Wer durch den Aarauer Kasinogarten bummelt, ahnt wohl nicht, welch technisches Wunderwerk ein paar Meter weiter unten aus Grundwasser Energie produziert. Die Anlage ist zwar seit dem vergangenen Herbst erfolgreich in Betrieb, die offizielle Einweihung des ersten Wärmeverbundes auf städtischem Gebiet aber fand erst am Samstag statt. Aarau ist damit auf dem besten Weg, die oft zitierte «Energiewende» konkret umzusetzen. «Der Wärmeverbund Kasino ist der erste in der Schweiz, der nicht nur Wärme, sondern auch konsequent Kälte an die Kunden liefert», betonte Hans-Kaspar Scherrer, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der IBAarau AG, vor einer grossen Gästeschar.

Zustrom über Fluchtstollen

Weil der Aareraum über grosse Ressourcen an Grundwasser verfügt, kann diesem mit Wärmepumpen Energie entzogen und in das Netz eingespeist werden. Der Zustrom erfolgt über einen ehemaligen Fluchtstollen, die Anlage selbst konnte in der ehemaligen Zivilschutzanlage im dritten Untergeschoss des Kasino-Parkings platziert werden. Angeschlossen an den ersten Verbund sind unter anderem das erweiterte Stadtmuseum, das Haus zum Schlossgarten oder das künftige Hotel Kettenbrücke.

Dem Werk unter dem Kasinopark sollen weitere folgen. Bereits im Bau ist das Fernwärmenetz Torfeld, das noch im laufenden Jahr in Betrieb genommen werden kann. Bis 2018 sorgen weitere Anlagen im Schachen, in der Telli, in den Goldern und Kantonsspital dafür, dass laut Hans-Kaspar Scherrer «bei vollem Ausbau ein Viertel der heute benötigten Wärme für die Stadt Aarau über erneuerbare Energieträger produziert werden kann».

Urech erfreut über Meilenstein

Hoch erfreut über diesen «Meilenstein» zeigte sich Stadtpräsidentin Jolanda Urech. Damit könne der Auftrag des im März 2012 vom Volk angenommenen Gegenvorschlags zur Energie-Initiative und der vom Stadtrat beschlossene Energieplan etappenweise umgesetzt werden. «Möglich ist dies dank einem innovativen Partner, der nicht nur dem wirtschaftlichen, sondern auch dem ökologischen Aspekt der Versorgung Rechnung trägt», sagte Urech an die Adresse der IBAarau AG, deren Verwaltungsrat sie selber präsidiert. Nicht mit leeren Händen nach Aarau gekommen ist an diesem besonderen Tag der Aargauer Energieminister. Regierungsrat Stephan Attiger lobte die «Effizienz und nachhaltige Entwicklung» der Aarauer Energieversorgung und überreichte der IBAarau AG einen Förderbeitrag in der Höhe von genau 378 728 Franken.

Kamin-Streit noch nicht vom Tisch

Noch nicht ganz vom Tisch ist der Streit um die Doppelkamin-Anlage, die ursprünglich am östlichen Rand des Kasinoparks geplant war. Die IBAarau AG hat den Entscheid der Regierung gegen eine Baubewilligung an das Verwaltungsgericht weitergezogen, um den «Spagat der Interessen zwischen Energie-, Umweltpolitik und Denkmalschutz zu testen».

Die umstrittene Lüftungsanlage konnte dank dem Aarauer Kinobesitzer an einem andern Standort doch noch rechtzeitig erstellt werden. Rolf Portmann wurde für sein Entgegenkommen von Hans-Kaspar Scherrer zum ersten Mitglied des Fanklubs Fernwärme Aarau ernannt.