Oberentfelden
Ein Roman wie ein leichter Country-Song

Der Musiker und Kommunikationsunternehmer Chris Regez ist unter die Buchautoren gegangen. Er erzählt eine Geschichte über einen Songwriter, der in der Countrymusik-Hochburg Nashville sein Glück versucht.

Peter Weingartner (Text und Foto)
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Chris Regez weiss, wovon er schreibt.

Chris Regez weiss, wovon er schreibt.

Peter Weingartner

«Der Songwriter» heisst Chris Regez’ Erstling. Auf 342 Seiten schildert er 87 Tage im Leben des Songwriters Joe Baker aus Südkalifornien, der mit der Absicht nach Nashville gereist ist, da als erfolgreicher Songwriter durchzustarten.

Sein Glück: Er hat etwas Erspartes, was ihm erlaubt, nicht gleich den erstbesten Job anzunehmen wie ein Kollege mit den gleichen Träumen, der nun Möbel verkauft. Aus San Diego mitgenommen hat er eine Gitarre, ein MacBook und einen alten Reisekoffer.

Und sein Kapital: ein paar Songtexte. Zurück lässt er seine ehemalige Freundin, die den Songwriter für einen Arzt verlassen hat. Nun ist er also in der Hauptstadt der Country-Music, wild entschlossen, den Durchbruch zu schaffen.

«Lebe deinen Traum»

Regez widmet die Geschichte von Baker allen, «die ihren Traum verwirklichen wollen». Das Motto: «Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.» Dass das nicht so einfach ist, zeigt sich schon bald. Hoffnungen zerbrechen an der Realität des Music-Business, das um keinen Deut besser ist als jedes andere Geschäft. Geld und Erfolg regieren auch diese Welt. Und Intrigen.

Manche gehen über Leichen. Dazu kommen amouröse Verwicklungen, denn Baker ist ebenso wenig ein Mauerblümchen wie die Sängerinnen, die sich in der Szene tummeln. Er ist «der Traum jeder Schwiegermutter».

Chris Regez verfügt über eine lockere Schreibe, nahe der gesprochenen Sprache, klar und verständlich. Manchmal wünschte man ihm ein höheres Bewusstsein für abgedroschene Bilder, wenn er vom «Versinken in blauen Augen» schreibt, «bezauberndem Lächeln» oder «endlos langen Beinen». Manchmal läse man gerne statt von «intensiven Gesprächen» zweier Verliebter, worüber sie sich denn konkret unterhalten.

Und wenn Joe Baker nachts eine Zeile für einen Song einfällt und er sie aufschreibt, genösse man gerne genau diese Zeile, auch in Englisch. Überhaupt: Ein paar konkrete Texte des «Songwriters» könnten dessen Glaubwürdigkeit nicht schaden.

Eigene Anschauung

Regez weiss schon, wovon er schreibt; er kennt Nashville und er ist Musiker. Er bietet einen Einblick in eine Welt, wo der Durchhaltewille nicht reicht, sondern wo auch Zufälle spielen: Glück oder Pech.

Neben dem Einblick in ein unromantisches Business bietet Regez Lokalkolorit in den Beschreibungen der Lokale und deren Speisekarten. Zuweilen ist die Handlung etwas allzu vorhersehbar, was wohl damit zusammenhängt, dass die Kapitelüberschriften – manchmal sinds gar noch Zwischentitel – zu viel verraten.

Der Roman hat einen gewissen Sog, der von Tag zu Tag – wie ein Tagebuch – weiter drängt bis zum Finale. Regez schlägt mit Satzfragmenten und kurzen Sätzen auch syntaktisch ein Tempo an, als reise man mit dem Ford Mustang, den er sich gleich bei der Ankunft in Nashville gemietet hat, durch die drei Monate im Leben des Joe Baker.

Ein Roman wie ein leichter Country-Song von Songwriter Chris Regez. Wie aber schlägt sich der Loser, der Möbel verkaufende Songwriter, durchs Leben? Wär das ein Thema für eine nächste Regez’sche Nashville-Geschichte?

Das Buch ist in Buchhandlungen oder auf www.der-songwriter.com erhältlich.

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