Ostumfahrung Suhr

«Eine Firma ist in einer Stau-Region nicht gleich attraktiv wie andernorts»

Hans-Peter Zehnder, Vorsitzender der IG Ostumfahrung Suhr und CEO der Zehnder Group AG, steht an der belasteten der Hauptstrasse in Gränichen.

Hans-Peter Zehnder, Vorsitzender der IG Ostumfahrung Suhr und CEO der Zehnder Group AG, steht an der belasteten der Hauptstrasse in Gränichen.

Betroffene Firmen wollen eine Studie machen, um die Auswirkungen des Staus in Suhr aufzuzeigen. Hans-Peter Zehnder von der IG Ostumfahrung Suhr erklärt, wie sich der Stau negativ für Unternehmen auswirkt.

Im März haben sich zehn Firmen im Suhrental zur IG Ostumfahrung Suhr zusammengeschlossen. Sie beschäftigen total rund 1500 Mitarbeiter im Wynen- und Suhrental. Die Initiative, dem gemeinsamen Anliegen mit einer IG mehr Kraft zu verleihen, ging damals von Verwaltungsratspräsident Rudolf Obrecht der Pfister Arco Holding AG aus, der Hans-Peter Zehnder, Präsident des Verwaltungsrats der Zehnder Group AG, anrief und mit ihm beriet, was zu tun sei, um die Ostumfahrung vorwärtszutreiben. Denn das Möbelgeschäft Pfister leidet besonders unter dem Stau. Das Projekt besteht seit 15 Jahren, für die Umsetzung gab es schon verschiedene Anläufe. Zum Vorsitzenden der IG wurde Hans-Peter Zehnder ernannt.

Herr Zehnder, stehen Sie selbst oft im Stau vor Suhr?

Hans-Peter Zehnder: Immer wenn ich nach Aarau muss oder zum Flughafen. Ich wohne Gott sei Dank in Meisterschwanden und komme von Süden nach Gränichen. An manchen Tagen staut sich der Verkehr aber schon bei Bleien, dann sind auch diese 500 Meter mühsam.

Was sagen Ihre Mitarbeiter zur Verkehrssituation?

Nur 14 Prozent unserer 300 Mitarbeiter wohnen in Gränichen und total 30 Prozent im Wynental. Die übrigen 70 Prozent müssen sich täglich so organisieren, dass sie am Stau vorbeikommen. Ein Mitarbeiter aus Winterthur muss um 5.30 Uhr abfahren. Einer aus Wil SG noch früher. Es ist aber auch für unsere Lieferanten mühsam. Die Lastwagen stehen zwischen Aarau und Gränichen im Stau.

Ostumfahrung Suhr.

Ostumfahrung Suhr.

Schadet der Stau Ihrer Firma wirklich?

Ja, nicht nur unserem Unternehmen, sondern allen anderen auch, denn wenn ein Lieferant länger im Stau steht, muss er mehr Zeit einberechnen.

Das ist eher sein Nachteil.

Nein, unserer. Die längere Anfahrtszeit berechnet der Lieferant in seinen Tarifen ein und wälzt sie auf den Kunden ab. Ausserdem ist auch die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes für die Angestellten ein Kriterium. Eine Firma in einer Stau-Region ist nicht gleich attraktiv wie eine, die bessere Anschlüsse hat.

Aber es ist kein Absagegrund, wenn Leute, die sich für einen Job bei Ihnen interessieren, vom Stau erfahren?

Nein, das nicht gerade. Mit der Zeit geht es den Leuten aber auf die Nerven und es zehrt an der Lebensqualität.

Zügeln die Leute nicht vermehrt ins Tal, wegen der mühsamen Anfahrt?

Wie gesagt kommen 70 Prozent von auswärts. Die Leute können oder wollen nicht immer flexibel sein. Familien sind an den Schulort gebunden und auch sonst sind die Leute oft in der Heimatgemeinde verwurzelt.

Sie haben im März gesagt, Unternehmen müssten sich bezüglich des Standorts Gränichen Alternativen überlegen, falls in absehbarer Zeit die Ostumfahrung Suhr nicht konkret werde. Würde Ihre Firma tatsächlich wegziehen oder wollten Sie mit dieser Drohung bloss Druck machen?

Das ist keine Drohung. Die Zehnder- Gruppe ist seit 120 Jahren in Gränichen, wir wollen hier noch mal so lange bleiben. Es ist ein wichtiger Standort für unsere Gruppe, den wir nicht aufgeben. Aber die Frage ist, ob Firmen in Zukunft hier ausbauen oder an anderen Orten investieren sollen, wenn die Verkehrssituation so schwierig bleibt.

Was sagen die anderen Mitglieder der IG dazu?

Die Nachteile wegen des Nadelöhrs in Suhr beschäftigen auch sie und sie machen sich Gedanken über den Standort.

Wie will die IG das Projekt Ostumfahrung vorwärtstreiben?

Wir fanden es nötig, dass sich das Gewerbe, der Handel und die Industrie zu einem Sprachrohr formieren, um aufzuzeigen, welche Auswirkungen der Stau auf die Wirtschaft hat. Die IG soll nicht nur bei den zehn jetzigen Mitgliedern bleiben, sondern alle in der Region einbeziehen, auch kleinere Unternehmen und Privatpersonen. Aus diesem Grund wollen wir in Kürze die IG in einen Verein überführen.

Und was will der tun?

Wir werden den Dialog mit der Regierung suchen und dazu Fakten vorlegen. Dazu wollen wir im Herbst eine neutrale Studie vorlegen, welche die ökonomischen und ökologischen Folgen des Staus aufzeigt.

Falls die Ostumfahrung kommt, fordern Sie dann auch noch die südliche Umfahrung von Suhr mit Halbanschluss an die Autobahn?

Wir fokussieren uns auf das Projekt Ostumfahrung. Uns ist wichtig, dass nicht irgendwann, sondern 2018 mit dem Bau begonnen wird.

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