Das Morgengrauen war vorbei, der Rasen im Aarauer Schachen aber noch sehr feucht: Bei traumhaftem Wetter begannen am Donnerstag die ersten Wettkämpfe im Aarauer Schachen. Gymnastik. Vor allem eine Frauensache – mit einem Mann.

Das erste Wochenende des 76. Eidgenössischen Turnfestes (ETF) steht ganz im Zeichen der Einzelwettkämpfer und der Jugend. Von Ersteren werden 9000 erwartet, von Letzteren über 20'000. Insgesamt haben sich bis zum Mittwochabend 67'511 Personen für den grössten Breitensportanlass der Schweiz angemeldet.

Stunden, nachdem die ersten Sieger bereits feststanden, fand der erste offizielle Akt statt: die Übergabe der Zentralfahne. Ganz vergessen ging dabei nicht, dass Biel vor sechs Jahren (2013) ein stürmisches Fest war. «Ihr hattet es damals weiss Gott nicht einfach», erklärte Erwin Grossenbacher, Präsident des Schweizerischen Turnverbandes (STV) an die Adresse des damaligen OKs unter Leitung von Ständerat Hans Stöckli.

Alle Bilder vom ersten Turnfest-Tag:

Stöckli war am Morgen zusammen mit 24 Kollegen mit drei Heissluftballon angereist. Im Gepäck die Zentralfahne – und als Geschenk für die Aarauer zwei Fässchen mit je 20 Liter Wein. «14 Jahre lang habe ich mich mit diesem Sportfest auseinandergesetzt. Heute werden wir auf den Haufen der Geschichte geschoben», meinte Stöckli für die Übergabe der Fahne. Aus den Heissluftballons habe man gesehen, dass Aarau sehr gut auf das Fest vorbereitet sei. «Wir konnten uns überzeugen, dass es sich lohnt, das Aarewasser nach Aarau fliessen zu lassen.» Davon wäre am Wochenende fast zu viel gekommen. Die Aare führt nach den intensiven Pfingst-Niederschlägen zwar viel Wasser, aber das Fest war – anders als das Eidgenössische Turnfest vor 12 Jahren – nie gefährdet.

Eidgenössisches Turnfest: Empfang der Zentralfahne in Aarau

Eidgenössisches Turnfest: Empfang der Zentralfahne in Aarau

    

Und der Start am Donnerstag erfolgte bei traumhaftem Wetter. Die Aussichten für das Wochenende sind gut – und auch für das zweite, von der Anzahl Teilnehmer her wichtigere Wochenende (20. bis 23. Juni, mit dem grossen Festumzug mit Bundespräsident Ueli Maurer) sieht es nicht schlecht aus.

Aaraus Präsident Hanspeter Hilfiker freute sich, dass seine Stadt das Eidgenössische der Turner bereits zum siebten Mal austragen kann: «Die grösste Veranstaltung des Vereinswesens in der Schweiz.» Aarau erwartet insgesamt über 200'000 Besucher. Die Stadt ist stolz nach den Jodlern (2005), den Schwingern (2007), den Schützen (2010) und den Volksmusikanten (2015) jetzt auch die Turner begrüssen kann. Hilfiker erklärte in Anlehnung an das Festmotto: «Aarau möge die Schweiz bewegen.»

«Freude, aber auch Ehrfurcht» empfindet Sportdirektor Alex Hürzeler beim Empfang der Turnfestfahne

«Freude, aber auch Ehrfurcht» empfindet Sportdirektor Alex Hürzeler beim Empfang der Turnfestfahne

   

Ein Freiämter Fähnrich

Neuer Zentralfähnrich ist Josef «Sepp» Huwyler (69) aus Mühlau. Der Freiämter wird die Fahne in den nächsten sechs Jahren, bis zum Fest in Lausanne, durchs Land tragen. Er ist seit über 50 Jahren als Turner aktiv, war etwa Vize-Oberturner im Aargau.

Die Zentralfahne wurde durch die Stadt in den Schachen getragen, wo abends in der Arena die Eröffnungsfeier stattfand. Ruedi Hediger, Geschäftsführer des STV, erklärte die Veranstaltung als eröffnet und fügte gerade noch einen Superlativ dazu, als er «vom grössten Breitensportanlass der Welt» sprach. Steffi Buchser, Vizepräsidentin der Damenriege Effingen, sprach das Turnfestgelöbnis. Die Athleten wollen die Regeln respektieren und befolgen, ohne Doping und Drogen zu den Wettkämpfen antreten.

Die Bilder von den ersten Wettkämpfen am Donnerstag: