Aarau

Ein zweites Leben für Laborflaschen und eine Klinik aus Zündhölzil

Eine Ausstellung in der Hirslanden Klinik Aarau zeigt, was die Mitarbeiter in ihrer Freizeit gerne machen. Manche brauchen dafür eine Woche Ferien, andere sieben Jahre Geduld.

Der Eingangsbereich der Hirslanden Klinik ist reich mit Kunst geschmückt. Was an sich nicht verwunderlich ist, hat seit vergangenem Freitag einen ganz besonderen Hintergrund: Zum 30-Jahr-Jubiläum habe man sich dazu entschieden, die treibende Kraft hinter der Klinik in den Vordergrund zu stellen – und zwar die Mitarbeiter und Ärzte, wie Philipp Lenz Leiter Kommunikation an der Vernissage erklärte. Sie wurden dazu aufgerufen, ihre Kunstwerke einzureichen, um sie in der Hirslanden Klinik zu präsentieren. Das Resultat ist eine Ausstellung mit Werken von zehn Mitarbeitern, die in den unterschiedlichsten Abteilungen der Klinik beschäftigt sind.

«Anderes Bild zeigen»

Genau diese Diversität war es auch, die erreicht werden sollte, wie der Klinikdirektor Markus Meier in seiner Ansprache sagte: «Mit der Ausstellung möchten wir ein anderes Bild von unseren Mitarbeiter zeigen. Die Menschen, die bei uns arbeiten, sind nicht nur in ihrem Berufsfeld kompetent, sie haben auch privat vielschichtige Begabungen. Dies möchten wir hier präsentieren.» Weiter sprach Klinikdirektor Meier davon, mit dieser Ausstellung die persönliche Atmosphäre der Hirslanden Klinik unterstreichen zu wollen. Diese sei, gepaart mit der Spitzenmedizin, das Erfolgsrezept der Klinik. Die Ausstellung solle auch ein Dank an die Mitarbeiter sein, welche für die gute Arbeit verantwortlich seien, so Meier weiter.

Bei einem Rundgang wird klar, was Meier in seiner Ansprache mit der Diversität gemeint hat. Die Objekte könnten unterschiedlicher nicht sein: Von Gemälden über Collagen und farbenfrohe Vasen, die früher einmal Laborgefässe waren; der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Und so vielfältig wie die Werke sind auch die Entstehungsgeschichten.

Es begann auf dem Bahnhofs-Bänkli

Da sind zum Beispiel die Steinskulpturen von Sportphysiotherapeut Reto Kost. Der 54-Jährige nimmt sich jeweils eine Woche frei, um von früh bis spät bei einem Steinmetz an seinen Skulpturen zu arbeiten. Für ihn, der auch im Job körperlicher Arbeit nachgeht, die perfekte Art abzuschalten: «Ich arbeite während einer Woche an einem Stein und sehe dabei, wie etwas daraus entsteht.»

Deutlich länger als eine Woche hat Abilio Pereira (57) für sein Werk gebraucht. Der gebürtige Portugiese hat während sieben Jahren den alten Aarauer Bahnhof mit Streichhölzern nachgebaut. In Sisyphusarbeit achtete er dabei auch auf die kleinsten Details: Die Fahrleitungen am alten WSB Bahnhof, die Toiletten und die Bänke, die früher vor dem Bahnhof standen – alles ist exakt an seinem Platz. Als Vorlage dienten ihm alleine seine Skizzen. Er zeigt in seinem Modell auf die Bank, auf der er kurz nach seiner Ankunft in der Schweiz immer gesessen hat, ausgerüstet mit Stift und Notizblock. Neben der Nachbildung des Aarauer Bahnhofs steht sein neues noch unfertiges Projekt: die Hirslanden Klinik. Seit letztem Jahr baut der Lagerungspfleger die Klinik Stück für Stück nach.

Die Kunstwerke der Mitarbeiter sind noch bis Ende Mai im Eingangsbereich der Hirslanden Klinik ausgestellt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1