Zentrum Aarau
Ein Vogel beflügelt die Fantasie: Die Aarauer Gänse sind zu nackt

Vielen Zentrum-Aarau-Mitgliedern fällt es schwer, die Osteraktions-Gänse «nackt» vor den Laden zu stellen.

Ueli Wild
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Ein Vogel ist echt – ansonsten eine veritable Installation mit Zentrum-Aarau-Gans vor dem «Küchenpunkt» in der Kronengasse.

Ein Vogel ist echt – ansonsten eine veritable Installation mit Zentrum-Aarau-Gans vor dem «Küchenpunkt» in der Kronengasse.

Ueli Wild

Mit den weissen Kunststoffgänsen, welche die Detaillistenvereinigung Zentrum Aarau nach den bemalten Riesenhasen zur Osterdekoration erkor, hat sie erneut einen Coup gelandet. Die knapp einen Meter grossen Figuren erfreuen sich grosser Beliebtheit – trotz anfänglichen Unkenrufen wie: «Was hat eine Gans mit Ostern zu tun?» Und ganz Pingelige stellten fest, «die sogenannten Gänse» ähnelten eher Laufenten. Die grosse Beliebtheit der Vögel ist inzwischen mit Händen zu greifen. Auch im eigentlichen Sinne des Wortes: Einige sind offenbar auf unerklärliche Weise verschwunden. Jene Gans, welche Angehörige der Schweizer Armee mitlaufen und in den Stadtbach plumpsen liessen, verschaffte dem Zentrum Aarau landesweite Aufmerksamkeit. Nachdem die Militärpolizei aktiv geworden war, schaffte es der Fall sogar in die nationalen Medien. Und da angesichts der eleganten weissen Federviecher auch Private auf den Geschmack kamen und manche Ladenbesitzer merkten, dass Einzeltierhaltung nicht das Gelbe vom Ei ist, mussten in Deutschland weitere 60 Exemplare nachbestellt werden. Die Sendung ist noch ausstehend.

Ein Gänse-zentrierter Stadtrundgang bestätigt es: Zum Schmunzeln sind die Gänse dann, wenn mehrere Exemplare zu einer Formation gruppiert werden. So zu sehen etwa an der Bahnhofstrasse bei Brillen Trotter, wo sie Drang zum Ladeneingang verspüren, oder am Graben bei «Helvetisch», wo sie dank hochgereckten Hälsen die Schaufensterauslagen beäugen. Diese Beispiele halten sich auch an die Vorgaben zur Gänseaktion. Im ersten Jahr, hiess es an der Generalversammlung des Zentrums, sollten sie weiss sein, im zweiten – beispielsweise mit Halstüchern – geschmückt und im dritten und letzten Jahr ihres Osteraktions-Daseins farbig bemalt, wie es die seligen Hasen waren.

Wärmender Wollepullover für den langen Hals beim «Kaufhaus zum Glück».

Wärmender Wollepullover für den langen Hals beim «Kaufhaus zum Glück».

Ueli Wild

«Unbotmässig geschmückt»

Dem Ideal der im ersten Lebensdrittel splitterfasernackten Gans leben freilich lange nicht alle Zentrumsmitglieder nach. «So eine rundum weisse Gans», meint denn auch ein Passant, «lädt doch förmlich zum Gestalten ein – so wie ein Malbuch mit Schwarz-weiss-Vorlagen, die auf die Farbstifte warten.» Dieses Warten – auf den zweiten Lebensabschnitt – dauert vielen Gänsehaltern zu lange. Schon dieses Jahr findet man in Aarau in Wahrheit schon zahlreiche Gänse, die mit einem Accessoire versehen wurden. Einzelne Gänse sind zu kommunen Werbeträgern avanciert. Schon fantasievoller: Vor der Wolle-Hochburg «Kaufhaus zum Glück» in der Metzgergasse trotzen sie der Bise mit «glismeten» Halswärmern. Zumeist aber wurden die «unbotmässig geschmückten» Gänse, einfach mit einem hübschen «Mäscheli» versehen. Eine Gans vor Christina Josts «Küchenpunkt» in der Kronengasse ist darüber hinaus Teil einer veritablen Installation, bestehend aus einem Nestchen aus künstlichem Grün und einer Bistro-Bestuhlung mit stilsicher zur roten Schleife assortieren Wasserkrügen. Einen revolutionären Anklang an 1798 hat die Schleife – im einstigen Revoluzzernest Aarau – bei den Gänsen von «aarau info»: Sie kommt als französische Tricolore daher.

Einen Schritt weiter gegangen ist der «Notenschlüssel» am Färberplatz. Er hat sein gefiedertes Flötenorchester gleich in den für den Herbst des Lebens geplanten Zustand versetzt und es bemalt: gelbe Schnäbel und Füsse, schwarze Augen. Eine einsame Gans in der Laurenzentorgasse erscheint auf den ersten Blick einen schwarzen Flügel aufgemalt bekommen zu haben. Doch nein: In der Flanke klafft schlicht ein dunkles Loch. Überhaupt sind offenbar einige Gänse entweder Dieben oder Unfällen zum Opfer gefallen.

Weitere Bestellung 2020?

Die mit der ersten Sendung angekommenen 100 Exemplare gehören dem Zentrum. Sie wurden den interessierten Mitgliedern zur Nutzung überlassen. Im Gegenzug müssen diese «ihre» Gänse das Jahr über hüten. Vielleicht auch nicht: Marianne Bolliger, die als Zentrums-Vorstandsmitglied das Gänsewesen in den Fingern hat, sagt, es gebe noch immer zahlreiche Interessenten für Gänse. Möglich deshalb, dass nach Ostern noch viele die Hand wechseln. Dann würde nächstes Jahr eine neue Wagenladung bestellt. So hat der Erfolg seinen Preis: Die Gänse machen mehr Arbeit als erwartet.