Film rund 30 Sekunden dauern wird, hat Bettina Setz im Terrassenbad in Baden sechs Stunden lang gedreht.

Im Vorfeld müssen Schauplätze ausgesucht werden. Während der langen Drehtage müssen die Schauspieler und die Crew verpflegt werden. Dabei kann die Jungregisseurin auf die Unterstützung ihrer Eltern und Bekannten zählen, die den Produktionsprozess aktiv begleiten und unterstützen.

Setz überlegt sich, nach der Kantonsschule eine Filmhochschule zu besuchen. Mit der Vorbereitung darauf hat sie schon lange begonnen.

Weitere Informationen zum Film unter: www.facebook.com/DerAufprall

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