Reformierte
Eine einzige Kirchgemeinde in der Region verzeichnet wachsende Mitgliederzahlen

Wie steht es um die reformierten Kirchgemeinden in den Regionen Aarau, Lenzburg-Seetal und Wynental-Suhrental? Ein Überblick.

Nadja Rohner
Merken
Drucken
Teilen
In der Schöftler Kirche wird nicht nur konzertiert, sondern auch oft geheiratet.

In der Schöftler Kirche wird nicht nur konzertiert, sondern auch oft geheiratet.

az

Die Reformierten verlieren seit Jahren Mitglieder. Auch in unserer Region. Aber nicht überall ist der Mitgliederschwund gleich stark. Die az hat die Mitgliederzahlen der Jahre 2005 und 2015 verglichen (2016 noch nicht verfügbar). Es zeigt sich: Im Erscheinungsgebiet dieser Zeitung gibt es bloss eine einzige Kirchgemeinde, die in diesem Zeitraum gewachsen ist: Meisterschwanden-Fahrwangen.

2015 zählte sie 2292 Mitglieder, das sind vier Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Ein Geheimrezept gegen Mitgliederschwund hat aber auch diese Kirchgemeinde nicht. Der Zuwachs liege ganz einfach an den demografischen Veränderungen, sagt Pfarrer Philipp Nanz, der seit 1991 in der Kirchgemeinde Meisterschwanden-Fahrwangen arbeitet. «Wir haben einen Bauboom erlebt, und viele der Neuzuzüger sind reformiert. Am markantesten ist die Veränderung wohl in Sarmenstorf. Vor 50 Jahren gab es dort etwa drei reformierte Familien. Heute machen die Reformierten dort zwanzig Prozent der Bevölkerung aus.»

Gontenschwil: minus 25 Prozent

Moderate Mitgliederverluste unter 5 Prozent verzeichnen die Kirchgemeinden Ammerswil, Kirchberg (Biberstein und Küttigen), Lenzburg-Hendschiken, Rupperswil und Schöftland. 15 Prozent und mehr sind es in Suhr-Hunzenschwil, Rued, Reinach-Leimbach, Othmarsingen, Oberentfelden, Niederlenz, Menziken-Burg, Leutwil-Dürrenäsch, Kulm, Kölliken, Densbüren und Gontenschwil.

Mit fast 26 Prozent weniger Mitgliedern steht Gontenschwil am schlechtesten da, gefolgt von Rued (minus 23,5 Prozent) und Leutwil-Dürrenäsch (minus 23 Prozent). Im Schnitt haben die reformierten Aargauer Kirchgemeinden rund 10 Prozent ihrer Mitglieder verloren.

Geheiratet wird auswärts

Wie sehr sich Menschen mit der Kirche verbunden fühlen, zeigt sich auch darin, ob sie kirchlich heiraten oder ihre Kinder taufen lassen. Beides sogenannte «kirchliche Handlungen», die man – im Gegensatz vielleicht zu Bestattungen – freiwillig unternimmt.

Auch hier gibt es Statistiken für jede einzelne Kirchgemeinde. Deren Interpretation ist aber nur eingeschränkt möglich. Erstens, weil die Zahlen zu gering und zu schwankend sind für eindeutige Aussagen. Zweitens, weil sich ein Paar aussuchen kann, in welcher Kirche es getraut wird oder wo es seine Kinder taufen lässt. Und oftmals entscheidet da nicht nur, welcher Kirchgemeinde man sich zugehörig fühlt, sondern auch die Infrastruktur. Insbesondere bei Hochzeiten. Die Kirche soll innen und aussen hübsch sein, gerade die richtige Grösse haben für die Hochzeitsgesellschaft – die Stadtkirche Aarau ist beispielsweise für viele zu gross –, ausserdem sollte es draussen genug Platz haben für einen ersten Apéro. Das Tüpfelchen auf dem «i» ist dann noch eine schöne Umgebung.

Beliebteste Hochzeitskirchen

Das alles gibt es offenbar in Schöftland – hier wurden 2015 am meisten Paare getraut. 13 waren es. Die Location ist praktisch, weil gleich nebenan im Schloss ein offizielles standesamtliches Trauzimmer liegt. Auf Platz zwei landet die Kirchgemeinde Seengen mit 10 Trauungen. Mit den Kirchen Egliswil und Seengen gibt es hier gleich zwei schöne Gebäude. Beliebt ist auch das Heiraten in den Kirchen Gränichen und Meisterschwanden. Die Kirchen auf den Hügeln – auf dem Kirchberg (Küttigen/Biberstein), dem Suhrerkopf (Suhr-Hunzenschwil) und auf dem Staufberg – sind ebenfalls oft Schauplatz von Hochzeiten. Dafür rühren die Aargauer Landeskirchen übrigens auch die Werbetrommel: Sie sind seit drei Jahren an den hiesigen Hochzeitsmessen präsent, um Paare auf das Angebot einer kirchlichen Trauung aufmerksam zu machen.

Uerkheim ist tauffreudig

Bei der Taufe lässt sich eine interessante Tendenz beobachten: Zwar haben in den letzten Jahren fast alle Kirchgemeinden Mitglieder verloren und führen an den meisten Orten auch weniger Taufen durch. Doch sinken die Taufzahlen vielerorts weniger stark als die Mitgliederzahlen. Gontenschwil, das den stärksten Mitgliederschwund verzeichnet, hatte im Jahr 2015 beispielsweise doppelt so viele Taufen (15) wie im 2005 (7). Auch in Buchs-Rohr gab es einen deutlichen Anstieg von 15 auf 27 Taufen.

Betrachtet man das Verhältnis Täuflinge zu Gemeindemitgliedern, wird eindeutig in Uerkheim am meisten getauft. 2015 kam hier ein Taufkind auf 69 Gemeindemitglieder. Vorne dabei sind hier auch die Kirchgemeinden Staufberg (1 auf 84) und Seengen (1 auf 92). Am wenigsten getauft wurde 2015 offenbar in Reinach-Leimbach (1 Taufkind auf 414 Gemeindemitglieder), in Leutwil-Dürrenäsch (1 auf 346) und in Unterentfelden (1 auf 344).