Aarau
Ein Selbstversuch mit Wildfremden, Spätzli und Klatsch und Tratsch

Zum ersten Mal fand am Freitagabend «Dine Aarau» statt: Fremde Leute aus der Region treffen sich für ein gemeinsames Znacht. Wir haben ausprobiert, wie es ist, an einer fremden Tür zu klingeln und sich mit Wildfremden an einen Tisch zu setzen.

Seraina Ummel
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Das Ergebnis einer mutigen Zusage: ein gutes Znacht, neue Freundschaften und viel Klatsch und Tratsch.

Das Ergebnis einer mutigen Zusage: ein gutes Znacht, neue Freundschaften und viel Klatsch und Tratsch.

Seraina Ummel

Die Schuhe klackern auf den Pflastersteinen, die spärlich beleuchtete Gasse ist menschenleer. Es ist Halloween und ich stehe in einem verwinkelten Gässchen der Aarauer Altstadt. Alleine. Hausnummer 15 hat es in der Nachricht geheissen, die tags zuvor verschickt wurde. Wer da zu Hause ist und wer sonst noch dort erscheinen wird, weiss ich nicht. Vor dem genannten Haus bleibe ich stehen und blicke die Fassade hoch. In diesem Haus kann nur jemand wohnen, der nett ist, denke ich mir, und drücke den Klingelknopf.

Eine junge Frau öffnet mir mit strahlendem Lächeln. Nina, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, in Socken und mit kunstvollen Ohrringen. Sie führt mich die enge Treppe zu ihrer Wohnung hoch, als es unten schon wieder klingelt. «Geh schon mal weiter, die anderen warten schon!», sagt sie und springt die Stufen wieder runter.

Viel zu viele Anmeldungen

In der Wohnung sitzen Salvi und Ursula. Er, geschätzt Mitte vierzig, in dunklem Hemd und mit gutmütigem Gesicht, sie mit kurz geschnittenen Haaren, festem Händedruck und ebenfalls freundlich lächelnd. Sie scheinen keine Aussenseiter ohne Freundeskreis zu sein. Allmählich beruhige ich mich. Später kommen Dani, Nuno aus Portugal und Deutschlehrerin Bettina hinzu. Zusammen stossen wir auf den Abend an.

Die Gastgeberin des Abends, Nina, ist 28-jährig und Theaterschneiderin. Gleichzeitig ist sie die Initiatorin vom «Dine Aarau» – von Abenden also, an denen man sich ungezwungen mit Fremden aus der Region trifft und gemütlich zusammen isst. 15 Leute hätten sich für diesen Freitagabend, für das allererste «Dine Aarau» angemeldet. «Leider musste ich der Hälfte absagen, da an meinem Tisch nicht so viel Platz ist», erzählt Nina beim Abwaschen. Doch was bringt einen dazu, Unbekannte einfach zum Essen einzuladen?

Den neusten Tratsch im Gepäck

«Wir Schweizer sind eigentlich nicht so offen für das. Dabei dient es dem Networking, es schafft ungezwungene Freundschaften», sagt Nina. Ursula stimmt ihr zu: «Mein Mann und ich sind immer um Leute, die so ticken wie wir. Sie haben den gleichen Beruf oder ähnliche politische Ansichten.» So sei man immer nur in seinem «Chueche». Die Beziehungen vom «Dine Aarau» seinen viel unkomplizierter.

Unkompliziert geht es auch am Tisch zu und her. Bei Spätzli und Involtini sprechen wir über Länder, die wir schon bereisten, über Restaurants, und vor allem über Aarau und seine Bewohner. Ich weiss jetzt, wer bei wem «z’Miet» ist und welches Café von wem übernommen wurde.

Gegen Mitternacht mache ich mich mit Ursula auf den Heimweg. Nie hätte ich gedacht, solch normale, mitten im Leben stehende Menschen anzutreffen. Für meine anfängliche Nervosität komme ich mir im Nachhinein spiessig vor.

Box: Jeden Monat ein neues Erlebnis

Das «Dine Aarau» findet neu einmal monatlich in der Region Aarau statt. Anmelden kann man sich unter www.dineaarau.jimdo.com als Gast oder Gastgeber. Letzterer erhält von jedem Besucher ein Unkostenbeitrag von 20 Franken. Teilnehmen können alle Altersgruppen, die maximale Anzahl Gäste variiert je nach Gastgeber.

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