Küttigen
Ein Rundgang zur Pflege des Dorflebens

Der Themenweg «Historische Häuser» hat mit dem Willen zu tun, als Dorf eigenständig zu bleiben.

Ueli WIld (text und Foto)
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Sie waren an der Realisierung des Themenwegs beteiligt (vl.): Lokalhistoriker Kurt Graf-Gfeller, Lea Reusser (Jurapark Aargau) und Vizeammann Peter Forster mit Schautafel

Sie waren an der Realisierung des Themenwegs beteiligt (vl.): Lokalhistoriker Kurt Graf-Gfeller, Lea Reusser (Jurapark Aargau) und Vizeammann Peter Forster mit Schautafel

Ueli Wild

Die Schautafeln werden heute und morgen aufgestellt. Am Samstag erfolgt quasi die offizielle Eröffnung mit einer öffentlichen Begehung. Küttigen hat einen neuen Themenweg, der historischen Häusern im Dorf gewidmet ist.

Anders als der bereits bestehende Geo-Wanderweg unterhalb der Staffelegg mit fünf Stationen zur Entstehungsgeschichte des Kettenjuras und seinen wichtigsten Gesteinsformationen führt der Themenweg «Historische Häuser» auf einem Rundkurs mit möglichen Erweiterungen mitten durchs Dorf.

Er kann zu jeder Jahreszeit mühelos und mithilfe einer kleinen Karte selbstständig begangen werden. Die einfachste Route führt via Benkenstrasse ins Oberdorf und von da die Vorstadtstrasse hinunter zur Alten Mühle. Abstecher bieten sich an in Richtung Benken bis zur früheren Papiermühle und in Richtung Weidhölzli bis zum Horenhof.

Gestern, im Rahmen einer «Taufe», wurde der Weg im Spittel all jenen Eigentümern vorgestellt, die bereit gewesen waren, für das Projekt Informationen – etwa zum Gebäudeinnern oder zu den früheren Besitzerfamilien – preiszugeben. Der Weg, sagte bei dieser Gelegenheit Küttigens Vizeammann Peter Forster, sei «gut für den Kreislauf, fürs Gemüt und für das Dorfleben.»

Forster betreut den neuen Themenweg zusammen mit dem Lokalhistoriker Kurt Graf-Gfeller, der die nötigen Nachforschungen angestellt hat. Den Anstoss zum Ganzen gab die Befragung der Bevölkerung zum «Zukunftsraum Aarau», dem regionalen Fusionsprojekt, aus dem sich Küttigen inzwischen verabschiedet hat.

Eigenständigkeit fördern

Dabei kam heraus, dass die Küttigerinnen und Küttiger den spezifischen Charakter des Dorfes erhalten möchten. Ihnen gehe es darum, die Identität und Eigenständigkeit zu bewahren und zu fördern, sagte gestern Peter Forster. Diesem Wunsch wolle der Gemeinderat nachkommen. Mit der Schaffung des Themenwegs «Historische Häuser» werde deshalb eine «gezielte Pflege des Dorflebens» betrieben. Und die Initianten täuschten sich nicht, im Gegenteil: Die Bereitschaft der angefragten Hausbesitzer übertraf ihre Erwartungen: 20 wurden angefragt, 17 sagten zu. Erweist sich der Weg bei der Bevölkerung als Erfolg, können auch weitere dazukommen.

Oftmals offenbaren die Häuser, welches Leben die früheren Eigentümer führten, welche Berufe sie ausübten. Beim Verfassen der Texte auf den Tafeln, so Kurt Graf-Gfeller, sei er deshalb nicht darum herum gekommen, sich auch mit den eingesessenen Küttiger Familien zu befassen.

Wer die einzelnen Schautafeln studiert, erfährt nun beispielsweise, dass das 1569 erbaute spätgotische Zollhaus an der Benkenstrasse 4 mit dem Ende der Berner Fremdherrschaft 1798 seine Funktion verlor und fortan von der Familie Bolliger als Bauernhaus genutzt wurde. Oder dass am 19. September 1923 die letzte Pferde-Postkutsche von Küttigen nach Aarau fuhr.

Definitiv eingestellt wurde die Fuhrhalterei an der Vorstadtstrasse 60 nach dem Zweiten Weltkrieg. Und in der 1608 erbauten Mühle mit ihren grandiosen Wandmalereien, so wird vermutet, fanden Treffen einer von den Berner Herren verbotenen Täufergemeinschaft statt.

Vielleicht sei nicht alles, was auf den Tafeln stehe, «historisch ganz korrekt», räumte Peter Forster ein. Man habe sich aber auf die überlieferten Angaben gestützt. Letztendliche Beweise – etwa zur Frage, wo genau welches Möbelstück stand – gebe es nicht. «Aber wir glauben, sehr nahe an der Wahrheit zu sein.»

Unterstützung des Juraparks

Die weisse Schrift auf grauem Grund und das Format A3 entspricht Vorgaben des Bundes für Naturparks. Das erklärte Lea Reusser, Projektleiterin «Naturnaher Tourismus» beim Jurapark Aargau. Dieser stand den Initianten bei der Entwicklung des Projekts mitgestaltend zur Seite. Küttigen ist eine der 28 Gemeinden des Juraparks, der seit 2012 das Naturpark-Label des Bundes trägt.

Bisher habe der Jurapark den Fokus eher auf die Natur gelegt, sagte Lea Reusser. Der Themenweg «Historische Häuser» bilde daher eine willkommene Ergänzung. Reusser versprach gestern: «Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, dass das Ganze über die Dorfgrenzen hinausgetragen wird.»

Erste öffentliche Begehung

Am kommenden Samstag, 29. Oktober, wird der Themenweg «Historische Häuser» in Küttigen erstmals öffentlich begangen. Auf dem Mühleplatz, hinter dem Restaurant «Linde», wird Vizeammann Peter Forster um 11 Uhr die Anwesenden begrüssen. Der Lokalhistoriker Kurt Graf-Gfeller macht anschliessend Ausführungen zum Themenweg.

Um 12 Uhr servieren die Landfrauen eine Zwischenverpflegung zum Selbstkostenpreis. Anschliessend, von 13 bis 14 Uhr, bietet Kurt Graf-Gfeller eine Führung auf dem Themenweg ins Oberdorf an. Damit beginnt die einjährige Pilotphase. Der Gemeinderat stellt in Aussicht, dass der Themenweg im Falle einer guten Aufnahme durch die Bevölkerung anschliessend mit weiteren Tafeln ergänzt werden kann. (uw)