Das betretene Gesicht, das Gemeinderat Thomas Kaspar machte, verriet das Resultat schon, bevor er tief Luft holte und sagte: «Sie haben das Gesuch mit 51 Ja zu 88 Nein abgelehnt.» Die Küttiger Stimmbürger hatten soeben einem Mann und seinen vier Kindern die Einbürgerung verweigert.

Der Vater (47), irakischer Staatsangehöriger, wohnt seit 2001 in der Schweiz, seit 2007 in Rombach und bezieht nach einem Unfall eine IV-Rente. Wie seine Kinder (8, 6, 4 und 3) erfüllt er die Einbürgerungskriterien. Aber den Küttigern war nicht entgangen, dass im Gmeinds-Büechli von der Mutter und Ehefrau nicht die Rede war. Nicht namentlich zumindest – vorne, in der Einleitung, steht: «Einer Person musste nahe gelegt werden, ihr Gesuch zurückzuziehen, weil die sprachlichen Voraussetzungen nicht ausreichend erfüllt und die Motivation und der Wille zur Erlangung des Schweizer Bürgerrechts zu wenig spürbar waren.» Kurz: Die Mutter, eine Hausfrau, kann kaum Deutsch, obwohl sie seit zehn Jahren in der Schweiz lebt.

"Wissen, dass Vater und Kinder Bedingungen erfüllen"

Das hatte bereits im Vorfeld der Gmeind für Diskussionen gesorgt. Am Abend dann trat Beat Schneider, Präsident der FDP Küttigen, vor die Stimmbürger. «Wir haben den Antrag lange und ernsthaft diskutiert», sagte er. Grundsätzlich freue sich die FDP, wenn Ausländer mit der Einbürgerung den «letzten und wichtigen Schritt zur Integration» machten. Aber dieses Gesuch lehne die FDP ab. «Das fällt uns nicht leicht. Wir stehen für eine konsequente und faire Einbürgerungspolitik ein. Und wir wissen auch, dass der Vater und die Kinder die Bedingungen eigentlich erfüllen.» Das Fehlen der Mutter sei aber inakzeptabel. «Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind entscheidende Faktoren der Integration. Und ausgerechnet die Mutter als Dreh- und Angelpunkt kann und darf diesen Integrationsschritt noch nicht machen.»

Sie sei also von Mann und Kindern abhängig. «Wir fordern Frau A. herzlich auf, Deutsch zu lernen. Ihr Mann soll sie dabei unterstützen. Und wir wünschen uns, dass die ganze Familie in naher Zukunft wieder ein Einbürgerungsgesuch stellt. Miteinander und gleichberechtigt sind sie bei uns willkommen.»

Daniel Wehrli (SVP), Mitglied des Grossen Rates und dessen Einbürgerungskommission, gab zu beddenken: «Die Familie hat vier Kinder. Gerade im Bereich Schule ist es enorm wichtig, dass die Mutter sich mitteilen kann.» SP-Präsidentin Marianne Schmid vermutete, eine Mutter mit kleinen Kindern werde zu beschäftigt sein, um Deutsch zu lernen. «Wir verlangen eine heile Welt von ihnen, die wir Schweizer oft auch nicht haben.» Zudem sei sie überzeugt, dass die Einbürgerung zur Integration führe. Doch vergeblich: Die Küttiger folgten der Argumentation des bürgerlichen Lagers. 37 Stimmen machten den Unterschied.

Gemeinderat Thomas Kaspar verliess den Saal direkt nach der Abstimmung gemeinsam mit dem Vater und seinen Kindern, die alle an der Gmeind erschienen waren. «Ich habe ihm kurz erklärt, dass die Küttiger nichts gegen ihn persönlich haben», sagte Kaspar gestern zur az. Der Mann habe Verständnis gezeigt. «Nächste Woche werde ich mich nochmals mit der Familie treffen und ihnen das weitere Vorgehen erklärten. Entweder können sie Rekurs führen – oder das Gesuch später noch einmal stellen, wenn die Frau Deutsch gelernt hat. Das werde ich ihnen raten und sie dabei unterstützen. Und dann nehme ich die Küttiger beim Wort – wobei ich nicht daran zweifle, dass sie beim nächsten Mal Ja sagen, wenn die Frau mitmacht.»

Bereits 2003 haben die Küttiger zwei Einbürgerungsgesuche von Ehemännern mit Kindern, aber ohne die jeweiligen Mütter, abgelehnt. Beide Entscheide wurden von den Gesuchstellern akzeptiert.