Seit 1920 heisst die schmale, in der Mitte genickte Verbindung zwischen Aare- und Gysulastrasse im Aarauer Scheibenschachen Troxlerweg. Doch Hand aufs Herz: Wer weiss heute noch etwas über den Namensgeber Ignaz Paul Vital Troxler, dem die Aargauer Kantonshauptstadt im 19. Jahrhundert zur Wahlheimat wurde? Der 150. Todestag Troxlers am kommenden 6. März gibt dem «Forum Schlossplatz» Anlass für eine Plakataktion, die der heutigen Generation an verschiedenen Orten und Plätzen Zitate des Arztes, Philosophen, Pädagogen und Politikers zeigt. Diese sollen nicht nur historisches Interesse wecken, sondern auch «zum Nachdenken über Gegenwarts- und Zukunftsfragen» anregen.

Ignaz Paul Vital Troxler wurde 1780 in Beromünster geboren. Er studierte in Jena Medizin und Philosophie, eröffnete 1805 in seinem Geburtsort eine Arztpraxis und wurde Inhaber eines Lehrstuhls am Lyzeum Luzern. Als liberaler Katholik legte er sich in den politisch bewegten Jahren der Restauration mit der patrizisch-klerikalen Reaktion an und übersiedelte ein erstes Mal in das freiheitlich gesinnte Aarau. Hier fühlte er sich im Kreis des Volksaufklärers Heinrich Zschokke wohl. Dieser war es auch, der den wieder als Arzt tätigen Troxler 1823 als Dozenten und temporär als Leiter des «Lehrvereins» berief. Das private Institut in Zschokkes Haus am Rain 18 hatte zum Ziel, jungen Berufsleuten zusätzliche Bildung zu vermitteln, nicht zuletzt als liberale Kaderschmiede für den jungen Kanton Aargau, der dringend auf qualifizierten Nachwuchs für höhere Staatsämter angewiesen war.

Im Scheibenschachen zu Hause

Absolventen des Aarauer Lehrvereins waren in der Folge auch treibende politische Kräfte auf dem Weg zum schweizerischen Bundesstaat von 1848. Die Zeit dieses Wirkens sollte für Troxler eine der glücklichsten seines Lebens werden, auch wenn der Lehrverein 1830 seinen Betrieb einstellen musste. In Aarau war er weiterhin als praktischer Arzt tätig und stand in dieser Funktion Mitte Februar 1827 auch am Sterbelager von Heinrich Pestalozzi in Brugg. Bereits im September 1826 erwarb er ein kleines Landgut auf der Aarmatte im vorderen Scheibenschachen, in Sichtweite von Heinrich Zschokkes Blumenhalde.

1830 folgte ein kurzes Gastspiel auf dem Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Basel. Seine Sympathie für die demokratische Bewegung in der Basler Landschaft wurde ihm zum Verhängnis, er floh zurück in den liberalen Aargau. 1832 schenkte ihm die Gemeinde Wohlenschwil das Aargauer Bürgerrecht, im gleichen Jahr nahm er Einsitz im Grossen Rat. Parallel dazu beteiligte sich Troxler von Aarau aus am Ringen um die Revision der Bundesverfassung. Er postulierte als einer der Ersten das parlamentarische Zweikammersystem nach amerikanischem Vorbild, doch die Zeit war damals noch nicht reif für solch visionäre Gedanken eines «radikalen Hitzkopfs».

Philosophieprofessor in Bern

1834 verliess er Aarau erneut, um an der Universität Bern als Professor für Philosophie zu wirken. Trotz zunehmender Isolation des katholischen Liberalen, der ein scharfzüngiger Verfechter seiner Ideen war, harrte er in der Bundesstadt bis 1853 aus. Im Alter von 73 Jahren kehrte er wieder in seine Wahlheimat Aarau zurück und war bis zu seinem Tod bemüht, das lebenslang gesammelte wissenschaftliche Material in einer philosophischen Anthropologie zu verarbeiten. Das Werk blieb allerdings ein Fragment, beeinflusste aber das Denken des später geborenen Rudolf Steiner, des Begründers der Anthroposophie.

Nach dem Tod seiner Frau Minna 1859 vereinsamte Troxler zusehends. Am 6. März 1866 verstarb der fast 86-jährige in seinem (längst verschwundenen) Aarauer Heim an Herzstillstand. Im Aargau war damals das Wissen um die Verdienste Troxlers noch wach. Der Grosse Rat brach am Tag der Beerdigung seine Sitzung vorzeitig ab, damit die Parlamentarier an der Trauerfeier teilnehmen konnten.

Troxler-Zitate in Aarau

Vom Freitag, 26. Februar, bis zum 16. März erinnern Plakate an verschiedenen Ort in der Stadt Aarau (unter anderem im Kasinogarten, am Bahnhofplatz, an der Igelweid, an der Rathausgasse oder auf dem Holzmarkt) an Ignaz Paul Vital Troxler. So fragte sich der Wahlaarauer schon in den 1830er-Jahren: «Müssen Bildungsanstalten im Geist der Zeit oder nicht vielmehr gegen denselben angelegt werden?», ein Zwiespalt, der an Aktualität nichts verloren hat.

Am Sonntag, 6. März, findet in Aarau ein Troxler-Gedenkanlass statt. Um 14 Uhr gibt es eine öffentliche Stadtführung. Information: info@troxlergedenkjahr2016.ch