Als Holzfäller aktiv ist der Biber vor allem im Winter, wenn er auf der Suche nach nährstoffreichem Futter ist. Jetzt, auf dem Frühlingsspaziergang, sind seine Spuren gut, zu sehen, wo die Ufer noch nicht von der Vegetation verdeckt sind.

Zwischen Biberstein und Auenstein gibts eine Stelle, an der eindrücklich sichtbar wird, wozu die Nager imstande sind. Hier am Südufer der Aare haben die Tiere gegen ein Dutzend Bäume angenagt oder gefällt – und zwar nicht nur die dünnen Stämmchen.

Einige Bäume werden angeknabbert und müssen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Einige Bäume werden angeknabbert und müssen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Manch eine der Weiden, an denen sich der Biber diesen Winter gütlich getan hat, hat einen Durchmesser von über 50 Zentimetern und dürfte gut und gerne 70 Jahre alt sein, wie der Rupperswiler Förster Max Senn auf Anfrage sagt.

Eine ganze Familie am Werk

Hat es entlang der Aare bald keine alten Bäume mehr, wenn das so weiter geht? «Es werden tatsächlich immer weniger», so Senn. Das tue ihm schon leid, denn die Baumriesen seien nicht nur schön anzusehen, sie hätten auch eine wichtige ökologische Funktion – seien sie doch Heimat unzähliger Insektenarten und würden vielen anderen Tieren, zum Beispiel Vögeln, Nahrung und Schutz bieten. Darum mache es sicher Sinn, in Zukunft einzelne, erhaltenswerte Bäume mit einem Gitter zu schützen. Auf der Aareinsel bei Rupperswil etwa hat er bereits eine schöne, alte Weidengruppe bibersicher gemacht.

Auch beim Kanton behält man die Situation im Auge. Im Moment lässt man den Biber grösstenteils machen. Gemäss Hans Döbeli von der Jagdverwaltung besteht kein Grund, als Vorsichtsmassnahme alle dicken Bäume entlang der Aare einzugittern.

«Wenn der Biber einen alten Baum fällt, schafft er auch Platz und Licht für neue Pflanzen», so Döbeli. «So kommt er zum Jungholz, das er gerne frisst, hilft aber auch, dass lichtbedürftige Arten einen Platz haben.»

Die Spuren an der Aare östlich von Biberstein zeigen: es war nicht nur der Biber am Werk. Der Forst hat nachgeholfen. «Aus Sicherheitsgründen», sagt Max Senn. Manch angenagter Baum habe gefällt werden müssen, weil er gefährlich über den Spazierweg ragte.

«Wir fällen keine Bäume prophylaktisch», so der Rupperswiler Förster. Die, die gegen die Aare hinausragen, lassen wir stehen, bis sie von alleine umfallen.» Schliesslich könne so ein dicker Baum trotz Nagerschaden noch zwei, drei Jahre weiterleben – und der Biber im nächsten Winter dran weiterarbeiten.

Hier an der Aare fällt der Biber die Bäume nicht, um das Gewässer zu stauen, sondern um an die Rinde und die frischen Zweige und Knospen heranzukommen. Ab etwa Ende März stellt er seine Holzfälleraktivitäten grösstenteils ein, dann findet er genügend Pflanzen im und am Wasser.

Hier war kein Einzeltier am Werk. Förster Max Senn schätzt aufgrund von Beobachtungen, dass es sich um zwei Elterntiere mit ihren letzt- und vorletztjährigen Jungen handelt. Also um sechs bis acht Tiere.

«Alle Reviere besetzt»

Die Jungbiber bleiben in den ersten Jahren bei der Familie – gemäss einer neuen, norwegisch-österreichischen Studie im Schnitt bis sie drei bis vier Jahre alt sind. Nachher suchen sie sich ein eigenes Territorium. «Die Reviere entlang der Aare sind alle besetzt», sagt Hans Döbeli.

Längst haben die Biber darum die Seitenbäche in der Region erobert: Aabach, Suhre, Wyna, Wigger. Selbst in kleinen Gewässern, wie seit neuestem im Rupperswiler Dorfbach, versuchen sich die Jungspunde einzurichten – mit entsprechendem Konfliktpotenzial. Wie viele es sind, wird derzeit mittels eines Monitorings beim Kanton ermittelt. Die Resultate sind gegen Herbst zu erwarten.