Louis Siegrist wurde in Schönenwerd geboren, wo er mit zwei Brüdern aufwuchs und die Schulen besuchte. Nach der obligatorischen Schulzeit, 1942, eröffnete ihm sein Vater Adolf, er müsse nicht wie er in den Bally-Schuhfabriken arbeiten, sondern dürfe eine Lehre absolvieren. Er müsse aber in der Gegend bleiben, damit er seiner Mutter Marie helfen und ihr beistehen könne. Es war mitten im Zweiten Weltkrieg, und der Vater musste Aktivdienst leisten.

So entschied sich Sohn Louis, eine Lehre als Bäcker/Patissier in Angriff zu nehmen, gleich auf der anderen Aareseite im damaligen Konsum in Niedergösgen. Nach Rekruten- und Unteroffiziersschule sowie beruflichen Abstechern nach Olten, Aarau, Reinach und auf die Rigi, wo er als Hotel-Patissier tätig war, folgten von 1951 bis 1956 weitere Oltner Berufsjahre im Tearoom; dort, wo heute das Hotel Astoria steht.

«Ich wolle es zu etwas bringen»

Bald war ihm klar geworden, dass er es in seinem Beruf zu etwas bringen wollte. Doch ein eigenes Geschäft kam nicht infrage. «Meine Frau wollte das nicht», bekennt Siegrist. Seine Frau Margrit heiratete er 1956; im selben Jahr, als sich ihm die Möglichkeit bot, bei der Wernli Biscuitfabrik AG in Trimbach einzutreten. «Ich habe zunächst alle einfachen Tätigkeiten verrichtet wie jeder andere Arbeiter auch», erzählt der 85-Jährige. Dass er drei Jahre zuvor heimlich an Abendkursen das Eidgenössische Meisterdiplom erworben hatte, wusste – ausser Direktor Fritz Wernli – in der Fabrik niemand.

Nur zwei Jahre nach seinem Firmeneintritt rückte er zum Vorarbeiter auf, und weitere drei Jahre später, als der damalige Werkmeister pensioniert wurde, trat er dessen Nachfolge an. «Damals hatten wir nebst einem normalen Ofen nur einen kleinen Hochfrequenz-Backofen.» Es war ein 8 Meter langer und 50 Zentimeter breiter Versuchsofen, in dem die Kekse getrocknet und mittels Infrarotstrahlung gebräunt wurden.

Strom für die Fernseher

«Um 20 Uhr mussten wir mit Backen aufhören, weil der Ofen zu viel Strom frass und die Leute in der Umgebung der Fabrik fernsehen wollten», erinnert sich Siegrist mit einem Schmunzeln. Damals arbeiteten 15 Bäcker und 50 bis 60 teilzeitbeschäftigte Trimbacher Hausfrauen in der Fabrik.

Über all die Jahre hinweg sei er viel mit der Suche nach geeigneten Produktionsmaschinen beschäftigt gewesen. «Wir wollten immer besser sein als die Konkurrenz», berichtet er und meint damit in erster Linie Kambly, aber auch die Migros, die sich in den 1970er- und 1980er-Jahren ebenfalls auf die Herstellung von Keksen zu spezialisieren begann.

Und um die Produktionskapazitäten abzufangen, wurde die Produktion zeitweilig ausgelagert, weil die Räumlichkeiten in Trimbach nicht mehr reichten; so nach Oensingen und Kölliken oder ins zürcherische Hegnau. Und Siegrist musste zwischen all diesen Orten hin und her reisen und nach dem Rechten schauen. Ein Einschnitt ergab sich Mitte der 1960er-Jahre, erzählt der ehemalige Produkte-Entwickler. Aus Baden konnte das Unternehmen einen 30 Meter langen Backofen übernehmen. «Das war die Geburtsstunde der Choco Petit Beurre», berichtet er.

Die Biscuits wurden in diesem Ofen gebacken, und die Schokoladeplättchen, welche durch eine Schokoladefabrik angeliefert worden waren, wurden mittels eines flüssigen Schokoladetropfens an den Biscuits festgeklebt.

«Dabei durften diese Tropfen nicht zu heiss sein, sonst wurden die Schokoladenplättchen grau», erläutert Siegrist eines der Details, auf die er zu achten hatte. Das Choco Petit Beurre ist wohl das bekannteste Wernli-Produkt, welches die Handschrift von Louis Siegrist trägt.

Der Entscheid für Trimbach

Zu Beginn der 1990er-Jahre, kurz vor seiner Pensionierung, war es eine seiner letzten Aufgaben, sämtliche Oulevay-Waffeln nach Trimbach zu holen. Damals habe sich das Unternehmen vor der Alternative gesehen, entweder eine neue Fabrik für Wernli und Oulevay gleichzeitig zu bauen oder aber das Unternehmen in Trimbach zu erweitern. Die Geschäftsleitung habe sich für Letzteres entschieden.

Im Ruhestand ist es Louis Siegrist, Vater einer erwachsenen Tochter, Yvonne, nie langweilig geworden. Zusammen mit Ehefrau Margrit hegt und pflegt er Haus und Garten. Und lange Zeit spielte der Sport in seinem Leben eine zentrale Rolle. Kunstturnen, Leichtathletik, Korbball, Landhockey, Schiesssport und vor allem Feldhandball haben seine Jugendjahre geprägt.

Nach der Pensionierung ist er diesbezüglich aktiv geblieben: Volksradtouren auf dem Velo, Langlauf und der Schiesssport haben es ihm bis vor kurzem angetan. «Ich hatte ein strenges, aber vielseitiges und schönes Leben, beruflich wie privat», resümiert er.