Man könnte heulen. So herzergreifend rührig ist die Geschichte, diese tragische Liebschaft auf Briefpapier, ausgetauscht zwischen Gutshof und Gestapo-Gefängnis, zwischen Maria von Wedemeyer und Dietrich Bonhoeffer, verlobt trotz 18 Jahre Altersunterschied.

Sie, das unbedarfte Mädchen aus guter Familie, er, Theologe und einer der entschiedensten Repräsentanten des Widerstandes gegen Hitler. «Dietrich, ich bin so sehnsüchtig. Sehnsüchtig einfach in den Himmel hinein», schmachtet sie. Und er schreibt nach einem Gefängnisbesuch seiner Braut: «Es fiel die Tür ins Schloss, ich höre deine Schritte langsam sich entfernen und verhallen. Was bleibt mir? Freude, Qual, Verlangen? Ich weiss nur dies: Du gingst – und alles ist vergangen ...» Was für eine Liebe, Schwüre, zäh-süss wie Zuckerguss, so innig und fremd, zuversichtlich und verzweifelt inmitten von Krieg und Diktatur.

Und dann das: «Könnt ihr meine Unterhosen so konstruieren, dass sie nicht rutschen?», ruft Dietrich Bonhoeffer, verkörpert von SP-Grossrat Dieter Egli, mit fester Stimme in den Saal des Zwinglihauses. Rutschende Unterhosen inmitten süffiger Liebeserklärungen – grossartig, die verdutzten Gesichter in den Reihen der Chorsänger der Kantorei der Reformierten Kirchgemeinde Aarau. Zum allerersten Mal proben sie gemeinsam mit der Theatergruppe unter der Regie von Heinz Schmid, sitzen den Schauspielern wie ein Publikum gegenüber. Ein erster Test für die Schauspieler, ein erster Eindruck, wie ihr Stück auf Zuschauer wirkt.

Es bleibt nicht bei diesem einen Mal mit den verdutzten Gesichtern, dem gebannten Lauschen, dem nachdenklichen Sackenlassen. Wie die 18 Laienschauspieler die Liebesgeschichte von Maria und Dietrich anhand der Originalpassagen aus dem Briefwechsel im Kontrast mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges nacherzählen, ist eindrücklich.

Mal laut, mal verstörend stürmisch, mal unbedarft lustig, mal unschuldig. Mal mit Gipsfratzen vor den Gesichtern und Bambusstöcken in den Händen, mit denen sie auf die Weisheit in Gestalt einer Strohpuppe im geblümten Sommerkleidchen einprügeln, oder so heftig auf den Boden schlagen, dass er vibriert.

Und auch wenn Gesa von Hirschheydt im weiten Pullover, Jeans und Turnschuhen äusserlich noch nicht wie das adrette Fräulein Maria wirkt, so ist sie es doch schon durch und durch. «Ich fühle mich Maria sehr ähnlich», sagt sie zwischen zwei Szenen, «gefühlsbetont, mal überschäumend, mal betrübt.» Auch Dieter Egli gibt einen überzeugenden Bonhoeffer ab, textsicher und echt. Zum Auswendiglernen sei diese Rolle einfach, sagt er.

«In diese schweren, gehaltvollen Texte aber eine gewisse Leichtigkeit, etwas Lebendiges hineinzubringen, ist schwierig.» Sagt es und springt wieder auf, stellt sich zwischen die Soldaten, die ihn an den Armen packen, und ruft als Bonhoeffer mit finsterem Gesicht: «Dies ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.»

Dietrich und Maria Schauspiel für Theater, Chor und Instrumentalensemble, 12., 14. und 15. März um 20 Uhr in der Stadtkirche Aarau. Eintritt frei, Kollekte.