Ein grosses Absperrbanner hängt über dem Weg und warnt vor Holzschlag. Der Wegabschnitt im Buchwald zwischen Erlinsbach und Küttigen ist seit Ende Dezember gesperrt. Doch der eigentliche Grund für die Sperrung steht auf einem zweiten, kleineren Schild: «Stolleneinbruch – Achtung Lebensgefahr!».

Martin Blattner, angehender Betriebsleiter des Forstbetriebs Jura, fällte Ende Jahr mit seinem Personal Bäume im Buchwald. Bei der Arbeit entdeckte einer der Förster ein tiefes, mit Wasser gefülltes Loch am Wegrand. Weil die Grube eine Gefahr für Waldbesucher darstellte, sperrten die Förster den Wegabschnitt sofort ab. «Stellen Sie sich vor, ein Waldspaziergänger läuft im Dunkeln auf diesem Weg. Wenn man hier reinfällt, kommt man nicht so schnell wieder heraus», warnt Blattner.

Loch wird mit Kies gefüllt

Das Absperrbanner mit der Warnung vor dem Holzschlag hängt seitdem über dem Weg. In den nächsten Wochen füllt der Forstbetrieb Jura das Loch mit Kies auf. «Weil es in der Tiefe immer breiter wird, müssen wir den Hohlraum an der Oberfläche zuerst vergrössern, damit wir es vollständig mit Kies auffüllen können», erklärt Blattner.

Doch warum ist mitten im Wald plötzlich ein tiefes Loch entstanden? Schaut man sich im Wald um, fallen sofort die vielen kleinen und grossen Tümpel auf. «Diese wie auch das neue Loch sind vor Jahrzehnten wahrscheinlich durch Stolleneinbrüche entstanden», sagt Blattner.

Die Stollen im Untergrund des Buchwaldes stammen aus der Zeit zwischen 1500 und 1850, als im Buchwald Bohnerz abgebaut wurde. Blattner selbst hat keine genauere Informationen darüber. Die Gemeinde Erlinsbach ist zwar im Besitz einer Karte aus dem Jahre 1795 über die Bergwerke, darauf sind aber nur vier Schächte abgebildet (siehe Bild oben). Wie es im Untergrund aussieht, kann man auf der Karte nicht ablesen.

Bohnerzabbau ab 16. Jahrhundert

Informationen über die Erzgruben sind im Buch «100 Jahre Ersparnisgesellschaft Küttigen 1834–1934» zu finden: Das Bohnerz habe schon sehr früh zur Ausbeutung angelockt, steht da. Der Name «Rombach» lasse vermuten, dass es bereits den Römern bekannt war. Im Buch steht auch, wohin das Eisenerz gelangte: «Das Erz wurde in langen Trögen gewaschen, auf der Aare nach Albbruck geführt und dort in den St. Blasischen Schmelzöfen verhüttet.»

Zur Zeit der Berner Herrschaft existierten in diesem Gebiet drei Bergwerke: der Küttiger Stollen am Tannenbächli, das Reservebergwerk im Rombachtäli und der Erlachstollen gegen Erlinsbach. Letzterer alleine lieferte um das Jahr 1800 rund 40 000 Kübel Erz mit je ca. 90 Liter Fassungsvermögen. Als der Eisenstein dort langsam erschöpft war, eröffnete 1807 der berühmte Aarauer Industrielle Johann Rudolf Meyer ein viertes Bergwerk am Hungerberg.

Doch der Erfolg blieb wegen zunehmender «auswärtiger Konkurrenz» aus. Das Ende der Bergwerke auf dem Buchwald wird folgendermassen beschrieben: «Die Stützhölzer faulten und die Stollengänge stürzten ein. Nur Gräben und Schutthaufen sind die sichtbaren Zeugen unsres Bergbaues.» Wie die neusten Ereignisse zeigen, hat sich das bis heute nicht geändert.

Weil man den Verlauf der Stollen im Buchwald nicht kennt, könnt theoretisch jederzeit an einem anderen Ort wieder ein Loch entstehen. Förster Blattner hält dies aber für unwahrscheinlich: «Stolleneinstürze im Buchwald sind sehr selten, jahrelang ist nichts passiert.»