Aarau

Eine der letzten Verkehrskanzeln der Schweiz geht in Pension

Roger Siegrist ist einer derjenigen, die auf dem Aargauerplatz dafür sorgen, dass auf Aaraus Strassen auch während der Rush Hour kein Chaos ausbricht. Jetzt soll «seine» Kanzel auf dem Knotenpunkt einem Kreisel weichen.

Roger Siegrist ist wehmütig. Im Sommer wird seine Verkehrskanzel dem Kreiseltrend zum Opfer fallen. Baumaschinen werden die Kanzel abtransportieren und ein grosses Rund an ihre Stelle zementieren.

Über zwei Jahre lang wird er dann auf dem Aargauerplatz gewunken und gerufen haben – etwa wenn ein Auto unberechtigterweise über den Platz rauschen wollte. «Da kann man drauf gehen, dass das Auto keine Aargauer Nummer hat. Denn die Aargauer, die wissen noch, wies funktioniert.»

«Bei meinem ersten Einsatz war innert Minuten die ganze Stadt verstopft»

Den anderen scheint das Bewusstsein für Verkehrspolizisten abhanden gekommen – sie übersehen sie ganz einfach, meint Siegrist. Eine der letzten Kanzeln in der Schweiz sei es. «Bis vor kurzem gab es zwar noch eine in Biel, aber die ist jetzt auch verschwunden.» Eine weitere kennt er nicht.

«Verkehrspolizist» ist übrigens nicht ganz richtig: Die Stadt hat den Dienst in der Kanzel zu Securitas ausgelagert. Die korrekte Berufsbezeichnung Roger Siegrists ist deshalb auch nicht «Verkehrspolizist», sondern «Verkehrsdienstspezist», wie Siegrists Chef Siegfrid Wagner erklärt.

Einer der letzten Tage der Aarauer Verkehrskanzel

Verkehrskanzel

Als Siegrist das erste Mal in der Kanzel stand, war nach zehn Minuten die gesamte Stadt verstopft – nichts ging mehr: «Ich habe zwar richtig gewunken, war aber viel zu langsam». Ein Stadtpolizist ist kurz eingesprungen – und hat gezeigt, wie es geht. Nach nur fünf Minuten lief der Verkehr wieder flüssig.

«Ich kann mir nicht vorstellen, wie an dieser Stelle ein Kreisel funktionieren soll»

Heute versteht Siegrist das Dirigentenspiel mit den Autos, die sich um ihn herum morgens in die Stadt schlängeln und abends wieder raus wollen. Den Veränderungen steht er kritisch gegenüber. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie an dieser Stelle ein Kreisel funktionieren soll», fängt er an.

Das Problem sei, dass die Autofahrer während Stosszeiten viel Rücksicht füreinander werden aufbringen müssen, soll der Verkehr flüssig bleiben. Denn in Rush Hours ist vor allem die Bahnhofstrasse permanent voll.

Staut sich der Verkehr bis zum Kreisel, bleiben diejenigen Autofahrer, die ebenfalls in die Bahnhofstrasse wollen, auf dem Kreisel stehen und blockieren so sämtliche Richtungen, erklärt er. «Ein weiteres Problem sind die Fussgänger. Kommen viele auf einmal, wie beispielsweise Schüler, können diese vom Verkehrspolizisten vor dem Fussgängerstreifen gesammelt und alle auf einmal über die Strasse geschickt werden.»

Ohne den Dirigenten würden sie die Fussgängerstreifen hingegen eher tropfenweise überqueren und den Verkehr so zusätzlich ins Stocken bringen, führt Siegrist aus. Wie es klappt, wird sich spätestens zeigen, wenn bis im kommenden Sommer ein Kreiselprovisorium auf dem Platz errichtet ist.

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