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Eine Erlinsbacherin auf Tauchgang nach antiken Schätzen

Die Erlinsbacherin Marion Soltermann war während sieben Jahren in Griechenland als Tauchexpertin bei griechischen Ausgrabungen dabei. Holzfragmente von versunkenen Schiffen in Händen zu halten, gibt ihr ein unbeschreibliches Gefühl.

Carolin Frei
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Die Erlinsbacherin (links) bei Unterwasserarbeiten im Mittelmeer. ho

Die Erlinsbacherin (links) bei Unterwasserarbeiten im Mittelmeer. ho

«Gegenstände und Holzfragmente versunkener Schiffe auszugraben und dann in Händen zu halten, ist ein Gefühl, das ich nicht in Worte fassen kann», sagt Marion Soltermann. Noch jetzt glänzen die Augen der 49-jährigen Erlinsbacherin, wenn sie davon spricht, wie sie solche Ausgrabungen begleitet hat. Nicht als Geschichtswissenschafterin, sondern in ihrer Funktion als Tauchexpertin.

«Als ich 1993 der Liebe wegen nach Griechenland zog, habe ich auch meinen Traum vom Tauchen verwirklicht», sagt sie. Nach einer Woche sei sie schon stolze Besitzerin des ersten Tauchbrevets gewesen. Weitere folgten, bis hin zur Ausbildung als Tauchlehrerin. Bei dieser Tätigkeit sei sie mit Archäologen in Kontakt gekommen, die bei ihr tauchen lernten. Spontan sagte sie zu, als sie gefragt wurde, ob sie die Ausgrabung des vor etwa 4000 Jahren gesunkenen Schiffs bzw. dessen Überreste vor der Insel Kreta begleiten möchte.

Marion Soltermann mit Tauchpartner Derek Irvin

Marion Soltermann mit Tauchpartner Derek Irvin

«Ich arbeitete zu dieser Zeit hauptberuflich als selbstständige Podologin, konnte es mir aber während ein paar Wochen im Sommer einrichten, zur Crew zu stossen.» Es blieb nicht bei diesem einen Einsatz – sieben Jahre lang förderte das 16-köpfige Expertenteam Fundgegenstände zutage. Einiges an Krügen und kleinen Schiffsteilen konnte so für die griechischen Museen gerettet werden. Gesponsert wurde diese Aktion, wie die meisten Ausgrabungen, nicht vom griechischen Staat, sondern von ausländischen Interessengruppen.

Die Schatzsuche ist Teamarbeit

«Genauso wie bei Grabungen zu Lande wird auch über dem Fundort auf dem Meeresgrund ein Raster gezogen. Und auch unter Wasser wird alles minutiös ausgemessen, beschriftet und fotografiert», sagt die Tauchexpertin. Morgens seien jeweils die Arbeiten auf dem eigens für Ausgrabungen ausgerüsteten Schiff zugeteilt worden. Getaucht wurde in Zweierteams. «40 Minuten hatten wir pro Tauchgang Zeit, um den Sand beim georteten Gegenstand von Hand wegzuwedeln oder erst den gröberen Schutt mit dem «Staubsauger» aufs Schiff zu befördern.

Auf Deck wurde der Schutt fein säuberlich gesiebt, um aus Versehen eingesaugte Fundstücke herauszufiltern. «Alle Arbeiten unter Wasser konnten vom restlichen Team via Monitor verfolgt werden.» Nicht nur das Tauchen nach versunkenen «Schätzen» habe sie an dieser Arbeit fasziniert, sondern auch die Teamarbeit. «Man konnte sich auf jeden in der Crew absolut verlassen. Denn Fehler dürfen nicht passieren.»

Abzug aus dem maroden Griechenland

Obwohl diese Geschichte nach der Erfüllung sämtlicher Träume klingt, hat Marion Soltermann vor zwei Jahren ihre Zelte in Griechenland abgebrochen. «Je länger, je mehr schwinden die Perspektiven in diesem Land – für junge Menschen erst recht. Ich wollte meinen beiden Kindern eine Zukunft bieten und habe mich deshalb schweren Herzens entschlossen, in die Schweiz zurückzukehren.» Der Anfang sei für alle, vor allem aber für die damals 16-jährige Tochter und den 14-jährigen Sohn, nicht einfach gewesen.

Bilanz nach zwei Jahren: Ihre Tochter besucht die Kanti, ihr Sohn beginnt eine Lehre als Polymechaniker und Marion Soltermann konnte ein Podologiegeschäft in Aarau übernehmen. Trotz dieser rosigen Zukunftsaussichten bleibt ein Traum: «Ich wünschte mir, wieder einen Sommer lang an Ausgrabungen in Griechenland teilzunehmen.» Nicht nur, weil ihr die antiken Schätze am Herzen liegen, sondern auch, weil sie sich zusammen mit verschiedenen Organisationen für den Erhalt und Schutz der Meere und deren Bewohner einsetzt.