Aarau
Ein Tag der Emotionen auf der Pferderennbahn

Der sommerlich warme erste Renntag 2016 wurde von Unfällen in den Hindernisrennen überschattet

Ueli Wild
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Erster Renntag der Saison 2016 im Aarauer Schachen
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Pilgrim (rechts) und Algorithme sind im Cross Country voraus
Blingless (Julien Lemée) im Jagdrennen beim zweiten Tribünensprung
Obsession Bi (Loris Ferro, rechts), Sieger vor Saltimbanque
California English (Nadja Burger) geweinnt über 2000 m auf der Flachen
Einlauf: Blingless (Julien Lemée) gewinnt das Jagdrennen
Tribünensprung: Bebel (Aurélien Rousse) führte lange im Jagdrennen
Algorithme (Julien Lemée, rechts) gewinnt das Cross Country
Câline des Chaumes (Michelle Huber) gewinnt vor Bombastic Merle
Georgina (Celina Weber) gewinnt auf der Flachen über 2600 m
Das Feld im Jagdrennen, rechts der führende Bebel (Aurélien Rousse)
Obsession Bi (Loris Ferro, links) vor Saltimbanque
Top Boy (Adrian Burger) gewinnt das beste Trabrennen
Famous Boy (Claudia Koller) führt im Hürdenrennen vor dem späteren Sieger Be My Hope (Michael Huber)

Erster Renntag der Saison 2016 im Aarauer Schachen

Ueli Wild

Die angekündigte Protestaktion gegen Pferderennen blieb am ersten Renntag des Jahres im Schachen aus. Getrübt wurde die Stimmung unter den Aktiven und den rund 7500 Zuschauern aber durch schwere Zwischenfälle im Jagdrennen und im Cross Country. Das Hauptereignis im Galoppsektor, den Grossen Preis des Kantons Aargau, gewann Blingless mit Julien Lemée im Sattel, das beste Trabrennen des Tages ging an Top Boy mit seinem Trainer und Fahrer Adrian Burger.

Niemand wird im Ernst behaupten, das Hauptereignis des Tages, der Grosse Preis des Kantons Aargau mit einer Dotation von 25 000 Franken aus dem Sport-Toto-Fonds, sei ein schönes Rennen gewesen. Von sieben an den Start gegangenen Pferden erreichten nach 4200 Metern nur gerade vier das Ziel dieses Jagdrennens. Favorit Vicomte Alco brach sich ein Bein und Vivalko, der als Vierter ins Ziel kam, musste hinterher zu genaueren Abklärungen in die Tierklinik Niederlenz gebracht werden. Die Verletzung dürfte die Erklärung für das unerklärliche Nachlassen des Fuchses auf der letzten Gegenseite sein.

Beim zweiten Tribünensprung waren bereits zwei Pferde reiterlos geworden. Julien Lemée, der Reiter des nachmaligen Siegers Blingless, ging das Hindernis etwas resoluter an als die Konkurrenz an und suchte auf engem Raum einen Durchgang. Dadurch musste Vivalko abbremsen und sprang nicht sauber. Der nachrückende Papageno versuchte seitwärts auszuweichen und kollidierte bei der Landung mit Shaabek. Dessen Reiterin Claudia Koller aus Bottenwil, aber auch der Hindernischampion 2015, Raphael Lingg, mussten aus dem Sattel.

Sieger Blingless, wird von seiner in Aarau aufgewachsenen Besitzerin Claudia Schorno aus Stadel ZH selber trainiert. Das Duo Schorno/Lemée gewann auch das zunächst mit aufreizender Langsamkeit angegangene Cross Country. Vier von sechs Pferden kamen ins Ziel. Nulera blieb auf dem Wall stehen und Proportion Divine verletzte sich schwer – zu Fall gekommen wegen Problemen mit dem Sattel.

Top Boy im Trab-Hauptereignis

Emotionen gab es auch nach dem Zieleinlauf im höchstdotierten Trabrennen des Tages, wo sich Top Boy im Finish mit Adrian Burger im Sulky um drei Viertellängen gegen Ramuntcho Fleuri durchsetzte. Der neunjährige Hengst läuft jetzt in den Farben des Stalls Nyburg von Adrian und Sara Burger aus Winikon LU. Den Sieg widmeten die beiden, wie Sara Burger bei der Siegerehrung sagte, der Vorbesitzerin des Pferdes, der unlängst verstorbenen Aarauer «Falken»-Wirtin Verena Hauri. Trainiert hatte der Winiker Hufschmied den Dunkelbraunen schon, als er die Hauri-Farben trug.

Demo gegen Rennen abgeblasen

Die als Kuhglocken-Gegnerin bekannt gewordene Nancy Holten aus Gipf-Oberfrick hatte gegenüber dem Aargauischen Rennverein angekündigt, dass sie im Schachen gegen die Rennen demonstrieren und Flyer verteilen wolle. Die entsprechenden Flugblätter der deutschen Tierschutzgruppe Peta enthalten allerdings diverse Behauptungen, die nachweislich weit von der Rennsport-Realität in der Schweiz entfernt sind. So wird beispielsweise hierzulande Peitschenmissbrauch geahndet, das sogenannte Zungenfixieren ist verboten und auch in Sachen Doping gilt Nulltoleranz.

Jean-Pierre Kratzer, der Präsident des Schweizerischen Pferderennsportverbandes (SPV), hatte daher mit Schreiben vom 19. Mai gegenüber Holten klargemacht, dass sich der SPV vorbehalte, «bei Verbreitung des Flyers und/oder von falschen Aussagen» rechtliche Schritte einzuleiten». Dies wegen Verleumdung und übler Nachrede.

Die Polizei hatte Holten geraten, ausserhalb des Rennbahngeländes zu demonstrieren, um unnötige Provokationen zu vermeiden. Vor Wochenfrist war die Polizei schon eingeschritten, weil die Holländerin und der Direktor des Circus Royal wegen dessen Raubtiernummer aneinandergeraten waren. Aufgrund des eingeschriebenen Briefes von SPV-Präsident Kratzer verzichtete Nancy Holten gestern auf ihre Aktion, wie sie am Abend auf Anfrage der az bestätigte.

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